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Thema des Tages Glücksbringerin als Beruf: Deshalb ist Lea Pufke Schornsteinfegerin
Thema Specials Thema des Tages Glücksbringerin als Beruf: Deshalb ist Lea Pufke Schornsteinfegerin
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06:54 15.10.2019
Hat ihren Traumjob gefunden: Schornsteinfegerin Lea Pufke. Quelle: Boris Baschin
Wolfsburg

Heute ist Tag des Schornsteinfegers! Am 15. Oktober werben Schornsteinfeger traditionell für ihren Beruf und sammeln Spenden für den guten Zweck. Lea Pufke ist Schornsteinfegerin – damit ist sie für andere Menschen eine Glücksbringerin. Für die Vorsfelderin ist ihr Beruf der größte Glücksbringer. „Ich habe meinen Traumjob gefunden“, erzählt die 21-Jährige stellvertretend für alle Schornsteinfeger in der Region. Dass sie mal in dieser Branche landet, war nicht klar, obwohl Lea aus einer echten Schornsteinfeger-Familie kommt: Vater Thomas ist Schornsteinfegermeister und ihre ältere Schwester Tiffany auch.

Ein Video zur Arbeit der Schornsteinfegerin:

Deren Beispiel zu folgen und im väterlichen Betrieb mitzuarbeiten, kam eher zufällig: Lea Pufke saß in den Abiturprüfungen und merkte plötzlich, dass sie keine Lust mehr darauf hat. „Ich hatte das Rumsitzen leid“, erzählt sie ehrlich. Dumm nur, dass ein Abi für ein Studium nötig ist. Denn Studieren war ihr Plan. Irgendwo las Lea Pufke dann, dass für Schornsteinfeger ein Berufsabschluss mit gleichzeitiger Berufshochschulreife möglich ist.

Das Studium ist mittlerweile vom Tisch

Bingo, dachte sich die junge Frau aus Vorsfelde. Doch das Studium ist mittlerweile vom Tisch – erst einmal jedenfalls. Das Arbeitsfeld des Schornsteinfegers gefällt ihr so gut, dass sie nach der Ausbildung jetzt bereits an ihrer Meisterprüfung bastelt.

Und hier noch eine Bildergalerie:

Lea Pufke (21) hat als Schornsteinfegerin ihren Traumjob gefunden

Schornsteine von Häusern fegen, Heizungen überprüfen, Energieberatungen vornehmen, Service für Lüftungsanlagen – das Arbeitsgebiet ist sehr vielfältig und interessant. Der Kontakt zu Kunden ist für Lea Pufke aber das Schönste an dem Beruf. Wenn sie durch Brechtorf, Rühen oder andere Orte ihres Kehrbezirks mit ihrem kleinen weißen Transporter fährt, wird ihr freundlich zugewunken. Zeit für ein kleines Schwätzchen muss ebenfalls mal sein.

Regen und Wind sind kein Problem

Und noch etwas liebt die junge Frau an ihrer Arbeit: Dass sie draußen an der frischen Luft ist. Regen, Wind, Schnee – alles kein Problem. „Nur Hitze mit 40 Grad mag ich nicht“, gesteht Lea Pufke. Da sei der Job auf dem Dach unerträglich. Ihr idealer Tag auf dem Dach beginnt übrigens so: „Um 7 Uhr vor dem Schornstein stehen, freier Blick aufs Feld, auf dem Raureif liegt, und dann den Sonnenaufgang sehen“, schwärmt die junge Schornsteinfegerin.

Viele ihrer jungen Kollegen in den Städten tragen nicht mehr die traditionelle schwarze Zunftkleidung mit den goldenen Knöpfen und den Zylinder. Lea Pufke schon. „Das gehört für mich einfach dazu.“ Genau wie die verrußten Hände und das verrußte Gesicht. Beides macht der jungen Frau überhaupt nichts aus – und den anderen Leuten auch nicht. Die stellen sich drauf ein: Wenn Lea zum Beispiel Pause an der Tankstelle in Rühen macht, bekommt sie keinen weißen Becher wie andere Gäste, sondern einen schwarzen.

Frauenanteil liegt bei zehn Prozent

Eine Frau als Schornsteinfeger ist nicht so häufig, der Frauenanteil liegt bundesweit bei nur zehn Prozent. Lea Pufke gehört dazu, sie kann sich gut durchsetzen und die Kunden akzeptieren sie. Will Mann ihre Ratschläge nicht hören, ist sie sich sicher: „Er würde auch einem männlichen Schornsteinfeger nicht zuhören.“

Vater Pufke ist natürlich mega-stolz, dass gleich beide Töchter in seine beruflichen Fußstapfen getreten sind. In der Familie gibt es aber eine klare Regel: Ist Feierabend, ist auch Feierabend vom Job.

