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Thema des Tages Was machen Oldtimer-Fans im Winter? „Wir fahren natürlich!“
Thema Specials Thema des Tages Was machen Oldtimer-Fans im Winter? „Wir fahren natürlich!“
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08:03 24.10.2019
Peter Gast macht seinen Oldtimer winterfest – fahren wird er ihn trotzdem in der kalten Jahreszeit. Quelle: Boris Baschin
Isenbüttel/Ehmen

Traurig, aber wahr: Die Old- und Youngtimer-Saison 2019 neigt sich mit großen Schritten dem Ende zu. Die meisten Oldie-Freunde fahren ihre Schätze spätestens Anfang November ins Überwinterungsquartier bereiten sie auf den Winterschlaf vor. Aber es gibt auch Ausnahmen wie Horst-Dieter Valentini aus Calberlah und Peter Gast aus Ehmen.

„Ich fahre meinen Oldtimer bei schönem Wetter auch im Winter – er hat doch eine Heizung“, sagt Horst-Dieter Valentini und zupft seinem Oldie die schützende Decke vom Heck. „Natürlich nur, wenn kein Salz auf der Straße liegt.“ Peter Gast sieht es ähnlich: „Ich will ja 350 Tage im Jahr Spaß an meinem Oldtimer haben.“ Beide fahren einen roten VW 1600Valentini als TL-Limousine, Gast als Variant. Eher seltene Oldies aus den 1970er Jahren, die viele Autofans lieber schonen und pflegen als durch den Alltag treiben würden.

Autos werden zum Fahren gebaut

Valentini (52) und Gast (72) sehen es ähnlich, und doch ganz anders: „Ein Auto wurde zum Fahren gebaut, nicht zum Stehen“, findet Gast. Und lehnt sich mit dem Ellenbogen ans Fenster seines schmucken Volkswagen. Ein Auto gehöre auf die Straße, nicht in die sprichwörtliche Vitrine. Was bei ihm aber auch heißt: Carport statt beheizte Garage. Horst-Dieter Valentini ergänzt nachdenklich: „Was aber nicht heißt, dass man sein altes Auto nicht pflegt“, betont Valentini. „Im Gegenteil: Um es regelmäßig fahren zu können, muss man es pflegen.“

Echte Oldtimer-Freunde machen ihre rollende Schätze winterfest. Und fahren weiter...

So wie Horst-Dieter Valentini: Er hat eine ganz besondere Beziehung zu seiner „Touring Limousine“ (TL) aus dem Baujahr 1970 und nennt sie „Sommerfeldt“, denn: „Der erste Besitzer war Rudi Sommerfeldt, ein Polizist aus Rosenheim.“ Der sei den Typ-3-Volkswagen von 1970 bis 1992 gefahren. Der Calberlaher hat den schönen Oldtimer 2015 gekauft und dessen Historie genau recherchiert – mittlerweile ist der 1600 fast 50 Jahre alt und hat 73.224 Kilometer auf dem Tacho. „Ich weiß allerdings nicht, wie oft der Tacho schon rum ist“, schmunzelt er. Im Sommer war er mit „Sommerfeldt“ beim Typ 3-Europa-Treffen in der Nähe von Oslo. „Ich fahre ihn rund 2500 Kilometer pro Jahr.“ Peter Gast lächelt: „Ich fahre meinen 1600 Variant rund 6000 Kilometer im Jahr.“ Fans nennen das einen „Daily Driver“ – ein Alltagsauto.

Vorm Winter kommen viele Pakete

Um fit für den Alltag zu sein, brauchen Peter Gast und Horst-Dieter Valentini viele Pakete. „Wir bestellen ständig etwas“, lacht Valentini und reißt ein Paket mit diversen Reinigern und Pflegeprodukten auf. Es steht in seiner Garage in Isenbüttel. Greift hinein und zieht eine Pflegestift für Gummis heraus. Öffnet die Kappe und den Kofferraum von „Sommerfeldt“ und zieht mit dem feuchten Stift über die Gummidichtungen der Heckklappe: „Damit sie nicht porös werden.“ Als er fertig ist, zeigt er nach vorne: „An der Frontscheibe hat es reingeregnet – die Scheibe muss ich ausbauen und mit neuen Gummis versehen.“ Diese Gummis seien porös.

