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Sport überregional Meyer verpasst Überraschung bei Australian Open
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14:52 22.01.2010
Florian Meyer
Florian Meyer Quelle: dpa
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Die Topstars wankten und eine Sensation durch Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer lag in der Luft. Doch am Ende mussten die beiden deutschen Tennis-Profis bei den Australian Open den glücklichen Grand-Slam-Siegern den Vortritt lassen. Wie im vorigen Jahr verlor der Bayreuther Mayer gegen US-Open-Gewinner Juan Martin del Potro. Der Argentinier konnte nach dem 6:3, 0:6, 6:4, 7:5 am Freitag in Melbourne froh sein, nicht mehr als ein blaues Auge kassiert zu haben. Auch Titelverteidiger Rafael Nadal hatte am Freitag im heißen Melbourne gegen den Augsburger Kohlschreiber seine liebe Not. Der Spanier konnte sich in den entscheidenden Momenten aber wirkungsvoll durchsetzten und in der spannenden Drittrundenpartie einen 6:4, 6:2, 2:6, 7:5-Erfolg retten.

Eine Riesenüberraschung gab es aber doch. Kim Clijsters, die US- Open-Siegerin aus Belgien, ging gegen die Russin Nadia Petrova in der dritten Runde unter und schied mit einer 0:6, 1:6-Packung aus. „Ich war komplett von der Rolle“, sagte die ratlose 26-Jährige. Die Revanche mit Justine Henin für das verlorene Melbourne-Finale 2004 ist geplatzt. Die 27-jährige Henin, die zu Beginn des Jahres ihre Karriere nach 20-monatiger Pause fortgesetzt hat, bezwang die Russin Alisa Kleybanowa 3:6, 6:4, 6:2 und zog ins Achtelfinale ein.

Mit viel Lob und Anerkennung verabschiedeten sich Mayer und Kohlschreiber nach den prima Auftritten auf dem Center Court mit 47 600 Dollar Preisgeld und der Gewissheit, nicht weit entfernt zu sein von den besten der Branche. „Zwei Siege wären natürlich besser gewesen“, meinte Kohlschreiber. Der letzte Mohikaner des elfköpfigen deutschen Herren-Aufgebots ist der dreimalige Melbourne-Halbfinalist Thomas Haas aus Hamburg, der an diesem Samstag um 9.00 Uhr (MEZ/Eurosport) gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga um den Einzug ins Achtelfinale kämpft.

„Es waren viele gute Ansätze da. Aber am Ende hat er seine Klasse gezeigt und gar keine Fehler mehr gemacht“, sagte Kohlschreiber, der in Melbourne zweimal in der Runde der besten 16 stand. Er selbst leistete sich 58 Fehler und damit 20 mehr als sein Gegenüber und gab nach dem 3:30 Stunden langen Match zu: „Das ist natürlich zu viel. Da muss man nicht drumrumreden.“ Dabei brachte der Weltranglisten-26. auch den dritten Linkshänder nacheinander mit konzentriertem Spiel an den Rand der Verzweiflung. Nadal musste alle Register ziehen.

Der 26-jährige kämpfte nicht nur, sondern präsentierte dem Mallorquiner immer wieder die richtige Antwort auf dessen kraftvollen Schläge. Wie knapp die Partie war, verdeutlichte der letzte Satz, in dem Kohlschreiber zum 4:4 ein Rebreak gelang. Davis-Cup-Sieger Nadal zeigte Wirkung, aber nur kurz. Dann nahm er seinem Kontrahenten erneut den Aufschlag ab und brachte den fünften Sieg im fünften Vergleich sicher nach Hause. „Es hat trotzdem Spaß gemacht. Und es macht Mut, wenn man auch solchen Spielern Paroli bieten kann“, sagte Kohlschreiber und ärgerte sich über die verpassten Chancen.

