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Thema des Tages Der Mann, der für Europa durchs Feuer geht
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08:03 11.01.2020
Die Waldbrandteam-Leiter Detlef Maushake (l.) und Dennis Stegmann während des jüngsten Einsatzes in Portugal. Quelle: Feuerwehr
Vallstedt

Kängurus mit schweren Brandwunden schleppen sich über verrauchte Wege, Feuerwalzen mähen mit rasender Geschwindigkeit alles nieder, was ihnen im Weg steht – die Bilder der verheerenden Brände in Australien erschüttern derzeit die ganze Welt. Eine Fläche, die größer ist als die Niederlande, steht auf dem Kontinent in Flammen, und die australischen Brandbekämpfer sind weitgehend machtlos. Detlef Maushake weiß, in was für einer dramatischen Lage sich die Australier befinden. Der Berufsfeuerwehrmann aus Vallstedt im Landkreis Peine geht einer ungewöhnlichen ehrenamtlichen Tätigkeit nach: Er ist Spezialist für Waldbrandbekämpfung. Für sein Engagement wurde er kürzlich ausgezeichnet.

Der 49-Jährige ist einer der beiden Köpfe des 2015 gegründeten und 40 Mitglieder zählenden Vereins Waldbrandteam mit Sitz in Vallstedt. Dieser hilft Feuerwehren in ganz Europa dabei, sich auf das effiziente Bekämpfen von Waldbränden vorzubereiten. Auch sind die Mitglieder immer wieder selbst im In- und Ausland bei Waldbränden im Einsatz.

Im vergangenen Jahr zum Beispiel waren sie für 14 Tage bei einem großen Waldbrand in Portugal als Unterstützung vor Ort. Maushake sieht durchaus Parallelen zu den Bränden, die derzeit in Australien wüten. „Genau wie in Portugal wächst dort Eukalyptus, jedoch ist es in Australien deutlich mehr.“ Das Problem: Eukalyptusblätter sind sehr leicht, sie steigend brennend auf. „Der Wind verteilt sie in einem Radius von vier Kilometern, wodurch neue Brandnester entstehen“, beschreibt der Experte.

„Brand von solchen Ausmaßen ist kaum zu bekämpfen“

In Australien komme außerdem die extreme Hitze und Trockenheit hinzu. Es sei eine absolut extreme Lage, die das Land gerade durchmache, sagt Maushake: „Ein Brand von solchen Ausmaßen ist selbst mit einem riesigen Aufgebot an Einsatzkräften kaum zu bekämpfen.“

Im vergangenen Jahr war Detlef Maushake mit seinem Waldbrand-Team als Unterstützung im portugiesischen Mondim de Basto im Einsatz.

Bei dem Einsatz im vergangenen Jahr in Portugal sah das anders aus. „Der große Waldbrand dort hatte längst nicht den Umfang der Feuer in Australien, und auch die Wetterbedingungen waren anders“, erklärt Maushake. Der Portugal-Einsatz führte die Mitglieder des Waldbrandteams nach Mondim de Basto im Norden des Landes. „Uns standen dort zwei Löschfahrzeuge, umgebaute Pick-ups, zur Verfügung. Begleitet hat uns immer das Kommandofahrzeug der portugiesischen Feuerwehr“, erzählt Maushake.

Der jeweilige örtliche Einsatzleiter habe immer Deutsch oder Englisch gesprochen, sodass die Kommunikation zwischen portugiesischen Einsatzkräften und dem Waldbrandteam reibungslos funktioniert habe. „Wir waren sozusagen eine Satelliteneinheit, haben aber Hand in Hand mit den Portugiesen zusammengearbeitet“, erklärt der Vallstedter. Unterstützung bekamen die Feuerwehren von der Nationalgarde, die mit Helikoptern im Einsatz war. Diese warfen Wasser auf die Brände und setzten Truppen mit Lösch-Rucksäcken ab, bevor die Feuerwehrkräfte zur Tat schritten.