Gute Aufstiegschancen für Schornsteinfeger-Azubis

Am 15. Oktober ist Tag des Schornsteinfegers. Jedes Jahr im Herbst informieren Schornsteinfeger zu aktuellen Themen und sammeln Spenden für wohltätige Zwecke. Auszubildende und Gesellen werben für ihren Beruf und sprechen mit Schülern über ihren Job im Handwerk.

Im Schornsteinfegerhandwerk gibt es für Auszubildende gute Aufstiegschancen: Nach einer dreijährigen dualen Ausbildung arbeiten sie als Gesellen in einem der 7500 Innungsbetriebe. Möglich ist auch ein Berufsabschluss mit gleichzeitiger Fachhochschulreife. Wer möchte, kann direkt nach der Ausbildung die Meisterschule besuchen und sich nach erfolgreicher Prüfung selbstständig machen.

Ziel vieler Schornsteinfegermeister bleibt jedoch der eigene Bezirk. Alle sieben Jahre werden die Bezirke in Deutschland neu ausgeschrieben. Bewerben kann sich jeder qualifizierte Schornsteinfegermeister mit Berufserfahrung. Mit dieser Regelung haben schon junge Handwerksmeister die Chance, auf einen Bezirk bestellt zu werden und im staatlichen Auftrag zu arbeiten. Interessant für (Fach-)Abiturienten sind die dualen Bachelor-Studiengänge in den Fachrichtungen Versorgungs- und Entsorgungstechnik oder Energie- und Gebäudetechnik. Sie verbinden Berufs- und Ingenieursausbildung im Zeitraum von vier Jahren.

Grundsätzlich steht die Ausbildung zum Schornsteinfeger allen Schulabgängern offen. Interessierte Schüler sollten sich für Technik interessieren, Mathe, Physik und Chemie mögen sowie Spaß am Umgang mit Menschen haben. Wer dazu noch gerne draußen ist, keine Angst vor Höhe hat und handwerklich arbeiten möchte, ist in diesem Beruf genau richtig. Übrigens: Der beste Nachwuchs-Schornsteinfeger im Jahr 2017 war eine Schornsteinfegerin. Auch im Jahr 2019 nehmen wieder Gesellinnen am Bundeswettbewerb der besten Schornsteinfeger teil.

Im Vergleich zu anderen Handwerksberufen haben Schornsteinfeger mehrere Exklusiv-Vorteile: Ihr Arbeitsplatz auf dem Dach und die schwarze Berufskleidung mit den goldenen Knöpfen sind immer noch etwas Besonderes. Außerdem gelten Schornsteinfeger als Glücksbringer und sind deshalb ziemlich begehrt: Fotos machen, einmal an die Schulter fassen, auch das gehört dazu.

An die Schulter fassen, bringt Glück

Wer als Schornsteinfeger arbeiten möchte, sollte einige Voraussetzungen mitbringen: zum Beispiel sportlich sein. Um auf das Dach zum Schornstein zu klettern und die Ausrüstung zu tragen, ist auch nicht gerade leicht. Interesse für Technik und Naturwissenschaften wäre auch gut.

Schornsteinfeger gelten als Glücksbringer. Ja, sagt Lea Pufke, das sie auch gern. Einem Freund hat sie schon mal Glück gebracht: Sie sollte für ihn Lotto spielen. „Ich hatte dass noch nie zuvor gemacht“, erzählt sie lachend. Auf Anhieb kreuzte sie vier Richtige an – wie viel Geld das dem Freund einbrachte, weiß sie aber nicht. Wenn jemand hört, dass die Vorsfelderin Schornsteinfegerin ist, wollen viele Menschen sie an die Schulter fassen – das bringt bekanntlich Glück. „Aber nur wenn ich meine Berufskleidung trage“, stellt sie klar.

Von Sylvia Telge

Heute ist Tag des Schornsteinfegers. Lea Pufke ist Schornsteinfegerin und gehört zu den wenigen Frauen in der Branche. Durch Zufall kam die 21-Jährige zu dieser Ausbildung, obwohl Vater und auch ältere Schwester Schornsteinfegermeister sind.

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