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Sport überregional Schussfahrt über Stock und Stein
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08:40 20.06.2015
Von Christian Purbs
Extrem faszinierend, extrem gefährlich: Mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern stürzen sich die Downhill Mountainbiker den Berg hinunter. Dabei kommt es auch immer wieder zu Verletzungen.
Extrem faszinierend, extrem gefährlich: Mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern stürzen sich die Downhill Mountainbiker den Berg hinunter. Dabei kommt es auch immer wieder zu Verletzungen. Quelle: dpa
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Hannover

Als Zimmermann 14 Jahre alt war, hat ihn ein befreundeter Nachbar und leidenschaftlicher Mountainbikefahrer auf eine Tour mitgenommen. „Ich musste mit dem Rad seiner Freundin fahren, aber das war mir egal. Die Kombination aus Körperbeherrschung, Geschwindigkeit und Adrenalinschub hat mich gepackt – und bis heute nicht losgelassen“, sagt Zimmermann, der mittlerweile Mitglied im deutschen Nachwuchsteam der Downhill Mountainbiker ist.

Downhill Mountainbike ist eine Extremsportart. Extrem anspruchsvoll, extrem gefährlich und für Zimmermann auch „extrem faszinierend“. Bei diesem Sport geht es so schnell und steil wie möglich bergab, die Strecken, auf denen sich die Downhiller mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern hinunterstürzen, sind gerade mal zwei Meter breit. Dabei müssen die Biker immer voll konzentriert sein, schon der kleinste Fehler kann böse Folgen haben. Wer mit rasender Geschwindigkeit durch den Wald fährt, muss aufpassen und schnell auf alles, was da am Boden so herumliegt, reagieren können. Hindernisse wie Steine, Wurzeln, loser Untergrund oder Bodenwellen erfordern vom Fahrer viel Geschick und höchste Konzentration. Wer nicht aufpasst, bezahlt mit Schmerzen.
Obwohl er erst einige Jahre dabei ist, hat Zimmermann die Risiken seines Sports schon oft am eigenen Leibe erfahren. Die Liste seiner Verletzungen ist lang: „Beinbruch, Finger und Schulterblatt kaputt, zahlreiche Schürfwunden und aufgeschlagene Knie“, zählt der  Auszubildende der i!DE Werbeagentur in Hannover die Folgen seiner Stürze auf. „Es ist ein gefährlicher Sport, das ist einfach so. Aber es macht riesig Spaß.“ Und die Angst? „Klar habe ich auch Respekt, das ist wichtig. Bei den Rennen in Österreich und der Schweiz gibt es Abhänge mit bis zu 80 Grad Neigung. Das ist schon angsteinflößend, wenn man da oben steht und runterschaut.“

Entdeckt wurde der 20-Jährige durch Zufall. Als er privat mit dem Mountainbike in Willingen unterwegs war, machte das deutsche Mountainbike-Nachwuchsteam gerade ein Foto-Shooting im Sauerland. Ein Trainer sah sein Talent und lud ihn zu einem Probetraining ein. Seitdem ist Zimmermann mit Begeisterung dabei. Nachdem er im Winter an Kraft und Kondition gearbeitet hat, ist er nun wieder mit dem Rad unterwegs, so vor Kurzem bei einem internationalen Rennen in Slowenien. Da steile Abhänge in der norddeutschen Tiefebene eher selten sind, muss der Mountainbiker zum Training in den Harz und in den Deister fahren. Oder halt nach Winterberg und Willingen, wo die World-Cup-Downhill-Strecke ideale Bedingungen bietet, um sich auf die Wettkämpfe vorzubereiten. Der Kopf spielt beim Downhill eine „sehr große Rolle“, sagt Zimmermann. Auf den Punkt genau müssen die Fahrer ihre Leistung bringen. „Das musst du alles in Millisekunden abrufen. Das ist der Wahnsinn.“

Vielleicht ist es ja dieser Zwang zur Konzentration, der seine Liebe für eine andere Sportart erklärt, die ansonsten aber auch gar nichts mit dem rasanten Downhill Mountainbike gemeinsam hat: Golf. Im Herbst 2013 hat der Auszubildende seine Platzreife beim Golfclub Burgwedel in Engensen absolviert und sich seitdem sehr intensiv mit diesem Sport beschäftigt. Ein Handicap von 7,4 nach eineinhalb Jahren kann sich sehen lassen. „Golf ist genau das Gegenteil vom Mountainbiking, aber auch sehr reizvoll. Für einen guten Schlag muss viel stimmen. Die Gedanken müssen bei der Sache bleiben, sonst funktioniert es nicht“, sagt Zimmermann.

Und ein bisschen Nervenkitzel gibt es zumindest bei den entscheidenden Schlägen ja auch beim Golf.

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