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Thema des Tages Schädlingsbefall und abbrechende Äste: Wälder leiden unter der Trockenheit
Thema Specials Thema des Tages Schädlingsbefall und abbrechende Äste: Wälder leiden unter der Trockenheit
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06:00 08.08.2019
Symbole für den Trockenstress, dem Bäume derzeit ausgesetzt sind: Absterbende Buchen. Quelle: Niedersächsische Landesforsten
Peine/Gifhorn/Wolfsburg

Zum zweiten Jahr in Folge ist es in Deutschland trocken – viel zu trocken. Zu sehen ist das auch für Laien an verdorrten Rasenflächen und Pflanzen im eigenen Garten. Doch wie macht sich die Trockenheit in den Wäldern der Region bemerkbar? Darüber haben wir mit Mathias Aßmann, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, gesprochen.

Die meisten Tiere sind gut angepasst.

Wie ist es um die Wälder im Raum Peine/Gifhorn/Wolfsburg bestellt? Ist die Situation ähnlich dramatisch, wie derzeit aus vielen Teilen der Bundesrepublik zu hören ist?

Auch bei uns leidet der Wald unter der lang anhaltenden Trockenheit. Viele junge Bäume, die noch nicht besonders tief wurzeln, vertrocknen. Aber auch ältere, größere Bäume geraten zunehmend in Trockenstress. Damit geht eine besondere Anfälligkeit gegenüber Schaderregern wie Insekten oder Pilzen einher. Bei der Fichte setzt sich die Massenvermehrung der Borkenkäfer fort, in der Region ist aber auch die Lärche durch den Fraß des Lärchenborkenkäfers besonders betroffen. Seit Juni werden auch Schäden an der Buche offensichtlich. Von den trockenwarmen Bedingungen profitieren indes auch Insekten wie der Eichenprozessionsspinner, der mittlerweile in fast allen Eichenwäldern der Region anzutreffen ist.

Hat die Forstwirtschaft eine Chance, kurzfristig zu reagieren?

Kurzfristig gilt es, die Schäden zu beseitigen und die Wälder vor einer weiteren Schädigung zu bewahren. Es ist wichtig, die weitere Ausbreitung der Borkenkäfer zu verhindern. Hierzu sind befallene Stämme möglichst bald zu fällen und noch vor dem Ausfliegen der sich darin vermehrenden Borkenkäfer aus dem Wald zu transportieren. Da aus den absterbenden Buchen auch bei bestem Wetter und völliger Windstille Äste herausbrechen können, geht von diesen eine erhebliche Gefahr für Erholungssuchende und im Wald arbeitenden Menschen aus. Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht müssen diese Buchen insbesondere entlang von Straßen gefällt werden.  

Und wie sieht es langfristig aus? Kann man davon ausgehen, dass Perioden extremer Trockenheit künftig vermehrt auftreten?

Die Prognosen zur Klimaveränderung gehen von trockeneren, wärmeren Sommern und milderen, feuchteren Wintern aus. Die gesamte Jahresniederschlagsmenge wird sich den Prognosen folgend nicht gravierend verändern, wohl aber deren Verteilung über das Jahr – während der Vegetationszeit wird es weniger Niederschläge geben. Insofern kann die Trockenheit und Hitze des aktuellen und des vorjährigen Sommers als beispielhaft für zukünftige klimatische Bedingungen verstanden werden. Auch ist damit zu rechnen, dass extreme Wetterereignisse wie Starkregen oder Stürme zunehmen werden.

Wie können Forstwirte darauf reagieren?

Derartige klimatische Veränderungen werden die Anpassungsfähigkeit einiger Baumarten übersteigen, insbesondere dann, wenn sie so schnell eintreten, wie es derzeit den Anschein hat. Damit einher gehen erhebliche Risiken, auf die man die Wälder aber vorbereiten kann. Mischwälder aus mehreren Baumarten sind grundsätzlich stabiler und helfen, diese Risiken zu verteilen. Für die Wiederaufforstung der jetzt geschädigten Wälder bedeutet das, gezielt auf Mischwälder aus Baumarten, die mit diesen Bedingungen besser zurecht kommen, zu setzen. Seit fast 30 Jahren entwickeln die Niedersächsischen Landesforsten den Landeswald aktiv zu Mischwäldern – vor allem durch den Umbau in bisher ungemischten, reinen Fichten- und Kiefernwäldern. Die jetzige Entwicklung zeigt, dass dieses Vorgehen richtig und wichtig war und ist, aber auch, dass es dringend ist, sie weiter voranzutreiben.

Wachsen womöglich – ein wenig zugespitzt – in einigen Jahren in Niedersachsens Wäldern Palmen?

Beim Umbau der Wälder kommen neben den bekannten heimischen Baumarten auch solche aus Regionen der Erde zum Einsatz, in denen schon heute Klimabedingungen herrschen, die wir hier künftig zu erwarten haben. Hierzu zählen zum Beispiel die Roteiche oder die Douglasie. Diese werden aber keinesfalls die heimischen Baumarten ersetzen, sondern stets in Mischung mit diesen angebaut.

Von Kerstin Wosnitza

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