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Sport überregional Sebastian Vettel ist jüngster Formel-1-Weltmeister aller Zeiten
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22:14 14.11.2010
Sebastian Vettel ist der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten.
Sebastian Vettel ist der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten. Quelle: dpa
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Sollte Sebastian Vettel weinen vor Glück? Sollte er lachen und all seine Anspannung herausschreien? Nun, der deutsche Formel-1-Fahrer gönnte sich am Sonntag die ganze Freudenpalette, nachdem er als Sieger des Großen Preises von Abu Dhabi die Ziellinie überfahren hatte und wenig später als Weltmeister feststand, weil Konkurrent Fernando Alonso im Ferrari nur Siebter geworden war. „Unglaublich. Danke Jungs. Ich liebe euch“, verneigte sich Vettel vor seinem Team mit stockender Stimme und Tränen in den Augen an den Red-Bull-Rennstall gerichtet. Und dann brach die pure Freude aus dem 23-Jährigen mit einem Urschrei heraus: „Jaaaaaaaaaaaaaaa!“

Auch im Team des Deutschen ließ das Personal den Gefühlen freien Lauf. „Du bist der Weltmeister. Genieße es, du bist der Mann“, jubelte Teamchef Christian Horner. „Was soll man da sagen: Es ist wunderschön“, meinte Rennstallbesitzer Dietrich Mateschitz: „Es ist ganz einfach wirklich gewaltig gewesen.“ Während Vettel auf dem Podium einen tiefen Schluck aus der Champagnerflasche nahm, begann in der Box die vermutlich Tage dauernde Triumph-Party. Und im Hintergrund war das Lied „Auf in den Kampf, Torero“ aus Georges Bizets Oper Carmen zu hören – eine Musik, wie bestellt zum Triumph der „Formel-1-Bullen“.

Die Konkurrenz zollte dem jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten (Vettel war am Sonntag 23 Jahre und 134 Tage alt) uneingeschränkten Respekt. „Es war alles fair und sauber. Da kannst du nur gratulieren“, sagte der enttäuschte Alonso, der ins Finale noch mit 15 Punkten Vorsprung auf den Deutschen gegangen war. Der Spanier hatte den zum Titelgewinn nötigen 4. Rang eingebüßt, weil ihn sein Ferrari-Team zu früh zum Reifenwechsel in die Box beordert hatte. Und danach kam der Weltmeister von 2005 und 2006 einfach nicht am russischen Renault-Piloten Witali Petrow vorbei, der mit Klauen und Zähnen seinen 6. Platz verteidigte und Alonso zu waghalsigen Manövern zwang, die den Spanier immer wieder von der Ideallinie brachten.

Vettels Teamkollege Mark Webber, der vor dem Rennen auch noch Chancen auf die WM-Krone besessen hatte, aber letztlich nur Achter wurde, zeigte sich wortkarg: „Es ist kein leichter Tag für mich.“ Dagegen gab es Lob von Lewis Hamilton, Weltmeister 2008, für seinen Nachfolger. „Sebastian hat einen phantastischen Job gemacht. Er hat es sich verdient. Aber wir werden nächstes Jahr zurückkommen“, sagte der Brite. Und Vettels Landsmann, der Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, urteilte über den Nachfolger im eigenen Land einfach nur: „Er hat ein phantastisches Jahr hinter sich.“

Dieses kann Schumacher von sich selbst kaum behaupten. Der 41-Jährige blieb schon kurz nach dem Start in „Geisterfahrer-Manier“ entgegen der Fahrtrichtung stehen und hatte Glück, als Vitantonio Liuzzi im Force India schuldlos in den Silberpfeil krachte. Beide Fahrer bleiben unverletzt, es folgte eine Safety-Car-Phase.

In der 6. Runde wurde das brisante Finale wieder freigegeben. Hamilton machte Druck, aber Vettel zeigte sich unbeeindruckt. Zudem wechselte er seine Reifen, ohne seine Führungsposition zu gefährden. „Gib dein Bestes“, funkte derweil Vettels Renningenieur, während Webber und Alonso entscheidend an Boden verloren. Und der Hesse folgte der Aufforderung – und läutete womöglich eine neue Ära in der „Königsklasse“ ein.

Sogar Bernie Ecclestone ist Fan des Weltmeisters

Jung, schnell, sympathisch – einen besseren Champion als Sebastian Vettel kann sich man sich für die Formel 1 kaum wünschen. Dieser Ansicht ist Bernie Ecclestone. „Er ist genauso intelligent wie Michael Schumacher. Super talentiert ist er auch. Und er ist vor allem ein verdammt netter Kerl“, urteilt der Brite, mächtigster Mann in der „Königsklasse“ des Motorsports, über den 23-jährigen Hessen.

Ecclestone ist sich sicher, dass er und seine Rennserie noch viel Freude an dem Zimmermannssohn aus Heppenheim haben werden. Vettel raste schon als Formel-1-Lehrling in die Rekordbücher der „Königsklasse“. Jüngster Pilot auf der Pole Position, jüngster Spitzenreiter in einem Grand Prix, jüngster Rennsieger und jetzt jüngster Weltmeister – vor ihm scheint kaum eine Bestmarke sicher. Doch kann „Jung-Siegfried“, wie ihn Red-Bull-Firmenchef Dietrich Mateschitz einmal nannte, in den kommenden Jahren die Vollgasbranche so dominieren wie einst sein Vorbild Schumacher, dessen Poster an den Wänden von Vettels Jugendzimmer hing?

Der Rekordweltmeister vom Niederrhein lobt seinen Nachfolger: „Ich bin überzeugt, dass Sebastian Vettel als Kind und Jugendlicher genau jeden Schritt meiner Karriere verfolgt hat und heute davon profitiert“, sagt Schumacher und ergänzt: „Sebastians Stärke ist, dass er im richtigen Moment die richtigen Fäden zieht und das Maximum aus sich herausholen kann.“ Und Vettel ist in seiner dritten kompletten Formel-1-Saison endgültig als Rennfahrer erwachsen geworden. Die Rückschläge auch in dieser Saison haben ihn reifen lassen – selbst wenn er noch immer den schlagfertigen Lausbuben gibt. „Ich habe meine Lektionen gelernt“, sagt Vettel. „Sebastian macht keinen Fehler zweimal“, meint sein Teamchef Christian Horner.

Mit dem Rennsportvirus hat ihn Vater Norbert infiziert, der im VW Golf Bergrennen fuhr. Als Vierjähriger drehte Vettel auf dem Grundstück seines Elternhauses die ersten Runden im Kart, bald mischte er bei den ersten Rennen mit. Über Erfolge in der Formel BMW und der Formel 3 diente sich der Hesse zum Formel-1-Testpiloten bei BMW-Sauber hoch. Bei seinem ersten Einsatz 2006 in der Türkei war er im Freitagstraining prompt der Schnellste. Was folgte, liest sich wie ein Märchen wie aus Tausendundeiner Nacht mit der vorläufigen Krönung auf der Arabischen Halbinsel. Passenderweise.

dpa

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