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Sport überregional Top-Schwimmerin trotz Handicap
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06:15 26.03.2012
Von Carsten Schmidt
Foto: Sabrina Elbe ist die Senkrechtstarterin im niedersächsischen Behindertensport. Die Schwimmerin wurde gestern Abend zur „Sportlerin des Jahres“ proklamiert.
Sabrina Elbe ist die Senkrechtstarterin im niedersächsischen Behindertensport. Die Schwimmerin wurde am Donnerstagabend zur „Sportlerin des Jahres“ proklamiert. Quelle: Arp/Das Fahrgastfernsehen
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Hannover

So viel Prominenz auf einmal - und alle gratulieren auch noch. "Zwick mich doch", schien Sabrina Elbes Gesichtsausdruck zu signalisieren, "das ist doch wie im Märchen." Und in der Tat fand Christian Schulz von Hannover 96 mit der Proklamation des "Behindertensportlers Niedersachsens des Jahres 2012" eine Resonanz, die der Defensivspezialist des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 anderenorts wohl nur mit einem Tor durch einen Hackentrick erfahren hätte. Schulz, der stille Sympathieträger der "Roten", und Niedersachsens Sozial-, Frauen-, Gesundheits- und Integrationsministerin Aygül Özkan nahmen den verblüfften Teenager in die Mitte zur Übergabe des Ehrenpreises, den Bildhauer Siegfried Neuenhausen geschaffen hat.

Sabrina Elbe ist erst 17 Jahre alt. Und die Sportart Schwimmen im Leistungsbereich betreibt sie erst seit dreieinhalb Jahren. Wer nach solch einem kurzen Zeitraum schon als "Sportler des Jahres", zumal in einem Flächenland, proklamiert wird, ist ein Senkrechtstarter, wie er im Buche steht. Und Elbes Erfolg mit 33 Prozent der insgesamt 25557 abgegebenen Wahlstimmen ist besonders wertvoll, weil sie fünf Mitbewerber der Extraklasse hatte. Deshalb gilt in diesem Jahr mehr als je zuvor die Devise, die Heiner Rust, der heutige Ehrenpräsident des Behindertensportverbandes Niedersachsens, geprägt hat: "Jeder Kandidat ist ein Sieger und auf seine Weise ein Vorbild für andere Menschen mit und auch ohne Behinderung."

Insofern brauchen die Reiterin Lena Weifen, der Monoskifahrer Thomas Nolte, der Bogenschütze Matthias Alpers, die Rollstuhl-Basketballspielerin Andrea Seyrl und der Handbiker Vico Merklein - sie landeten bei der Abstimmung in dieser Reihenfolge hinter Elbe - nicht Trübsal zu blasen. Ihnen allen zollte Laudator Schulz seine besondere Anerkennung: "Mich phasziniert die Leidenschaft und der Wille dieser Sportlerinnen und Sportler. Euch allen gebührt dafür mein Respekt!", sagte der Fußballprofi. "Ihr seid sympathische Botschafter des Behindertensports."

Es bleibt dem Schirmherren überlassen, dass Leistungssport, wie ihn die sechs Kandidaten mit Eifer und Entbehrungen betreiben, nur gedeihen kann, wenn er auf einem breiten Fundament ruht. "Unter dem Motto ,Spiel, Sport und Bewegung für alle‘ hat sich der BSN zum Ziel gesetzt, Menschen mit Handicap den Weg in die Sportvereine zu ebnen. Damit leistet er zugleich einen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und Teilhabe in unserer Gesellschaft", sagte Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister bei seiner Begrüßung der Galagäste und wandte sich ausdrücklich auch an die Sponsoren, als er hervorhob: "Allen langjährigen Förderern des niedersächsischen Behindertensports möchte ich an dieser Stelle sehr herzlich danken!"

Das vielleicht wichtigste Versprechen des Abends blieb aber Karl Finke vorbehalten. "Sie können sicher sein, dass wir Sie auch bei Ihren weiteren Schrit­ten nach Kräften unterstützen", sagte der BSN-Präsident an die Adresse der behinderten Leistungssportler. Nur wer anpackt, kann auch unbesorgt feiern.