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Gifhorns Thema des Tages So bereitet sich die Feuerwehr auf Einsätze mit ­­E-Autos vor
Thema Specials Gifhorns Thema des Tages So bereitet sich die Feuerwehr auf Einsätze mit ­­E-Autos vor
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08:00 07.01.2020
„Wir sind gerüstet“: Michael Vukelic von der Berufsfeuerwehr zeigt das Werkzeugarsenal im Löschfahrzeug. Quelle: Britta Schulze
Gifhorn

Als ein Tesla auf der A 2 bei Hämelerwald in einen Unfall verwickelt wird, stellt sich der Feuerwehr Lehrte die Frage, wie eigentlich der Starkstromkreislauf des Wagens deaktiviert wird. Letztendlich hilft die Hotline der Autofirma weiter.

So wenig verbreitet E-Antriebe bisher sind, so schnell ist die mediale Aufmerksamkeit geweckt, wenn es Probleme gibt. Doch ist die zunehmende Zahl von Akkus in Autos und Fahrrädern wirklich ein Problem? Die Einsatzkräfte in Wolfsburg, Gifhorn und Peine geben Entwarnung, wenn auch die neuen Technologien und Werkstoffe besondere Herausforderungen mit sich bringen.

„Wasser ist das Löschmittel der Wahl“

Die Antwort auf die Frage, wie ein brennendes E-Auto gelöscht wird, ist einfach: „Wasser ist das Löschmittel der Wahl“, erklärt Michael Vukelic von der Berufsfeuerwehr Wolfsburg. Strom als Energiespeicher für Autos mag recht neu sein, doch den Umgang mit elektrischen Anlagen lernen die Feuerwehrleute bereits in der Grundausbildung.

Spezialfahrzeug: Mit solchen Mulden lässt sich Gefahrgut transportieren. Um Elektroautos nach einem Brand zu kühlen, können sie geflutet werden. Quelle: HAZ

Vukelic zeigt die Ausrüstung eines Löschfahrzeugs: Vom simplen Maulschlüssel über isolierte Werkzeuge bis zur hydraulischen Schere ist eine große Auswahl an Bord. Etwa 2500 Liter Wasser stehen für den Schnellangriff zur Verfügung. Entscheidend sei beim Löschen ausreichend Abstand zur Batterie der Fahrzeuge, sodass kein Strom fließen kann. Wasser wird auch deswegen bevorzugt, weil es die Akkus kühlt und eine Kettenreaktion durch Überhitzung verhindert wird.

Feuerwehr schafft multifunktionale Mulde an

Flackert das Feuer trotzdem immer wieder auf, müssen die Einsatzkräfte kreativ werden. „Wenn das Feuer nicht anders zu löschen ist, nutzen wir Container, um die Autos einzutauchen und das Feuer zu ersticken“, sagt Vukelic. Die Feuerwehr plane für das Jahr 2020 die Anschaffung einer multifunktionalen Mulde. Diese könne für den Transport jeglichen Gefahrguts oder auch die Ausbildung von Tauchern genutzt werden.

Die Hersteller selbst bauen von Werk aus mehrere Sicherheitsmechanismen in ihre Elektroautos ein (siehe Infokasten). „Bei Unfällen mit Airbag-Auslösung wird das Hochvoltsystem sofort abgeschaltet“, erklärt ein Sprecher von VW. Rettungskräfte suchen vor Arbeiten an der Karosserie den Trennschalter für die Hochvoltbatterie. Dieser ist je nach Fahrzeug mal unter der Motorhaube, mal im Innenraum zu finden.

Austausch zwischen Feuerwehren und Hersteller

Rettungsleitfäden helfen in solchen Fällen weiter. Diese gibt es schon für viele konventionelle Fahrzeuge. Sind die Feuerwehren allerdings mit dem Modell nicht vertraut wie im Fall auf der A 2 im Dezember 2018, müssen die Einsatzkräfte Rücksprache mit der Rettungsleitstelle halten oder sich die Informationen anderweitig beschaffen.

Sicherheitseinrichtungen im E-Auto

Zum Sicherheitskonzept von E-Autos gehören eine Kapselung der Akkus, eine Isolierung von der Karosserie und ein Abschaltsystem. Zum Beispiel beim aktuellen Stromer von VW, dem ID.3. Der Akku ist vor Berührungen geschützt und vollständig von der Karosserie isoliert. „Zusätzlich gibt es einen Notfallschalter im Motorraum, der sämtliche elektronischen Verbindungen trennt“, erklärt ein Sprecher. Die Batterie verfügt über eine verstärkte Ummantelung und ist geschützt zwischen den Achsen untergebracht, der Unterboden ist verstärkt.Bei einem Unfall mit Airbagauslösung wird das Hochvoltsystem deaktiviert. Und wie bei konventionellen Fahrzeugen verfügten die Retter über modellspezifische Leitfäden. VW baut zudem auf seine Partner. Die Werkstätten verfügten über spezielle „Quarantäneflächen“, auf denen havarierte Fahrzeuge sicher bis zum endgültigen Recycling verwahrt werden können.

Was Spezialwissen zu Fahrzeugen angeht, profitiert die Berufsfeuerwehr in Wolfsburg von der Nähe zum VW-Werk. „Wir haben einen guten Austausch mit der Werkfeuerwehr von VW“, sagt Vukelic. „Das Auseinandersetzen mit neuen Technologien, wie zum Beispiel die Elektromobilität, gehört zur ständigen Aus- und Weiterbildung“, sagt Hans-Günter Nieper, Leiter der Werkfeuerwehr bei Volkswagen. Es gebe einen regelmäßigen Austausch mit den kommunalen Feuerwehren.

Neue Technologien, neue Gefahren

Das bestätigt auch Jürgen Koch von der Feuerwehr Fallersleben. „Wir sind vorbereitet.“ Schulungen hätten die Feuerwehrleute längst hinter sich. Die Führungskräfte dienten als Multiplikatoren. Und einige Kameraden brächten als VW-Mitarbeiter zusätzliches Know-how mit. Koch betont, dass schon die Einführung von Airbags, Gurtstraffern oder Kohlefaserverbundwerkstoffen neue Gefahren und Anforderungen mit sich brachten. „Die Technik entwickelt sich kontinuierlich weiter, wir stellen uns darauf ein.“

Kleine, aber wichtige Regeln für die Verbraucher

Ob nun E-Autos, E-Fahrräder oder E-Scooter: Mit zunehmender Verbreitung von Akkus kann es auch öfter zu Einsätzen mit der Technik kommen. Der jüngste Fall ereignete sich im Dezember in Fallersleben. Dort geriet ein Elektrofahrrad in Brand. Ursache: Technischer Defekt. Solche Einsätze sind für die Feuerwehre also nicht neu.

Und eigentlich ist es ja auch schon zu spät, wenn schon die Feuerwehr ausrücken muss. Vorher sind die Verbraucher gefragt. Sie sollten sich Zeit fürs Handbuch nehmen: Tiefentladungen, Hitze und Kälte setzen den Akkus zu. Verformen sie sich, ist eine weitere Nutzung tabu. Wer solche Regeln beachtet, hat weniger Sorgen über die Technik – und erspart der Feuerwehr den einen oder anderen Einsatz.

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Von Christian Opel

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