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Gifhorns Thema des Tages Darum gibt es noch zu wenig Blitzer
Thema Specials Gifhorns Thema des Tages Darum gibt es noch zu wenig Blitzer
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08:13 08.10.2019
Wünscht sich noch mehr Verkehrsüberwachung: Winfried Enderle von der Polizei Gifhorn befasst sich tagein, tagaus mit Unfällen und deren Folgen. Er sagt: Blitzer verhindern Unfälle. Quelle: Sebastian Preuß
Gifhorn

Es war kurz hinter dem Ortsausgang von Kästorf in Richtung Norden. Ein junger Autofahrer hatte eine Fahrzeugkolonne überholt und war einer Frau, die vor ihm fuhr und gerade links abbiegen wollte, in die Fahrerseite gekracht. Als Polizist Winfried Enderle an der Unfallstelle eintrifft, bietet sich ihm ein Anblick, den er nie wieder vergisst. Absurd verbogenes Blech, Trümmer und Scherben, und mittendrin die Frau, die kurz darauf schwerstverletzt aus ihrem völlig zerstörten Auto geborgen wird. Dieses und viele ähnliche Erlebnisse haben in Enderle die Überzeugung reifen lassen: Egal ob stationärer Blitzer, Radarwagen oder Laserpistole, Verkehrsüberwachung ist dringend nötig.

Warum ein Polizist nächtelang nicht schlafen kann

Inzwischen ist der Polizeihauptkommissar 59 Jahre alt und Verkehrssachbearbeiter. Er ist zuständig für die Analyse des Unfallgeschehens im Kreis Gifhorn. Und er macht keinen Hehl aus seiner Meinung zum Thema Blitzer: „Von mir aus könnten noch mehr Starenkästen stehen.“ Seiner Ansicht nach gebe es noch längst nicht genug Tempokontrollen, denn bei den Hauptursachen von schweren Unfällen stehe die Geschwindigkeit immerhin noch auf Rang vier. Und hinter dieser Statistik stecken viele Tragödien. „Mit Verkehrsunfällen ist so viel Leid verbunden“, sagt Enderle. Vor allem, wenn Kinder Opfer sind. Dabei fällt ihm ein Fall aus seiner Zeit vor Jahrzehnten in Altwarmbüchen wieder ein, bei dem die verzweifelte Mutter eines angefahrenen Kindes ihn anging. „Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen.“

Argumente gegen den Vorwurf der Abzocke

Zu Vorwürfen in sozialen Medien, mit Tempokontrollen sollten Autofahrer nur abgezockt werden, winkt Enderle ab. Blitzer verhinderten Unfälle, weil Autofahrer dort einfach vorsichtiger unterwegs seien. Und es brauche schon das Risiko, geblitzt zu werden, um die Menschen zu einer vernünftigen Fahrweise zu bringen – einen möglichen Unfall kalkuliere doch kaum jemand ein.

Enderle hat konkrete Beispiele für seine Theorie, dass Blitzer die Unfallzahlen senken. So etwa die Blitzersäule an der B 188 bei Brenneckenbrück: Dort habe es vor ihrer Zeit immer wieder Unfälle gegeben, weil vom Campingplatz auf die B 188 einbiegende Autofahrer den Verkehr zu spät gesehen oder das Tempo falsch eingeschätzt hatten. Seit dort geblitzt wird, hat das deutlich nachgelassen. Ebenso positiv wirkten sich die Anlagen bei Warmse und Wichelnförth aus: Dort gebe es entlang den Bundesstraßen Bebauung mit querendem Verkehr – gute Gründe für Tempo 70.

Wo sollten weitere Blitzer hin?

Sobald der Kreisel an der Krümme gebaut werde, komme die Blitzersäule dort weg, sagt Enderle. Er hätte gern auch eine an der Ummerschen Kreuzung, aber dieser Wunsch werde sich nicht mehr erfüllen. Denn auch diese Kreuzung soll in wenigen Jahren Kreisel werden. Mehr Hoffnungen hat er bei der Installation des ersten Rotlicht-Blitzers im Kreis Gifhorn: An der Christinenstift-Kreuzung in Gifhorn.

Vor dem Kreiselbau in Höhe Leiferde/Ettenbüttel hatte Enderle die B 188 sogar beim Land als Anwärter für das umstrittene Streckenradar Section Control angemeldet. „Das wurde dann aber verworfen.“ Die B 6 bei Hannover sei dafür wohl die geeignetere Strecke.

