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Eichenprozessionsspinner Kampf gegen Eichenprozessionsspinner gestartet
Thema Specials Eichenprozessionsspinner Kampf gegen Eichenprozessionsspinner gestartet
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15:29 14.05.2019
Jetzt geht's den Raupen aus der Luft an den Kragen: Die ersten Hubschrauber-Flüge mit Steffen Becher sind am Montag gestartet. Quelle: Alexander Täger
Rühen

Nachdem die Bekämpfung der Raupe des Eichenprozessionsspinners (EPS) aus der Luft in der letzten Woche aufgrund des Wetters verschoben wurde (AZ berichtete), konnte am Montag mit den Helikopterflügen über die befallenen Gebiete im Kreisgebiet begonnen werden, am Dienstag geht es weiter. Am Rühener Feuerwehrhaus war Start- und Landepunkt für den Helikopter, der am frühen Montagnachmittag zu seinen Einsätzen startete – in Anwesenheit einiger Medienvertreter inklusive Kamerateams.

Mit einem Helikopter-Einsatz im östlichen Landkreis hat am Montag der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner aus der Luft begonnen. Heute wird er fortgesetzt.

Von dort wurden auch die Einsätze der Feuerwehr in der Samtgemeinde Brome abgestimmt. Rund 60 Feuerwehrleute aus allen Zügen der Samtgemeinde Brome waren den ganzen Tag im Einsatz, um im entsprechenden Gebiet kurzfristige Straßenabsperrungen vorzunehmen. Zudem arbeitete ein Stab in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Gifhorn.

Viele Straßensperrungen notwendig

Außerdem versorgte die Wehr das Helikopter-Team mit Wasser, welches für die die Herstellung des korrekten Mischungsverhältnisses des durch den Helikopter ausgebrachten Mittels „Foray ES“ benötigt wurde. So nah wie möglich – im Idealfall nur einige Meter – über den Baumkronen werde dieses über den befallenen Bäumen versprüht, war vom Piloten Steffen Becher zu hören. Das am Fluggerät montierte 13 Meter breite Gestänge ergebe eine Arbeitsbreite von rund 30 Metern. Gemäß des Auftrages seien derartige Aktionen erfolgreich, berichtete er. „Das Spannende hier ist, dass wir relativ viele Straßensperrungen haben“, sagte Becher mit Blick auf die Koordination zwischen dem Lufteinsatz und die kurzfristigen Absperrmaßnahmen am Boden.

Für Menschen nicht giftiges Mittel

Das hochverdünnt eingesetzte Mittel basiere auf dem biologischen Wirkstoff „Bacillus thuringiensis“ und wirke selektiv auf Raupenarten, die sich von Eichenlaub ernähren, teilte Landrat Dr. Andreas Ebel mit. Für Menschen sei es nicht giftig. Lediglich bei direktem Kontakt mit unverdünnter Lösung könne bei hoher Empfindlichkeit eine Allergie ausgelöst werden. Umweltaspekte seien berücksichtigt worden.

Insgesamt werde eine Fläche von 540 Hektar, davon 140 Hektar Landeswald, beflogen, hieß es von Ebel. „Darüber hinaus werden wir die Bekämpfung in Bereichen, in denen nicht geflogen werden kann, auch vom Boden durch Besprühen der Bäume fortsetzen.“ Wenn notwendig, werde in den Randbereichen von Ortschaften zusätzlich abgesaugt. „Wir tun alles Mögliche, um den Befall des Eichenprozessionsspinners so weit wie möglich einzudämmen“ und so letztendlich „die Bevölkerung vor Ort zu schützen.“ Sofern nötig, „werden wir natürlich nicht nachlassen“, die Bekämpfung über das Jahr weiter fortzusetzen.

Sperrungen werden schnellstmöglich aufgehoben

Wie Samtgemeindebürgermeisterin Manuela Peckmann erläuterte, sei die Landesbehörde für Straßenbau für die Absperrung von Bundes- und Landesstraßen zuständig. Gemeindestraßen, Wirtschaftswege und Waldränder müssten durch die Kommune abgesperrt werden, was den großen Feuerwehreinsatz erforderlich mache.

