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Sport überregional Schweinsteiger wechselt ins Charakterfach
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11:37 02.06.2010
Von Heiko Rehberg
Der Spaßvogel ist ernsthafter geworden - aber bei den Autogrammjägern steht Bastian Schweinsteiger unverändert hoch im Kurs.
Der Spaßvogel ist ernsthafter geworden - aber bei den Autogrammjägern steht Bastian Schweinsteiger unverändert hoch im Kurs. Quelle: dpa
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Manchmal verwandelt sich Bastian Schweinsteiger doch noch mal für ein paar Sekunden in den „Schweini“ zurück, der er nicht mehr sein will. Ein Fernsehreporter schaffte es gestern, die dämlichste Frage in den Tagen von Südtirol zu stellen, als er darauf hinwies, dass das Hotel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Erasmia in einem Hochwassergebiet liege, und er deshalb wissen wolle, ob der Mittelfeldspieler eine Schwimmweste mit nach Südafrika nehme. Auf so eine Frage kann nicht Herr Schweinsteiger antworten, da muss Basti ran, und der sagte: „Wir bauen erst einmal einen Damm.“ Und weil der Basti gerade in Form war, sagte er zu der nach langem Hin- und Her erteilten Betriebsgenehmigung für das WM-Hotel: „Uns ist es egal, ob das Hotelzimmer ’ne Lampe mehr hat oder nicht.“ Bis auf einen TV-Mann freuten sich alle über das kurze Comeback des Spaßmachers.

Ansonsten ist Schweinsteiger Anfang der Saison beim FC Bayern ins Fußball-Charakterfach für seriöse Darsteller gewechselt, was nach der „Schweini & Poldi“-Zeit während der WM 2006 schwer vorstellbar schien. Als einer diesen Seitenwechsel des 25-Jährigen lobt und anmerkt, dass er früher „ja immer ein wenig flapsig und leichtsinnig“ gewesen sei, sagte Schweinsteiger: „Das finde ich nicht. Ich habe vielleicht eine andere Frisur gehabt und war öfter mit ,Poldi‘ unterwegs, das sah dann vielleicht lustig aus.“

Auch für den Fußballer Schweinsteiger hat sich vieles verändert in der Nationalmannschaft. „Die Zeiten mit den Dribblings, dann nach innen ziehen und schießen, die sind vorbei“, sagte er, „mein Hauptaugenmerk liegt jetzt darauf, die Ordnung zu halten.“ Wie beim FC Bayern ist Schweinsteiger in der Nationalmannschaft ins Zentrum des Spiels gerückt. Durch den Ausfall von Michael Ballack, dessen herausgehobener Assistent er eigentlich sein sollte, ist er nun selbst der Chef, nicht wenige glauben, dass von Schweinsteigers Form abhängen wird, wie weit die Nationalelf in Südafrika kommt.

Mit dem Stuttgarter Sami Khedira soll der Münchener die Schaltstelle zwischen Abwehr und Offensive sein, ob das klappen kann, lässt sich mangels fehlender Erkenntnisse schwer beurteilen. Erst morgen bei der WM-Generalprobe in Frankfurt gegen Bosnien-Herzegowina (Anpfiff ist um 20.30 Uhr, die ARD überträgt live) werden beide das erste Mal gemeinsam versuchen, die Rolle auszufüllen. „Dass wir uns bisher nicht groß einspielen konnten, ist kein allzu großes Problem“, sagte Schweinsteiger, was bedeutet: Ein Problem ist es durchaus, die Frage ist nur, wie schwer die mangelnde Praxis wiegt. „Ich bin von Sami überzeugt“, sagte Schweinsteiger, und das klang, als würde ein 33-Jähriger über seinen 19-jährigen Juniorpartner reden. Tatsächlich ist Schweinsteiger gerade mal zwei Jahre älter. Der große Unterschied liegt anderswo: Khedira hat bislang vier Länderspiele bestritten, Schweinsteiger 73.

Sport überregional Heiko Rehberg zur WM-Nationalmannschaft - Nachvollziehbar
Heiko Rehberg 02.06.2010