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Gifhorns Thema des Tages Darum hält eine Veganerin nicht sich, sondern Fleischesser für radikal
Thema Specials Gifhorns Thema des Tages Darum hält eine Veganerin nicht sich, sondern Fleischesser für radikal
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09:27 29.10.2019
Tierliebe ist ihr Antrieb: Jenny Breit aus Vollbüttel lebt vegan, vermisst beim Einkauf nichts aus ihrem früheren Leben. Quelle: Lea Rebuschat
Gifhorn/Peine/Wolfsburg

„Ich war von klein auf immer schon ein Tierfreund“, sagt Jenny Breit. Streunende Katzen und Hunde, verletzte Vögel – als Kind bewegte sie das. Sie kümmerte sich nach Kräften. Doch bis zum veganen Leben von heute war es noch ein weiter Weg. Keine Wolle, kein Leder, tierproduktfreie Ernährung – an die Stationen dahin kann sich die 38-Jährige aus Vollbüttel im Kreis Gifhorn genau erinnern.

Als Kind kamen ihr die ersten Zweifel

Als sie sechs Jahre alt war, sah sie, wie ein ganzer Fisch zubereitet wurde. „Das war so schlimm für mich, die Augen des Fisches zu sehen“, erinnert sie sich. Daraufhin verkündete sie daheim, nie wieder Fisch essen zu wollen. Zweites nachhaltiges Erlebnis dann in der dritten Schulklasse. Im Unterricht ging es um Massentierhaltung. Sie, die kleine Tierfreundin, lernte, „dass das Fleisch auf dem Teller ein getötetes Tier“ ist. Also verkündete sie, nie wieder Fleisch essen zu wollen. „Die Eltern fanden’s nicht so okay“, von dem Vorhaben rückte sie dann ab.

Bis sie mit zwölf Jahren ein Mädchen traf, das Vegetarierin war. Da war ihr Entschluss endgültig gefasst, nie wieder Fleisch essen zu wollen. Dieses Mal sogar zu Hause mit durchschlagendem Erfolg: „Meine Mutter wurde später auch Vegetarierin“, erinnert sie sich lachend.

Tabu waren für sie damals auch Gummibärchen, Leder oder Fell. „Damals hatte ich noch die Illusion, jetzt stirbt kein Tier mehr für mich“, schildert sie ihre Entwicklung bis hin zum Veganismus. Denn der beinhaltet auch, dass Produkte von Tieren aus dem Alltag gestrichen sind. Milch, Eier, Käse – davon hieß es Abschied nehmen.

Inzwischen rettet sie Hühner aus Legebatterien

Das war in der Zeit, als Jenny Breit nach Vollbüttel zog. 2012 gründete sie den Verein Stark für Tiere, begann mit der Rettung von Hühnern aus Legebatterien. Ihr Freund gab den Anstoß, konsequent vegan zu leben. Damals war Jenny die Bedenkenträgerin. „Dann können wir doch nicht mehr zum Essen eingeladen werden. Und wo kann ich noch einkaufen?“, seien ihre Einwände gewesen.

„Ich muss auf nichts verzichten“

Aber sie zog es durch. Und spricht auch offen davon, dass gerade die erste Zeit nicht einfach gewesen sei. Denn immer mehr Stopp-Schilder aus der alten Lebensweise taten sich auf. Kleidung, Kosmetik, Waschmittel – es galt an immer mehr Dinge des Alltags zu denken, die nun ihrem neuen Lebenskonzept entsprechen müssen.

„Gastronomen kommen an dem Thema nicht vorbei“

Wer noch vor wenigen Jahren vegan Essen gehen wollte, musste in der Region schon ganz schön suchen. Inzwischen hat der Trend die Gastronomie erobert – eine Wolfsburger Gruppe freut’s.

Veganes Essen erobert die Gastronomie, und das nicht nur in den großen Metropolen. Auch in der Region müssen Veganer inzwischen nicht mehr allzu lange suchen, um in Restaurants oder bei Bringdienstenauf ihre Kosten zu kommen „Die Nachfrage ist einfach da und wird stetig steigen. Die Gastronomen kommen an dem Thema nicht mehr vorbei“, sagt Andreas Gröppler von der Gruppe Wolfsburg Vegan. Auf ihrer Homepage www.wolfsburg-vegan.de listen die Mitglieder auf, welche Restaurants entsprechende Gerichte auf der Speisekarte haben. Ob die steigende Nachfrage nur einem Trend geschuldet ist? Gröppler glaubt viel mehr, dass ein Umdenken zu bewussterem Essen eingesetzt hat.

