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Thema des Tages So können Sie Amseln gegen das Usutu-Virus helfen
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07:15 26.08.2019
Diese Amsel ist augenscheinlich gesund. Das Usutu-Virus hat auch unsere Region erreicht. Quelle: dpa
Peine/Gifhorn/Wolfsburg

Der Gesang der Amsel ist ein fester Bestandteil deutscher Gärten und Grünanlagen. Seit 2012 hört man die unverwechselbare Stimme des bekanntesten Singvogels jedoch immer seltener. Schuld ist das tropische Usutu-Virus: Es wird von Mücken auf heimische Vögel übertragen und führt bei ihnen zu einem langsamen, qualvollen Tod. Insbesondere Niedersachsen vermeldet starke Rückgänge der Amsel-Populationen.

Mehr Mücken – mehr Infektionen

Bereits 2018 berichtete der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) über ein massives Amselsterben bundesweit. Dieses Jahr wiederholt sich die Tragödie – und soll noch schlimmer werden: „Der trocken-heiße Sommer 2018 war offensichtlich günstig für die Ausbreitung des wärmebedürftigen Usutu-Virus“, so Dr. Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). 2019 ist genauso heiß, dabei aber deutlich feuchter und mückenreicher als das Vorjahr. „Daher könnte die diesjährige Usutu-Saison noch stärker ausfallen“, so Lühken weiter.

Niedrigster Amselbestand seit 2005

Den Höhepunkt des Vogelsterbens erwarten Vogelkundler und Virologen in den kommenden Wochen, denn die meisten Usutu-Fälle treten im August und September auf. Im Jahr 2018 entfielen 93 Prozent der insgesamt fast 13 500 Meldungen auf diese beiden Monate. Bei den im Zuge der Nabu-Gartenvogelzählung 2019 gemeldeten Amselzahlen zeigte sich ein deutlicher Rückgang um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 2,93 Vögeln pro Garten ist das der mit Abstand niedrigste Wert seit Beginn der Zählungen im Jahr 2005.

Laut einer Studie des BNITM gibt es 2019 in der Region Peine bislang 249 Usutu-Verdachtsfälle. In Gifhorn und Wolfsburg sind es jeweils vier. „Auf diese Zahlen können wir uns aber nicht verlassen, weil es sich nur auf gemeldete Fälle bezieht. Die meisten Opfer unter den Vögeln bleiben ungemeldet. Die Dunkelziffer liegt demnach wahrscheinlich deutlich höher“, betont Uwe Schmidt, erster Vorsitzender des Nabu-Kreisverbands Peine. Der Nabu bestätigt, dass Niedersachsen klar an der Spitze der traurigen Rangliste der Bundesländer mit den meisten Vogeltod-Meldungen liegt.

Labornachweise für das Virus

„Wo das Virus schon länger vorkommt, werden geringere Todesraten festgestellt“, sagt Lars Lachmann, Vogelschutzexperte des Nabu. „Das liegt vermutlich daran, dass schon viele Vögel im Vorjahr gestorben sind und überlebende Vögel eine Immunität gegen die Krankheit erwerben.“ In Peine, Gifhorn und Wolfsburg gab es erst 2018 die ersten positiven Labornachweise des Usutu-Virus. Tendenzen können für einzelne Gebiete jedoch noch nicht explizit ermittelt werden.

Hilfe für die Vögel

„Allgemein ist es immer noch sehr schwer, spezifische Aussagen für kleine Gebiete zu treffen“, erklärt Lühken. Der Nabu bittet daher alle Vogelfreunde, Fälle von auffälligen Amseln zu melden. „Helfen kann man den Vögeln, indem man Tränken regelmäßig reinigt und sie das ganze Jahr hindurch füttert, damit wenigstens Nahrungsmangel kein Problem für sie ist“, erklärt Schmidt. Vor allem im kommenden Winter seien sichere Rückzugsmöglichkeiten in naturbelassenen Gärten und qualitativ hochwertiges Futter ein guter Start für die kommende Brutzeit.

Der nächste Winter wird für Amseln besonders schwer. Futterstellen könnten ihnen das Leben retten. Quelle: dpa

Lars Lachmann vom Nabu betont: „Leider kann man Usutu-Infektionen weder verhindern noch behandeln. Wir rufen daher alle Vogelfreunde dazu auf, zumindest dafür zu sorgen, dass Amseln und andere Gartenvögel in naturnahen Gärten gute Lebensbedingungen vorfinden, um die Verluste durch die neue Vogelkrankheit durch guten Bruterfolg wieder auszugleichen.“

Hoffnung gibt es trotzdem, denn Ornithologen und Tropenmediziner erwarten, dass immer mehr Vögel Resistenzen entwickeln und die Infektion überleben. Die Stimmen der Singvögel werden demnach nicht für immer in deutschen Gärten verstummen.