Die Polizei will nicht berechenbar sein

Feste Blitzer sind das eine, mobile Messungen der Polizei das andere, sagt Enderle. „Unsere Überwachung ist wichtig, weil wir nicht berechenbar sind.“ Das bekam vor einigen Jahren auch ein Fiat-Fahrer zu spüren, der mit etwa 120 auf der Gegenfahrbahn am 70-er Blitzer in Wichelnförth vorbei und kurz dahinter in die Radarfalle der Polizei gerast war.

Ist er selber schon mal geblitzt worden? Enderle grinst. Bei Brenneckenbrück. Mit etwa 90. „Da hab’ ich gepennt – auf Deutsch gesagt. Natürlich habe ich mich geärgert.“ Nicht über den Blitzer, sondern über sich selbst.

Achtung, Blitzer: Hier wird in der Region kontrolliert

Die Blitzersäule oder ein unscheinbares Auto am Straßenrand: Ordnungsbehörden in Gifhorn, Peine und Wolfsburg setzen auf unterschiedliche Mittel, Geschwindigkeitsübertretungen zu ahnden. Vor allem im Kreis Gifhorn ist das Risiko erwischt zu werden hoch. Denn gefühlt „lauert“ dort an jeder Ecke ein Starenkasten.

So blitzt der Landkreis Gifhorn

„Im Landkreis Gifhorn sind 30 stationäre Messanlagen vorhanden, von denen neun permanent in Betrieb sind“, sagt Erster Kreisrat Dr. Thomas Walter. „Die anderen werden wechselnd bestückt.“ Darüber hinaus übernimmt die Gifhorner Polizei die mobile Geschwindigkeitskontrolle mit Radarwagen und Laserpistolen.

So blitzt der Landkreis Peine

Im Kreis Peine gibt es fünf feste Blitzer: Sie stehen bei Clauen, Rosenthal, Broistedt, Klein Gleidingen und Klein Blumenhagen sowie zwei an der A 2 in Höhe Röhrse und Zweidorfer Holz. Darüber hinaus haben Landkreis und Polizei vier mobile Systeme – Radar- und Lichtschrankentechnik – im Einsatz.

So blitzt die Stadt Wolfsburg

In der Stadt Wolfsburg sind stationäre Messanlagen Geschichte. Die VW-Stadt arbeitet laut Sprecher Ralf Schmidt ausschließlich mit mobilen Systemen, ebenso die Polizei. „Der regelmäßige Messbetrieb findet an Unfallhäufungsstellen, im Bereich von Schulwegen und in geschwindigkeitsreduzierten Zonen statt.“

„Geschwindigkeit zählt nach wie vor zu den Hauptunfallursachen“, sagt Peines Landkreis-Sprecher Fabian Laaß. Der Landkreis habe im Laufe der Jahre der Tempoüberwachung festgestellt, „dass sich das Geschwindigkeitsniveau insgesamt nach unten bewegt“. Die Anzahl der Verstöße mache eine grundsätzliche Überwachung aber immer noch erforderlich.

Das nehmen die Ordnungsbehörden ein

Die Messungen sind ein nicht ganz unerheblicher Faktor bei den Einnahmen der Kommunen. Der Landkreis Gifhorn kassierte 2018 von 50 680 zu eiligen Autofahrern insgesamt zwei Millionen Euro, in den ersten sieben Monaten 2019 von 26 272 Geblitzten 1,03 Millionen Euro.

Der Kreis Peine kam 2018 auf vier Millionen Euro (2017: 1,6 Millionen). Allein die A 2-Blitzer brachten drei Millionen Euro (2017: 787 000 Euro) ein. Das hohe Ergebnis 2018 führt Laaß auf eine Baustelle auf der Autobahn mit entsprechendem Tempolimit zurück.

Die Stadt Wolfsburg verzeichnete im vergangenen Jahr 131 160 Verstöße (2017: 104 081) und kassierte 3,2 Millionen Euro (2017: 2,6 Millionen Euro). Den Rekordwert stellte sie auf der Berliner Brücke fest: Dort war ein Autofahrer mit Tempo 169 bei erlaubten 50 unterwegs. Noch schneller war ein Autofahrer auf der B 188 mit Tempo 195 – allerdings bei erlaubten 100.

Von Dirk Reitmeister

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