Für die Dauer der Absperrung gebe es unterschiedliche Einstufungen: Straßen und Alleen seien nur einige Minuten während der Befliegung und bis zum Antrocknen des Bekämpfungsmittels gesperrt und würden danach unmittelbar wieder freigegeben. Orte wie Spielplätze oder Sportanlagen seien für zwölf Stunden gesperrt, ähnlich sei es auch bei Siedlungs- und Waldrändern. Gegen Abend sollte in den besonders betroffenen Bereichen Kaiserwinkel und Giebel geflogen werden. Weil die Bäume dort bis ans bewohnte Gebiet reichen, sollten die Einwohner Fenster und Türen über Nacht geschlossen halten.

Bürger freuen sich

Dass gegen den EPS vorgegangen werde, stoße auf positive Resonanz, so Rühens Bürgermeister Karl Urban: „Die Leute freuen sich, dass wir eine Befliegung durchführen und vom Boden aus gesprüht wurde.“ Der EPS ist ein Dauerthema in den befallenen Gebieten, eine von Anna Hoffmeister aus Rühen gestartete Online-Petition über die Beteiligung des Landes an den Kosten der EPS-Bekämpfung fand rund 7000 Unterstützer. Besonders im vergangenen Jahr lösten die giftigen Brennhaare des EPS bei vielen Kindern und Erwachsenen allergische Beschwerden aus. Ein Mitarbeiter eines örtlichen Baumdienstes, der die befallenen Eichen behandelte, habe deshalb trotz Schutzanzug einen anaphylaktischen Schock erlitten und mehrere Tage im Krankenhaus verbracht.

Neben dem Landkreis waren an der Bekämpfungsmaßnahme die Samtgemeinde Brome, fünf Gemeinden, die niedersächsische Behörde für Straßenbau und die Anstalt Niedersächsische Landesforsten als Auftraggeber beteiligt. Vom Land Niedersachsen gibt es keine finanzielle Beteiligung. Besonders schwer betroffene Kommunen sollen vom Landkreis eine Kostenbeteiligung ausbezahlt bekommen.

Die Entwicklung im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

7. Juli 2018: Umweltminister sieht sich Situation in Giebel an

19. Juli 2018: Neuer Antrag auf Bekämpfung aus der Luft

25. Juli 2018: Natürliche Feinde sollen gegen Prozessionsspinner helfen

9. August 2018: Pflanzenschutzmittel gegen Eichenprozessionsspinner

3. September 2019: Rühen bekommt Hilfe im Kampf gegen Raupe

8. November 2018: In FFH-Gebieten keine Bekämpfung aus der Luft

4. Januar 2019: Parsau und Rühen warten jetzt aufs Land

1. Februar 2019: Land zahlt nicht für Kampf gegen Eichenprozessionsspinner

8. Februar 2019: Eichen in Parsau dürfen bald gefällt werden

10. Februar 2019: Rühener sammeln Unterschriften gegen Eichenprozessionsspinner

17. Februar 2019: Eichenprozessionsspinner: Grüne sehen Minister in der Pflicht

20. Februar 2019: Eichenprozessionsspinner: Grüne im Landkreis Gifhorn für das Absaugen

23. Februar 2019: Prozessionsspinner: Noch wenig Bewusstsein für das Raupenproblem

25. Februar 2019: Eichenprozessionsspinner: Landtags-Petition zu den Kosten kann starten

29. März 2019: Eichenprozessionsspinner: Petition mit 7000 Unterschriften übergeben

12. April 2019: So kämpft der Kreis Gifhorn gegen die Raupe

27. April 2019: Kreis beteiligt sich an Bekämpfungskosten

30. April 2019: Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners beginnt

3. Mai 2019: Bekämpfung aus der Luft startet nächste Woche

8. Mai 2019: Helikopter-Einsätze erst am Montag

9. Mai 2019: Wetter bestimmt Zeitpunkt der Helikopter-Einsätze

10. Mai 2019: Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung: Gesundheitsrisiken gering

Von Alexander Täger

Der Start der Bekämpfungsaktion der Raupe des Eichenprozessionsspinners ist für Montag, 13. Mai, am frühen Nachmittag geplant. Per Hubschrauber soll dann im Landkreis Gifhorn auf befallene Eichen ein Biozid aufgebracht werden.

14.05.2019

Am Montagmittag startet das Besprühen von mit Eichenprozessionsspinnern (EPS) befallenen Eichen vom Hubschrauber aus. Laut Amtsarzt Josef Kraft sind dabei die gesundheitlichen Risiken für Menschen gering.

13.05.2019

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners per Hubschrauber soll frühestens Freitag starten. Derweil entzündet sich erneut ein Streit um die Kostenübernahme. Denn da hat die Landesregierung jetzt den Daumen gesenkt.

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