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Thema des Tages Warum Kleingärten bei Familien immer beliebter werden
Thema Specials Thema des Tages Warum Kleingärten bei Familien immer beliebter werden
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06:00 09.08.2019
Idyllisch: Die vierköpfige Familie Schwert wohnt mitunter wochenlang im Kleingarten. Quelle: Roland Hermstein
Wolfsburg

Schrebergärten sind spießig, piefig und nur was für Rentner? Weit gefehlt: Die Kleingärten werden immer mehr von jungen Familien erobert, die hier ihre Freizeit genießen. Ein Beispiel dafür ist Familie Schwert, die seit vier Jahren einen Kleingarten in Detmerode gepachtet hat.

Familie wohnt in den Ferien wochenlang im Kleingarten

„Früher ist man zum Kleingarten gefahren, hat gegärtnert und fuhr wieder zurück“, meint Alexander Schwert. „Heute macht man es sich gemütlich.“ Und das haben er, seine Frau und die beiden Kinder perfektioniert: In der Laube haben sie eine kleine Küche, einen Flachbildfernseher und einen Kamin eingebaut, draußen gibt es einen Sitzplatz mit Sesseln und Hollywood-Schaukel, einen mit Kindermöbeln und einen bei der Grillstelle. Im letzten Jahr hat die Familie für volle drei Wochen am Stück hier gewohnt.

Wie unterschiedlich die Schwerts und ihre Nachbarn ihre Gärten gestaltet haben, zeigt die Bildergalerie:

Familie Schwert hat Bienen, Fische und eine Laube wie ein Ferienhaus, ihre Nachbarn hingegen nutzen fast jeden Quadratmeter für Gemüseaufzucht. Der Gang durch eine Kleingartenanlage zeigt die unterschiedlichsten Menschen- und Gartentypen.

„Wir wollten damals etwas fürs Kind haben“, berichtet Schwert über die Suche nach einem Garten. „Das Erste, was wir gekauft haben, war das Trampolin.“ Am Mehrfamilienhaus in Westhagen gab es kein Gartengrundstück, so fiel die Wahl auf den Kleingärtnerverein Detmerode. Für die Kinder ist es ein Paradies: David (7) und Melina (2) toben nicht nur durch die Parzelle, füttern die Fische und naschen Himbeeren – auch im Rest der Anlage dürfen sie frei herumlaufen. „Man kennt sich hier“, sagt Mutter Viktoria.

Vereine haben erkannt: Die Zukunft ist „familienfreundlich“

Der Gemeinschaftsspielplatz, auf dem David und Milena mit den über 20 anderen Kindern in der Anlage spielen, soll übrigens bald aufgewertet werden. Dafür setzt sich der Bezirksverband der Wolfsburger Kleingärtner gemeinsam mit der Stadt Wolfsburg ein. In einem nächsten Schritt wollen sie dann definieren, was „familienfreundlich“ für Kleingärtnervereine bedeutet und wie sie die Anlagen dementsprechend noch verbessern können.

Mit mehr Hochbau steigt die Nachfrage nach Kleingärten

Der Trend geht eben zu den jungen Familien, weiß Detlef Steiniker vom Bezirksverband. Die Pächter von heute sind Anfang 30 und haben zwei bis drei Kinder. Wenn wie in Wolfsburg weitere Neubaugebiete mit mehr Hochbau als Einfamilienhäusern dazukommen, steigt der Bedarf vermutlich noch weiter. Und schon jetzt sind die Kleingärten in Wolfsburg zu annähernd 100 Prozent ausgelastet.

Nutzpflanzen sind ein Muss

Familie Schwert hatte also Glück. Aber was ist mit den vielen Regularien, die das Gärtnern in der Kolonie bestimmen? Viktoria zuckt mit der Schulter: Ja, man darf keine Sträucher zu nah am Zaun pflanzen, aber das ist ja kein Problem. Und auch dass ein Drittel des Gartens mit Nutzpflanzen bestellt sein soll, war eigentlich sogar von Vorteil: Nach ein paar missglückten Experimenten mit Brokkoli und Artischocken wachsen heute prächtige Tomaten, Chilis, Paprika, Auberginen, Erdbeeren und sogar eine Honigmelonenpflanze im hinteren Teil des Gartens. „Die Kinder essen das alles gern“, erzählen die Eltern. „Und gesünder geht es nicht – das ist alles bio!“

Lieber ein Kleingarten als ein Grundstück am Haus

Und dennoch: Jeden Tag extra mit dem Auto zum Garten fahren müssen, und dann die vielen Gartennachbarn so dicht auf dicht – bedauern die Schwerts es nicht, kein eigenes Grundstück am Haus zu haben? Viktoria Schwert schüttelt wild den Kopf: „Im Gegenteil, es ist viel schöner so, man hat so viel Kontakt zu anderen!“ So wird die Ernte unter den Kleingärtnern gern mal geteilt oder man trifft sich zum Grillen. Und auch der Abstand zum Haus sei sogar besser, meint ihr Mann: „Man vergisst hier alle Probleme. Ob irgendwo in der Welt Krieg ist oder zu Hause Rechnungen rumliegen – hier schaltet man komplett ab.“

Von Frederike Müller

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