Infizierte Vögel melden

Der Nabu und Tropenmediziner bitten die Bevölkerung um Mithilfe: Zur weiteren Erforschung des Virus und potenzieller Auswirkungen auf die zukünftige Vogelpopulation und die Gesundheit des Menschen sollten infizierte oder tote Vögel gemeldet werden. Wichtig sind möglichst genaue Angaben zu Fundort, Funddatum und den näheren Fundumständen und zu den Symptomen der Vögel. Unter www.nabu.de/usutu-melden steht ein Formular zur Verfügung.

Die Untersuchungen zum virologischen Nachweis von Usutu-Viren in tot aufgefundenen Amseln und anderen Vögeln nehmen das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNITM), das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems (FLI) sowie Veterinär-Untersuchungsämter vor. Dafür sollten die Vögel baldmöglichst mit Einmal-Handschuhen oder umgestülpten Plastiktüten eingesammelt und frischtot eingeschickt werden. Nähere Informationen gibt es auf ebenfalls auf www.nabu.de/usutu-melden.

In der Regel nehmen Veterinärämter die Tiere an und leiten diese weiter. Privatpersonen können den Amtstierarzt des Kreises aufsuchen, der üblicherweise die toten Vögel über die Amtsstelle an das jeweilige Untersuchungsamt weiter gibt.

Das Usutu-Virus: Herkunft und Verlauf

Das Usutu-Virus (USUV) gehört zur Familie der sogenannten Flaviviren. Es wird von Stechmücken (unter anderem Gemeine Hausmücke) zwischen Vögeln übertragen, die als Hauptwirt fungieren. Ursprünglich stammt das Virus aus Afrika und vermutlich haben Zugvögel das Virus vor langer Zeit nach Europa eingeschleppt.

Spätestens seit Mitte der 90er Jahre sorgt das Virus für kleinere, wiederkehrende Ausbrüche unter Vögeln in Europa, die oft mit einem Amselsterben einhergehen. Der erste Nachweis des Usutu-Virus in Deutschland war im Jahr 2010. In den Jahren 2011/2012 kam es zu zu einem großräumigen Ausbruch des Virus. Es zirkulierte weiter und führte 2016/2017 sowie im Jahr 2018 wieder zu einem Massensterben, was wahrscheinlich durch die lang anhaltenden hohen Temperaturen begünstigt wurde. Insgesamt wurden 1399 Vögel an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin geschickt. Für 845 (60,4 Prozent) der Vögel konnte das Usutu-Virus nachgewiesen werden.

Bergung von toter Amsel mit Usutu-Verdacht. Quelle: NABU/Stefan Bosch

Der Usutu-Experte des BNITM Dr. Renke Lühken bestätigt, dass vor allem Amseln und Eulenvögel empfindlich auf das Virus reagieren und daran sterben. Warum das so ist, sei derzeit noch nicht bekannt. Andere Vogelarten, die bereits positiv auf das Virus getestet wurden waren Blaumeise, Grünfink, Haussperling, Singdrossel, Rotkehlchen und Kohlmeise.

Die Übertragung von Usutu-Viren auf den Menschen ist sehr selten, erfolgt eher zufällig (ebenfalls über Stechmücken) und kann zum Usutu-Fieber führen. Seit 2010 gibt es zwei bekannte Fälle. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge. In seltenen Fällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen. Gartenbesitzer können vorbeugen, indem sie mögliche Brutgewässer von Stechmücken wie Pfützen oder Teiche entfernen oder abdecken.

Infizierte Vögel zeigen ein auffälliges Verhalten: Apathie, keinen Fluchtreflex bei Annäherung, kahle Stellen am Kopf und zerzaustes Gefieder. Das Virus führt zu einer tödlichen Hirnhautentzündung mit neurologischen Symptomen wie Gleichgewichtsstörungen und Verlust der Flugfähigkeit. Die kranken Vögel sterben nach nur wenigen Tagen. Ornithologen rechnen in Kürze mit einem weiteren größeren Ausbruch durch die für die Mücken günstigen Wetterbedingungen.

Von Mara-Ann Meeuw

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