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Euro 2012 Özil hat schon einen Pokal
Thema Specials Euro 2012 Özil hat schon einen Pokal
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06:15 13.06.2012
Von Heiko Rehberg
Ausgetickt: Einige deutsche Fans sorgten mit Papierkugeln und einer Rauchbombe für Ärger.
Ausgetickt: Einige deutsche Fans sorgten mit Papierkugeln und einer Rauchbombe für Ärger. Quelle: Gleb Garanich
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Der deutsche Auftaktsieg bei der Fußball-Europameisterschaft hat große Fragen aufgeworfen, die noch nicht zu beantworten sind, zum Beispiel, ob am 1. Juli tatsächlich EM-Titel Nummer 4 herausspringen wird. Rund um den 1:0-Sieg gegen Portugal gab es dagegen Fragen, die sich schnell klären lassen. Auf gehts:

Mario Gomez statt Miroslav Klose im Angriff, Mats Hummels statt Per Mertesacker in der Abwehr. Diese Aufstellung hatte am Sonnabend keine Zeitung. Hat Bundestrainer Joachim Löw die Journalisten auf die falsche Fährte gelockt, oder was führte zu den zwei Überraschungen in der Startelf?

Eine Personalüberraschung hat Löw eigentlich immer im Angebot, dass er aber in der zentralen Achse gleich zweimal überrascht, hatte keiner auf dem Plan. Hummels hat erst am Freitagabend davon erfahren, bei Gomez stand die Wahl nach Angaben von Löw schon „zwei, drei Tage vorher“ fest. Wenn das stimmt, dann hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit dem Auftritt von Klose bei der Pressekonferenz auf jeden Fall ein geschicktes Ablenkungsmanöver betrieben. Begründet hat der Bundestrainer die Entscheidungen gegen Klose und Mertesacker jeweils mit der fehlenden Spielpraxis. Während Mertesacker derzeit wohl eine Sperre von Badstuber (bereits einmal verwarnt) oder Hummels benötigt, um ins Team zu rücken, könnten Klose und Gomez schon übermorgen gegen die Niederlande die Rollen tauschen. Im November, beim deutschen 3:0-Testspielsieg, war Klose in Galaform. Der 34-Jährige hatte vor dem Portugal-Spiel betont: „Ich bin hundertprozentig fit.“

Warum mussten Gomez und Badstuber mit den Journalisten zurück nach Danzig fliegen?

Das Flugzeug mit der Nationalmannschaft war bereits weg. Die Bayern-Spieler waren für eine Dopingprobe ausgelost worden; als es bei beiden endlich auch dabei gut lief, war der Bus schon weg, und die ukrainischen Behörden erlaubten keine Flugplanverzögerung. Der DFB hatte jedoch vorgebeugt: Im Flieger mit den Journalisten und einigen Spielerfrauen, der eine knappe halbe Stunde später abhob, war die erste Reihe frei gehalten worden.

Für wen hat José Mourinho, der Trainer von Real Madrid, auf der Tribüne die Daumen gedrückt?

Obwohl mit Mesut Özil und Sami Khedira zwei Real-Profis für Deutschland spielen, fieberte der Portugiese Mourinho mit seinem Sohn unübersehbar mit seinem Heimatland mit. Portugal hatte mit Cristiano Ronaldo, Pepe und Fabio Coentrão drei Real-Profis in der Startelf. Nach der Partie besuchte Mourinho Özil, Khedira und Löw in der Kabine und gratulierte ihnen zum Sieg. „Mit seinen Boys“, berichtete Löw, sei er zufrieden gewesen. Löw und Mourinho verstehen sich schon seit Längerem gut.

Was haben die deutschen Fans in der 1.Halbzeit bei Ecken der Portugiesenaufs Spielfeld geworfen?

Dabei handelte es sich um Papierkugeln, wodurch es ein Dutzend „Bekloppter“ (Jan Schabacker, Pressesprecher der mitgereisten deutschen Polizisten) mal wieder geschafft hat, 10000 friedlich-feiernde Fans im Stadion in Misskredit zu bringen. „Ich muss den Fans ein Riesenlob zollen, mit welchem Aufwand sie sich auf den Weg gemacht haben“, sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Das mit den Papierkugeln und einer Rauchbombe im Stadion „hätte man sich aber sparen können“. Mit einer Geldstrafe des europäischen Verbandes UEFA darf der DFB rechnen.

Haben die Mitglieder der Technischen Kommission der UEFA, die nach jedem Spiel den „Man of the Match“ wählt, ein anderes Spiel gesehen?

Das wäre die freundliche Annahme, denn mit der Wahl von Mesut Özil lagen die Herren daneben. Und so schwer zu erkennen, dass Mats Hummels der beste Mann auf dem Platz war, war es nicht. Özil nahm die hässliche Trophäe aus den Händen des Dänen und früher für Borussia Mönchengladbach stürmenden Allan Simonsen trotzdem mit einem Lächeln entgegen („Ich sehe so was zum ersten Mal“), sagte aber: „Ich habe nicht mein bestes Spiel gemacht, ich kann viel besser spielen.“ Die Herren von der UEFA taten so, als ob sie die Bemerkung nicht gehört haben.

10.06.2012
10.06.2012
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