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Sport überregional Nach Doping-Freispruch gibt Contador ein Comeback
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18:09 16.02.2011
Alberto Contador feiert an der Algarve ein Comeback.
Alberto Contador feiert an der Algarve ein Comeback. Quelle: dpa
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Spanien ist verzückt, die Sport-Welt entsetzt, der UCI-Boss enttäuscht - und Alberto Contador genoss sein Blitz-Comeback an der Algarve in vollen Zügen. Weniger als 24 Stunden nach dem umstrittenen Doping-Freispruch durch den spanischen Verband (RFEC) sorgte der Radstar am Mittwoch in dem idyllischen Atlantik-Örtchen Loulé bei Faro für helle Aufregung. „Ich bin sehr glücklich, aber ich bin weit von meiner Bestform entfernt“, sagte Contador. Beinahe unbemerkt hat indes sein früherer Teamkollege Lance Armstrong die Karriere endgültig beendet und ein Comeback ausgeschlossen. „Ich kann nicht sagen, dass ich etwas bereue. Es war eine tolle Reise“, sagte der Texaner in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

Im Gelben Trikot rollte der dreimalige Tour-de-France-Champion Contador bei strömendem Regen und starkem Wind von der Startrampe der Algarve-Rundfahrt. Doch wie lange Contadors Freifahrtschein Bestand haben wird, ist völlig offen. IOC-Vizepräsident Thomas Bach hat bereits eine Intervention seitens des Weltverbandes UCI und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gefordert. „Ich hoffe sehr, dass UCI und WADA durch einen Einspruch beim CAS den Fall wirklich klären“, sagte der Spitzenfunktionär des Internationalen Olympischen Komitees der Nachrichtenagentur dpa.

Die UCI hat 30 Tage Zeit für eine Reaktion, die WADA daraufhin noch einmal drei Wochen. Beide Organisationen wollen zunächst die Urteilsbegründung abwarten und dann weitere Schritte einleiten. Der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS gilt als sicher. WADA-Generaldirektor David Howman nannte die RFEC-Entscheidung in der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) „sehr interessant“.

Auch Rad-Rentner Armstrong liegt nach seinem letzten Auslandsstart im Januar bei der Tour Down Under in Australien im Clinch mit der Justiz - und kann sich künftig auf seine Selbstverteidigung konzentrieren. Nach Vorwürfen seines Ex-Teamkollegen Floyd Landis ermitteln US-Behörden gegen ihn wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Betrugs. Auch gravierende Doping-Anschuldigungen stehen im Raum. „Ich kann nicht kontrollieren, was in diesen Ermittlungen passiert“, sagte Armstrong. Seit Jahren steht der langjährige Dominator der Tour unter Doping-Verdacht, den er beharrlich und routiniert stets von sich gewiesen hat.

Während Armstrongs Fall noch am Beginn steht, fand an der Algarve eine der kuriosesten Doping-Affären ihr vorläufiges Ende - auch wenn die Empörung in der Causa Contador groß ist und Sportfunktionäre über das undurchsichtige Vorgehen in Spanien klagen. Davon unbeeindruckt ging Contador erstmals für sein neues Team Saxo Bank an den Start. Die nächsten Auftritte sind schon eingeplant, auch die erste große Landesrundfahrt des Jahres hat Contador im Visier. „Ich werde auch beim Giro d’Italia dabei sein“, sagte er dem TV-Sender Veo7.

Vor den positiven Zuschauer-Reaktionen im Süden Portugals hatte Contador über schlaflose Nächte und Haarausfall geklagt. „Mein Image hat einen solchen Schaden erlitten, dass dieser nicht wieder gutzumachen ist. Man wollte mich guillotinieren.“

Contador hatte seinen positiven Clenbuterol-Dopingbefund auf den Verzehr von verseuchtem Fleisch zurückgeführt und dadurch den RFEC überzeugt. Für Bach ist die Angelegenheit damit aber nicht vom Tisch. Der Jurist aus Tauberbischofsheim zählt auf den CAS: „Angesichts der belastenden Umstände über den positiven Dopingtest hinaus, zählt Contadors Ausrede mit dem Steak nicht gerade zu den originellsten.“

In einer beispiellosen wochenlangen Kampagne hatten spanische Medien und Politiker „ihren“ Heroen vor einer Sperre bewahrt. Selbst Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sprach sich für einen Freispruch aus. UCI-Präsident Pat McQuaid hat nun heftige Kritik an der Einmischung der Politik geübt. „Das ist sehr enttäuschend“, sagte der Ire am Rande der Oman-Rundfahrt laut der Online-Plattform Cyclingnews.com. „Aber in Spanien überrascht mich gar nichts mehr.“

Dabei hatte die UCI selbst bei der Aufarbeitung des Falls zunächst die nötige Transparenz vermissen lassen. Erst durch Recherchen der ARD machte der Weltverband den Dopingbefund im August publik. Offenbar wies die UCI den Fahrer sogar ar auf die Steak-Therie als mögliche Verteidigungsstrategie hin.

„Jetzt fangen wir wieder von vorne an“, klagte der Nürnberger Anti-Doping-Experten Fritz Sörgel in einem dpa-Gespräch. Der Pharmakologe geht von einem Einspruch der WADA aus. „Die wird sicher vor den CAS ziehen. Aber wir wissen ja, das zieht sich hin.“ Bis zum Urteil werde Contador „auf jeden Fall“ die Tour fahren. „Hauptsache, er bekommt irgendwann seine Sanktion. Aber im Moment gilt er als nicht gedopt, und das ist schon ein Rückschlag für die Dopingverfolgung.“

Spaniens Medien bejubelten dagegen das Urteil. „Marca“ lobte „die historische Entscheidung“ des spanischen Verbandes. Im Ausland fielen die Reaktionen vernichtender aus. „Skandalös! Contadors Freispruch ist ungerecht. So gewinnt der Kampf gegen Doping nicht an Glaubwürdigkeit“, schrieb Italiens Sportblatt „Gazzetta dello Sport“.

dpa