„Ich bin noch völlig durcheinander“, sagte Mayer nach seiner prächtigen Vorstellung, der nur der krönende Abschluss gefehlt hatte. „Einerseits bin ich sehr stolz auf meine Leistung, andererseits aber auch enttäuscht, weil ich die große Chance nicht genutzt habe.“ Es war mehr drin für den 26-Jährigen, der nach seinem Durchhänger vor zwei Jahren endlich auf dem Weg ist, ein kompletter Tennisprofi zu sein. Vor allem im zweiten Satz spielte er überragend, meinte später aber bescheiden: „Das hat del Potro ganz geschickt gemacht. Er hat den Satz laufen lassen und so getan, als habe er Armschmerzen.“

Diese Attitüden seien es, die ihm die besten der Zunft voraus haben. „Er konzentriert sich auf die wichtigen Punkte und lässt die anderen einfach weg“, meinte der Weltranglisten-60.,der sich im vorigen Jahr um 283 Plätze verbessert hatte. „In der Kabine haben mich viele beglückwünscht und gesagt, dass ich nun endgültig zurück bin.“ Das Tingeln auf der Challenger-Tour ist vorbei. „Jetzt mache ich zwei Wochen Pause und spiele dann in Rotterdam und Memphis.“

Justine Henin und Andy Roddick haben bei den Australian Open das Aus verhindert und sind mit einiger Mühe ins Achtelfinale des Grand-Slam-Tennisturniers eingezogen. Die 27-jährige Belgierin, die erst zu Beginn des Jahres ihre Karriere nach 20- monatiger Pause fortgesetzt hat, bezwang am Freitag in Melbourne die an Nummer 27 gesetzte Russin Alisa Kleybanowa mit 3:6, 6:4, 6:2. Startschwierigkeiten hatte auch der an 7 gesetzte Amerikaner beim 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 7:6 (7:3) gegen den starken Spanier Feliciano Lopez.

Die zierliche Henin mühte sich zunächst vergeblich gegen die harten und präzisen Schläge der kräftigen Kleybanowa. Zwar hetzte sie wie ein Wirbelwind über den Hartplatz, doch immer wieder kam sie zu spät. Bis Mitte des zweiten Durchgangs änderte sich an diesem Bild wenig, doch dann legte die Rückkehrerin einen Zahn zu und kam mit großem Einsatz zum verdienten Erfolg. In der Runde der letzten 16 erwartet Henin im belgischen Duell US-Open-Halbfinalistin Yanina Wickmayer.

„Ich bin froh, der Niederlage entkommen zu sein“, sagte Justine Henin. „Es ist immer gut, auch solche Matches zu gewinnen, wenn man nach einem Comeback quasi aus dem Niemandsland kommt. Langsam aber sicher geht es immer besser.“ 2004 hatte sie das Grand-Slam-Turnier in Melbourne gewonnen - insgesamt holte sie sieben Titel bei den vier großen Major-Turnieren. Nur in Wimbledon konnte sie nie siegen.

Wimbledon-Finalist Roddick machte sich das Leben gegen Lopez zunächst selbst schwer. „Das einzige was zählt ist, dass ich diesen Spieltag überstanden habe“, sagte er. Wer den immer etwas nervös wirkenden Amerikaner kennt, weiß, dass ein guter Start nicht unbedingt seine Stärke ist. So verunsicherte ihn der Satzverlust im Tiebreak des ersten Durchgangs auch nicht; und Schüttler-Bezwinger Lopez musste sich schließlich im zweiten Tiebreak geschlagen geben.

Roddick trifft im Achtelfinale auf den Chilenen Fernando Gonzalez. „Das wird ein komplett anderes Match, aber ein verdammt gefährliches. Manchmal wirkt es zwar, als würde er Pingpong spielen. Aber meistens ist er unheimlich gefährlich. Der Return ist nicht so sehr das Problem, aber alles andere“, erzählte Roddick, der im vergangenen November auf seine WM-Teilnahme verzichtet hatte, weil er sich überspielt und körperlich überfordert gefühlt hatte.

dpa