Hoch die Decke: Bei gutem Wetter fährt Horst-Dieter Valentini seinen Typ 3 1600 TL auch im Winter. Quelle: Carsten Bischof

Auch Peter Gast zeigt auf seine Pakete: „Ich habe mir ein neues Dreiecksfenster bestellt. Das baue ich im Winter ein.“ Er grübelt: „Außerdem erledige ich typische Winterarbeiten – Ölwechsel, Luftdruck prüfen, Bremsflüssigkeit checken, voll tanken.“ Voll tanken? „Na klar“, betont er. „Wenn der Tank voll ist, kann er nicht rosten.“ Grundwissen eines jeden Oldtimerfahrers. Aber so richtig viel hat der frühere Maschinenbau-Ingenieur im kommenden Winter nicht zu tun. „Bis aufs Fahren“, lacht er.

Das Winterprojekt ist noch zugestaubt...

Der Elektrotechnik-Ingenieur Horst-Dieter Valentini lacht auch – weil er viel zu tun hat. Er zeigt in die hinterste Ecke seiner Garage: Dort lugt unter einer dicken Staubschicht eine zerlegte Karosserie hervor: „Mein Winterprojekt“, betont der 52-Jährige mit hörbarer Vorfreude: „Ein Typ 3 1600 Variant, Baujahr 1973, er stand 16 Jahre.“ Sein Ziel: In vier Jahren mit dem Projekt fertig sein. Vielleicht zur Saisoneröffnung 2023 – „am 1. Mai beim Maikäfertreffen in Hannover.“ Bis dahin werden sich noch viele Pakete in seiner Garage stapeln.

Doch jetzt zupft er erst einmal die Schutzdecke komplett über „Sommerfeldt“, schaltet das Licht aus und schließt das Garagentor zu. „Feierabend.“

Oldtimer: Zehn Tipps für die richtige Pflege im Winter

Wie mache ich als Oldtimer-Fahrer mein Schätzchen fit für den Winterschlaf? Andreas Hornig, Leiter des ZeitHauses der Wolfsburger Autostadt, gibt zehn Tipps.

Das Fahrzeug vor dem Winterschlaf gründlich waschen, inklusive Unterbodenwäsche und Radläufe. Eine Handwäsche plus Abledern hat den Vorteil, dass man bei Bedarf kleine Lackschäden sieht und ausbessern kann. Danach das Auto noch einige Kilometer fahren, so dass die Feuchtigkeit aus den Ritzen und Fugen entfernt wird. Gegebenenfalls den Lack versiegeln.

Ölwechselerledigen oder vorziehen – frisches Öl schützt den Motor optimal.

Fahrzeug volltanken, gegebenenfalls einen Benzin-Stabilisator einfüllen – das verhindert die Bildung von Kondenswasser.

Luftdruckauf 3,5 Bar erhöhen – das verhindert Standschäden. Gut ist es auch, das Fahrzeug von Zeit zu Zeit ein wenig von Hand zu bewegen.

Batterieans Ladegerät anschließen oder ausbauen und kühl und trocken lagern. Zeitweise nachladen.

Bei wassergekühlten Motoren Frostschutzim Kühlwasser prüfen.

Ein öliger Lappen im Auspuffrohrverhindert Kondenswasser im Auspuff.

Alle Gummiteilemit Pflegemitteln behandeln.

Türen, Scheiben und Hauben – wenn möglich – nicht ganz schließen, das sorgt für Belüftung.

Fahrzeug mit luftdurchlässigem Bezug abdecken– das gilt nur für indoor/innen.

Von Carsten Bischof

Manche Oldtimer-Liebhaber stellen ihr gutes Stück mehr aus, als dass es gefahren wird. Andere sind das ganze Jahr über damit unterwegs. Angenommen, sie besäßen einen Oldtimer – würden Sie den auch im Winter bewegen? Was ist ihre Meinung? Stimmen Sie ab! Wer an unserer WAZ-Umfrage teilnimmt, kann einen 100-Euro-Gutschein der Konzertkasse gewinnen.

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