Vallstedter führen im April Schulung in Tirol durch

Einen Großteil der Waldbrandteam-Aufgaben nehmen jedoch etwa 10 bis 15 Schulungen pro Jahr ein, die Maushake und seine Leute Feuerwehren in ganz Europa anbieten. „Im kommenden April sind wir zum Beispiel an der Landes-Feuerwehrschule in Tirol. Unsere eigenen Leute werden natürlich auch regelmäßig geschult“, sagt der Brandschützer.

Noch gebe es keine standardisierte Feuerwehr-Ausbildung für die sogenannten Vegetationsbrände. „Darum versuchen wir, diese Lücke zu schließen und darauf hinzuarbeiten, dass eine entsprechende Standardisierung eingeführt wird“, so Maushake. Dafür arbeitet das Waldbrandteam unter anderem eng mit den Landes-Feuerwehrschulen zusammen. Auch setzen sich Feuerwehrleute und Landesforsten oft an einen Tisch, um Strategien in Sachen Waldbrandbekämpfung zu besprechen.

Waldbrandsprache“ vereinfacht die Kommunikation

Zum Schulungsprogramm des Teams gehört beispielsweise die einfache taktische Waldbrandprognose (ETW), ein System mit Ursprung in den USA. Dabei wird das Brandverhalten genau analysiert und auf technische Hilfsmittel verzichtet. So sollen alle Einsatzkräfte – vom Fahrer bis zur Technischen Einsatzleitung – das Verfahren unkompliziert anwenden können. Dieses beinhaltet zudem eine einheitliche „Waldbrandsprache“, die die Kommunikation zwischen den Beteiligten vereinfachen soll: So verwenden alle einheitliche Begriffe im Einsatz.

Zur Ausbildung einfacher Techniken gehört beispielsweise der Sandwurf, für den nur eine Schaufel nötig ist. Mit dieser können Flammen auf Bodenhöhe gelöscht werden, indem man – wie der Name schon andeutet – Sand oder Erde aus wenigen Metern Entfernung darauf wirft und so das Feuer erstickt. Zur „Waldbrandsprache“ hingegen gehören nicht nur Worte, sondern auch Handzeichen. Reckt der Staffelführer etwa eine Faust in die Höhe und wechselt dann zur offenen Hand, so signalisiert er den Einsatzkräften: pump and roll! Hierbei ziehen die Feuerwehrleute zu Fuß mit dem Löschschlauch des Einsatzfahrzeugs los, das dabei in kurzer Distanz hinterher fährt.

Maushake mit niedersächsischer Forstmedaille ausgezeichnet

Im Dezember 2019 hat Detlef Maushake die niedersächsische Forstmedaille für sein Engagement im Waldbrandteam erhalten. Drei Preisträger gab es insgesamt, die alle vorgeschlagen und von einem Gremium ausgewählt wurden. „Ich wusste gar nichts von meiner Nominierung und war sehr überrascht, als ich davon erfahren habe“, sagt Maushake, der sich sehr über seine Auszeichnung freut. „Ich muss aber unbedingt hervorheben, dass ich natürlich nicht allein für das Engagement verantwortlich bin – das ist eine Teamleistung.“

Und da die Nominierung so überraschend für Maushake kam, konnte er die Medaille am 11. Dezember nicht persönlich bei der Verleihung in Hannover entgegennehmen. Dies übernahm sein Stellvertreter Dennis Stegmann. Maushake selbst war unterdessen für das Waldbrandteam im Einsatz: Er gab eine dreitägige Feuerwehr-Schulung in Schweden.

Bereits seit 1995 arbeitet Maushake bei der Berufsfeuerwehr Salzgitter und bringt entsprechende Erfahrung mit. „Aufgestellt haben wir das Waldbrandteam, um Hilfe bei Waldbrand-Einsätzen im Ausland leisten zu können“, erklärt er. Der Verein besteht überwiegend aus Mitgliedern von Freiwilligen Feuerwehren, etwa ein Drittel sind Berufsfeuerwehrleute.


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Von Dennis Nobbe

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