„Inzwischen ist das viel einfacher. In Bio-Läden und sogar in Supermärkten bekomme ich alles.“ Sogar die kleine Naschkatze in ihr kommt auf ihre Kosten. Als sie uns vegane Produkte im Naturkostladen vorstellt, greift sie auch zu einem Schoko-Aufstrich, das vegane Nutella-Pendant. Und da ist noch die Lieblingsschokolade im Regal nebenan. „Lecker“, sagt. „Ich muss auf nichts verzichten.“

Ein bisschen vegan gibt es für Jenny Breit nicht. Diese Einstellung endet nicht mit dem Essen. Sie rettet Hühner und in Not geratene Tiere.

Missionieren mag sie niemanden, ins Gespräch kommen aber gerne. Denn für Jenny Breit ist veganes Leben nicht nur aus ethischer Sicht wichtig. „Der Klimawandel hat ja auch mit dem Fleischkonsum zu tun.“ Dass nun verstärkt Firmen das Geschäft mit veganem Leben entdecken, ist ihr recht. Wen das Motiv Gesundheit antreibt, der ist ihr ebenso lieb.

„Die anderen leben radikal“

Ist veganer Lebensstil radikal? Jenny Breit lacht: „Die anderen leben radikal. Denn dafür sterben Tiere. Nur weil wir eine Minderheit sind, sind wir nicht radikal.“ Nur manchmal gibt es harte Einschnitte, die sie machen muss. Einladungen etwa zum traditionellen Grillen mit Wurst und Fleisch schlägt sie aus. „Das kann ich nicht ertragen – da muss ich wegbleiben, weil ich das nicht riechen kann.“

Vegane Snacks: Diese Tipps hat eine Expertin

Sie fühlt sich fitter, produziert weniger Müll und es geht ihr besser, weil wegen ihrem Lebensstil kein Tier mehr getötet wird – Alice Dieter möchte dieses „schöne Gefühl“, das sie seit sieben Jahren durch ein veganes Leben hat, nun in Kochkursen an der KVHS Peine weiter geben. Außerdem berät sie als Personal Coach zum Thema vegane Ernährung. Zwei Lieblingsrezepte verrät sie gerne:

Schokoladig-karamellige Erdnusskugeln (ergibt ca. 20 Kugeln)

Zutaten: 200 Gramm getrocknete Datteln, 80 Gramm Erdnussmus (keine Erdnussbutter), 50 Gramm gesalzene und geröstete Erdnüsse, 120 Gramm Zartbitterschokolade.

Zubereitung: Datteln entkernen und in einer Schale mit heißem Wasser übergießen, bis sie bedeckt sind und rund zwei Stunden einweichen lassen. Das Wasser abgießen. Erdnüsse unterschiedlich grob hacken. Wasser abgießen und die Datteln mit einem Mixer oder Stabmixer glatt pürieren, die gehackten Erdnüsse und das Erdnussmus dazugeben. Alles durchmixen. Die Masse sollte gut formbar sein, Kugeln aus der Masse formen. 5.Im Wasserbad die Schokolade schmelzen und die Kugeln damit überziehen. Die Kugeln auf Backpapier trocknen lassen.

Schnelle Pfannen-Quesadillas

Zutaten: 1 Packung Tortilla Fladen (am besten bio), 400 Gramm Hummus, 1 Avocado in schmale Scheiben geschnitten, weiterer möglicher Belag Paprika in Streifen geschnitten, Tomaten in Scheiben geschnitten, Zwiebelwürfel, Oliven, Kapern, Jalapenos, Koriander, Petersilie, Basilikum, eingelegte Artischocken oder eingelegte Tomaten in Öl

Zubereitung:Tortilla mit Hummus, nicht zu dick, bestreichen. Mit den Avocado Scheiben und mit weiteren Zutaten, je nach Geschmack, belegen. Die belegte Tortilla mit einer zweiten Tortilla abdecken. Pfanne heiß machen. Die Tortilla ohne Öl (!) von beiden Seiten in der Pfanne braten, so dass sie leicht knusprig wird. Achtung, das geht schnell, pro Seite etwa zwei Minuten.

Von Andrea Posselt

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