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Euro 2012 Schweigsamer Spielmacher
Thema Specials Euro 2012 Schweigsamer Spielmacher
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21:41 25.06.2012
Von Heiko Rehberg
Mesut Özil beim Fototermin
Mesut Özil beim Fototermin Quelle: dpa
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Danzig

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) denkt sich bei der Europameisterschaft alle paar Tage für die Fotografen etwas Nettes aus. Um sie bei Laune zu halten - und deren Redaktionen, die nicht ständig Bilder von auf dem Podium sitzenden Nationalspielern veröffentlichen können -, drückt der Verband mal einem wie Thomas Müller einen Kochlöffel in die Hand. Am Montag war Mesut Özil dran, der am Kaffeestand posieren musste und dabei so begeistert dreinschaute, als hätte ihm Bundestrainer Joachim Löw eine halbe Stunde vorher mitgeteilt, dass er übermorgen gegen Italien auf der Ersatzbank sitzen wird.

Es ist eine bizarre Szene. Ein Mitarbeiter des DFB zieht vor der Kaffeetheke im Pressezelt ein Absperrband, hinter dem sich die Fotografen postieren müssen. Es sind fast 30 Leute mit Kameras, vor ihnen steht verloren Özil, der jetzt eigentlich lächeln sollte, aber das nur schwer hinbekommt. „Mesut“, ruft einer der Fotografen, „noch mal lachen.“ Ein anderer schiebt den Verbandsmitarbeiter unsanft einen Meter zur Seite, damit er Özil besser ablichten kann. „Mesut, halt noch mal den Kaffeebecher hoch“, ruft jemand, nach drei Minuten ist der Spuk vorbei, geht aber im anderen Zelt weiter.

Dort muss Özil sich auf die Front eines Autos setzen, das Nationalmannschaftssponsor Mercedes so platziert hat, dass die Spieler auf dem Weg zum Podium daran vorbei müssen. Dass Özil dort sogar eine halbe Minute verweilt, wird der Marketingabteilung des Sponsors gefallen. Dass Özil guckt, als müsste er bei Real Madrid künftig in der Reserve spielen, wird die Begeisterung allerdings etwas schmälern.

Als auch das geschafft ist, erreicht Özil endlich das Podium, sicheres Terrain, rechts neben ihm Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, links neben ihm Nationalelfsprecher Harald Stenger. Hier oben bestimmt Özil, wie es weitergeht. Und der 23-Jährige hat beschlossen, dass heute nicht viel geht. In den folgenden 20 Minuten wird er die Formulierung „Potenzial abrufen“ in unterschiedlichen Varianten anbieten, mal gültig für ihn (wie gegen Griechenland), mal für die Mannschaft (hoffentlich gültig gegen Italien).

Bei Özil, der auf dem Rasen mit Eleganz und Leichtigkeit besticht, weiß man nicht immer genau, ob er Öffentlichkeitsarbeit grundsätzlich für lästig hält und deshalb möglichst wenig möglichst lustlos erzählt. Oder ob da ein schüchterner junger Mann sitzt, der sich unwohl fühlt in dieser Rolle.

Özil sagt, dass er sehr glücklich und stolz ist, über sich, über die Entwicklung der Mannschaft, dass er sich freut auf das Halbfinale und - mutigster Satz eines bizarren Auftritts - „dass es unser Ziel ist, den EM-Titel zu holen, dafür sind wir hier“. Weil möglicherweise die Spanier etwas dagegen haben könnten, das Land, in dessen Liga er spielt, wird Özil um eine Einschätzung gebeten: „Spanien ist Europa- und Weltmeister, mehr will ich nicht sagen.“ Rechts in der dritten Reihe hat ein Reporter den Satz notiert, kringelt ihn ein und macht ein Ausrufezeichen dahinter.

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