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Gifhorns Thema des Tages Kita-Notstand trotz Gesetzanspruch auf Betreuung: Was läuft falsch?
Thema Specials Gifhorns Thema des Tages Kita-Notstand trotz Gesetzanspruch auf Betreuung: Was läuft falsch?
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06:12 15.07.2019
Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kleinkinder und nach Ganztagsplätzen steigt. Die Kommunen geraten dadurch enorm unter Druck – finanziell und organisatorisch . Quelle: dpa
Gifhorn/Peine/Wolfsburg

Theoretisch haben junge Familien es zurzeit mit der Kinderbetreuung so leicht wie nie zuvor: Ab dem ersten Geburtstag gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Krippe und ab dem dritten Geburtstag dann in einem Kindergarten. Soweit die Theorie. In der Praxis stellt sich die Situation allerdings in vielen Städten und Gemeinden ganz anders dar: Viele Kommunen können den Rechtsanspruch nicht erfüllen. Für junge Eltern, die nach der Elternzeit zurück in den Beruf wollen oder müssen, ist das oft eine Katastrophe. Was läuft falsch?

Kommunen unter Druck

„Die Kommunen leisten seit vielen Jahren eine Menge, um den Wunsch nach mehr und besserer Kinderbetreuung zu erfüllen“, macht Thorsten Bullerdiek, Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, deutlich. Doch mit den zahlreichen Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit seien die Kommunen derzeit enorm unter Druck. Der Flüchtlingszuzug 2015, die Beitragsfreiheit für Kindergartenkinder, die flexible Einschulungsregelung, eine zunehmende Nachfrage nach Ganztagsbetreuung mit zusätzlichen Herausforderungen seien Beispiele.

Mehr Krippenbetreuung gewünscht

Zudem wünschen sich immer mehr junge Eltern eine Betreuung für Kinder im Krippenalter und weisen auf ihren Rechtsanspruch hin. Ursprünglich war man von einem Bedarf von 35 Prozent ausgegangen – in der Realität hat sich das schnell anders dargestellt.

Neue Plätze zu schaffen, ist leichter gesagt als getan. Dabei gibt es gleich zwei Probleme: Zum einen müssen Gebäude erstellt werden, was erhebliche finanzielle Anstrengungen erfordert. Das größere Problem sei aber derzeit, geeignetes Personal zu finden, wie Bullerdiek bestätigt. Ein weiterer Aspekt: Die frühkindliche Betreuung kostet die Kommunen viel Geld. Oft gibt es dann keine finanziellen Freiräume mehr für andere notwendige Maßnahmen wie die Sanierung von Schulen, Straßen oder Sportstätten.

Die Kommunen fühlen sich oft allein gelassen. „Wenn sie Räume für weitere Betreuungsplätze einrichten, gibt es Geld aus Förderprogrammen. Ist das Programm aber ausgeschöpft, gibt es auch kein Geld mehr. Kitas müssen trotzdem eingerichtet werden“, rechnet Bullderdiek vor. Und auch der Personalkostenzuschuss sei bei Weitem nicht ausreichend.

Es fehlen Fachkräfte

Wie sehr Angebot und Nachfrage in den Berufen Erziehung, Sozialarbeiter und Heilerziehungspflege derzeit auseinander gehen, zeigen die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit. Im Bezirk Helmstedt mit den Landkreisen Helmstedt und Gifhorn und der Stadt Wolfsburg kamen im Durchschnitt der letzten zwölf Monate auf 251 Stellenangebote lediglich 208 gemeldete arbeitslose Fachkräfte.

Im Agenturbezirk Hildesheim mit den Landkreisen Peine und Hildesheim sieht es besser aus: Dort kamen 258 Fachkräfte auf 180 Stellenangebote. Das klingt zunächst ganz gut, ist es aber nicht. „Von einem Mangel an Fachkräften spricht man schon, wenn weniger als drei arbeitslose Bewerber auf eine offene Stelle kommen, denn nicht jeder Bewerber passt auf jede Stelle“, sagt Christina Gudd von der Agentur für Arbeit. Neben der fachlichen Eignung komme es auch auf Aspekte wie die Entfernung, die Arbeitszeit oder finanzielle Erwartungen an.

Im Juni dieses Jahres waren in ganz Niedersachsen 1889 offene Stellen im Bereich Kinderbetreuung/-erziehung gemeldet. Davon fielen auf die Stadt Wolfsburg 61, auf den Landkreis Gifhorn 84 und auf den Landkreis Peine 36.

Von Kerstin Wosnitza

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