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30 Jahre Mauerfall in Wolfsburg So erlebten Wolfsburger Prominente den Mauerfall vor 30 Jahren
Thema Specials 30 Jahre Mauerfall in Wolfsburg So erlebten Wolfsburger Prominente den Mauerfall vor 30 Jahren
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12:00 09.11.2019
Als die Mauer fiel: Vor 30 Jahren brach die DDR auseinander und Deutschland war kein geteiltes Land mehr. Die WAZ sprach mit Wolfsburgern über ihre Erinnerungen an dieses historische Datum. Quelle: dpa
Wolfsburg

Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs, damals Stadtjugendpfleger, erlebte die entscheidenden Minuten und Stunden ebenfalls vor dem Fernseher mit: „Ich habe mitgefiebert, niemand wusste ja, welche Entwicklung die Sache nehmen würde.“

KJlaus Mohrs: Trabbi-Stau auf der A 2

Einen Teil dieser Entwicklung erlebte er dann hautnah am nächsten Morgen, als er zu einer Tagung nach Salzgitter fuhr und in einem ungewöhnlichen Stau landete: „Als ich auf die A2 einbog, stand ich plötzlich inmitten von unzähligen Trabbis und Wartburgs - Wagen, die ich bis dahin so gut wie nie auf der Autobahn gesehen hatte.“

Klaus Mohrs: „Ich habe mitgefiebert.“ Quelle: Manfred Hensel

Mauerfall: Ganz rasch kamen die Gäste aus der DDR

Sven-Marco Claus, Sprecher der Wolfsburger Polizei, war vor 30 Jahren als junger Mann bei der Bereitschaftspolizei in Uelzen stationiert. „Aus dem Fernsehen haben wir erfahren, was in Berlin und anderswo los war!“ Er war so überrascht wie alle anderen vom Mauerfall, ahnte aber schon, was auf ihn und Uelzen zukommen würde. „Ganz rasch waren die ersten DDR-Bürger da, der Strom riss nicht ab, wir hatten alle Hände voll zu tun!“

Santina Curcuruto: DDR-Gäste revanchierten sich mit Ost-Bier

Santina Curcuruto, Wirtin des „La Fontana“ am Rathausplatz, arbeitete an jedem denkwürdigen Abend in ihrem Restaurant. „Erst haben wir die Nachricht im Radio gehört, dann sofort den Fernseher angemacht und ihn den ganzen Abend angelassen.“ Als die ersten DDR-Bürger am Rathausplatz eintrafen schenkte sie ihnen Bananen und Mandarinen aus ihrem Restaurant, außerdem spendierte sie Getränke. Santina Curcuruto: „Tage später kamen dann einige Besucher erneut nach Wolfsburg und schenkten mir als Dankeschön ihrerseits Bier aus der DDR!“

Santina Curcuruto: „Es gab DDR-Bier als Geschenk.“ Quelle: Roland Hermstein

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Die Themenseite: 30 Jahre Mauerfall in der Region Wolfsburg

Manfred Kobe: Klausur-Tagung unterbrochen

Der ehemalige Wolfsburger Bürgermeister Manfred Kolbe verbrachte den 9. November auf einer CDU-Klausurtagung in der Nähe von Brome, als plötzlich die Meldung von der Grenzöffnung eintraf: „Oberbürgermeister Werner Schlimme und Oberstadtdirektor Peter Lamberg sind sofort aufgestanden und nach Wolfsburg zurückgekehrt.“ Kolbe und die anderen CDU-Politiker blieben zwar noch bis zum nächsten Morgen auf der Tagung, „aber natürlich lief an diesem Abend der Fernseher.“

Ehme des Riese: Kein Jubel, sondern ungläubiges Staunen

Der Wolfsburger Optiker Ehme de Riese betrieb vor 30 Jahren zehn Geschäfte im Raum Stuttgart und war am späten Nachmittag des 9. November mit dem Auto auf dem Weg in seine Göppinger Filiale. „Im Autoradio habe ich gehört, was passiert war - die Grenze war auf!“

Ehme de Riese: „Im ersten Moment konnte ich es nicht glauben“ Quelle: Ina FliggeIna Fligge

Eine Nachricht, die er „im ersten Moment gar nicht glauben konnte“. Ähnlich war die Reaktion seiner Mitarbeiter und Kunden in Göppingen: „Da herrschte nicht etwa Jubel im Geschäft, sondern immer noch Staunen, ungläubiges Staunen über das, was sich da tat!“

Bärbel Weist: „Ansturm aus der DDR war gewaltig!“

Auch die Fallersleber Bürgermeisterin Bärbel Weist saß im Auto, als sie von der Grenzöffnung erfuhr. „Als die Meldung erstmals im Radio lief, war ich völlig sprachlos“, so die PUG-Politikerin. „Ich hatte zwar alles gehört, konnte es aber nicht glauben, damals ging das wahrscheinlich vielen Menschen so.“ Was folgte, waren turbulente Tage in Fallersleben: „Der Ansturm aus der DDR war gewaltig!“

Brunhilde Keiser: Tränen der Rührung über das schöne Geschenk

Geschäftsfrau Brunhilde Keiser kann sich noch gut an den Samstag nach der Grenzöffnung erinnern: DDR-Bürger gingen in Scharen an ihrem Juwelier-Geschäft vorbei, das damals noch im Imperial-Komplex ansässig war. Einige trauten sich auch in den Laden hinein. „Ganz großer Renner waren die Digital-Uhren von Casio“, erinnert sich die Geschäftsfrau. Eine Frau kaufte ein Schmuckstück, das Brunhilde Keiser hübsch einpackte. Da fing die Frau an zu weinen, als Keiser fragte, was sie denn falsch gemacht habe, antwortete die Kundin aus der DDR: „ So ein schönes Päckchen habe ich noch nie in meinem Leben gehabt.“ Ein Moment, an den sich Brunhilde Keiser immer gern erinnert: „Das waren für mich Emotionen, die ich nicht vergessen werde.“

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Von Carsten Baschin

Als vor 30 Jahren die Grenze fiel, arbeitete Jürgen Gückel im Braunschweig-Büro von Madsack, das auch für die Wolfsburger Allgemeine aus der Löwenstadt berichtete. Er war am 9. November der erste Journalist am Grenzübergang Marienborn.

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