Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Fallersleben Bärbel Weist ist seit 40 Jahren Ortsbürgermeisterin von Fallersleben
Wolfsburg Fallersleben Bärbel Weist ist seit 40 Jahren Ortsbürgermeisterin von Fallersleben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:09 25.11.2019
Bärbel Weist: Seit stolzen 40 Jahren Ortsbürgermeisterin von Fallersleben. Quelle: Sylvia Telge
Fallersleben

So ein Jubiläum gibt es selten: Seit 40 Jahren ist Bärbel Weist (77) ununterbrochen Ortsbürgermeisterin von Fallersleben. Das wird natürlich gefeiert, am 10. Dezember. Für die gebürtige Fallersleberin war nicht klar, dass sie mal Politikerin wird, aber: „Ich hatte früh den Wunsch, etwas für Fallersleben zu tun.“ Das hat sie in der Politik gut tun können, aber auch in den fast 40 Vereinen, in denen sie Mitglied ist. Eins mag die PUG-Politikerin als Ortsbürgermeisterin besonders: „Den Kontakt zum Bürger.“

Großartig auf das Amt der Ortsbürgermeisterin konnte sich Bärbel Weist nicht vorbereiten – sie stolperte quasi hinein. Der damalige Amtsinhaber Manfred Ludwig warf überraschend das Handtuch, die CDU stellte Bärbel Weist damals als Nachfolgerin auf. „Ich bekam sogar eine Stimme mehr als die CDU Sitze im Ortsrat hatte“, erzählt sie schmunzelnd. Schon damals, 1979, war sie als engagierte, bodenständige Politikerin, die sich kümmert, bekannt. Deshalb wählten die Fallersleber sie immer mit großer Mehrheit wieder – übrigens auch, nachdem sie 1984 mit CDU-Ortsratsmitgliedern die PUG gründete. Grund dafür war der Streit um ein Gefängnis, das auf dem Glockenberg entstehen sollte.

Vier spannende Jahrzehnte mit vielen erfolgreichen Projekten

Bärbel Weist hatte keinen einfachen Start als Oberhaupt von Fallersleben: „Es gab viele Widerstände gegen eine Frau als Ortsbürgermeisterin“, sagt sie. Vor allem aus der Politik. Im Ortsrat habe es einige Mitglieder gegeben, die ihr das Leben schwer machen wollten.

Es ging nicht immer nur um Politik

Dabei ging es nicht immer um Politik. Ein Beispiel: Trotz Rauchverbot qualmten einige und hielten die Zigarre unter dem Tisch und es wurde bei Sitzungen Schnaps getrunken. „Sie wollten mich herausfordern“, blickt die Ortsbürgermeisterin zurück. Das schafften sie nicht. Auch der damals sehr häufig gesagte Spruch „Habt Ihr keinen Mann, der dieses Amt übernehmen kann“, verhallte schnell.

Eins hat Bärbel Weist in den vergangenen vier Jahrzehnten erlernt: Geduld und Beharrlichkeit ist wichtig, um als Kommunalpolitiker erfolgreich zu sein. „Obwohl das persönlich nicht meine Stärke ist“, so Bärbel Weist. Beharrlich an einer Sache dranbleiben – das war wichtig, um Projekte wie die Ortsumgehung durchzuboxen oder den Containerhafen umzusetzen.

Viel Überzeugungsarbeit bei ICE-Strecke

Dabei galt es nicht nur den politischen „Gegner“ davon zu überzeugen, sondern auch die Bürger. Das war beispielsweise bei der ICE-Strecke wichtig. Es gab viele Vorbehalte, gerade von den Anwohnern. „Da war viel Überzeugungsarbeit nötig“, erinnert sich Bärbel Weist. Die zahlte sich aus: Lärmschutzwände wurden erhöht, das alte Bahnhofsgebäude verschwand zwar, ein neues entstand, aber der Haltepunkt blieb. Eine kluge Entscheidung: Denn heute zählt der Fallersleber Bahnhof Tausende Fahrgäste.

Aus- und Umbau des Schwefelbades nach dem Brand, drei neue Kitas, die Sanierung des Schulzentrums, der Umbau des Freibades, zwei Pflegeheime, viele historische Feste, die historischen Stadtrundgänge, der Weihnachtszauber – Bärbel Weist hatte immer viele Ideen und setzte die auch um. Dabei ging sie auch mal ungewöhnliche Wege: Um für die Rhönrad-Sparte des VfB zu werben, stieg sie sogar selbst ins Rhönrad.

Überzeugung und Leidenschaft

Egal was die passionierte Schwimmerin tat und tut – sie macht es aus Überzeugung und viel Leidenschaft. Einige Dinge berührten sie persönlich: Zum Beispiel der Besuch von ehemaligen US-Soldaten 2005, die 1945 Fallersleben besetzt hatten. Kein leichtes Wiedersehen, „ich war vorher ziemlich aufgeregt“, gibt Bärbel Weist zu. Aber alles ging gut. „Es war schön zu sehen, wie herzlich die Menschen zueinander waren.“

Sehr emotional war es 2002, als Teile von Sülfeld und das Fallersleber Maler-Viertel von Hochwasser bedroht waren. „Nächtelang war ich vor Ort“, erinnert sich die Ortsbürgermeisterin. Es gab aber auch Dinge, die weniger schön und erfolgreich waren. Dazu gehört die ehemalige Zuckerfabrik, aus der die Bundesverdienstkreuz-Trägerin gern ein Musicaltheater gemacht hätte. Das Konzept stand, „es wurde kaputt gemacht“. Auch ihre Idee Die Hoffmannstadt zu einem anerkannten Bad zu machen, klappte leider nicht.

Lesen und Reisen sind die Hobbys

Politik war und ist ihr Leben. Es ist ein Ehrenamt, das sie jahrzehntelang neben ihrem Job bei VW ausübte. Viel Zeit für Hobbys gibt es nicht. Aber zwei Dinge macht Bärbel Weist gern, wenn sie mal Zeit abknapsen kann: lesen und reisen.

Von Sylvia Telge

Tolles Konzept: Ein Kirchenmusiker hat den Teilnehmern gleich neun Lieder beigebracht, und das mehrstimmig. Im anschließenden Gottesdienst konnten die Hobbysänger ihr Können direkt präsentieren.

24.11.2019

Viele Helfer waren nötig, um die Fallersleber Altstadt zwischen unzähligen Kunsthandwerkständen mit 10 000 Kerzen erstrahlen zu lassen. Der Aufwand hat sich gelohnt.

24.11.2019

Die Funker kommen groß raus: Heute Abend sind sie im Fernsehen zu sehen. Und schon jetzt kann man einen Radio-Beitrag über sie und ihr geliebtes Hobby hören.

23.11.2019