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Sport überregional Ein "geniales Rennen" von Jan Raphael
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08:11 08.07.2013
Von Norbert Fettback
Foto: Vizeeuropameister Jan Raphael hat bei seinem siebten Start beim Ironman in Frankfurt seine beste Karriereleistung abgeliefert.
Vizeeuropameister Jan Raphael hat bei seinem siebten Start beim Ironman in Frankfurt seine beste Karriereleistung abgeliefert. Quelle: dpa
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Frankfurt

Er feierte und freute sich, als hätte er soeben gewonnen. Auf dem roten Teppich, der am Römerberg ausgelegt war, winkte Jan Raphael – das Ziel vor Augen – den Zuschauern auf den Tribünen zu und verbeugte sich demonstrativ vor ihnen. Zweiter war der Hannoveraner geworden, das aber in einer der härtesten Disziplinen, die es im Ausdauersport gibt, und das im Kampf gegen erstklassige Konkurrenz und hochsommerliche Temperaturen, woran so mancher Star scheiterte. Zum zweiten Mal nach 2011 hat sich Raphael in Frankfurt damit die Vizeeuropameisterschaft im Ironman geholt – der Triathlet bezeichnet den gestrigen Erfolg, der als kleine Sensation bezeichnet werden darf, als seinen größten, seit er 2006 die Langdistanz für sich entdeckt hat. „Ich bin absolut zufrieden.“ Es sei ein „geniales Rennen“ gewesen, sagte der 33-Jährige, der die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen in 8:07:19 Stunden bewältigte und nur dem unwiderstehlichen Eneko Llanos den Vortritt ließ.

„Ich war voll konzentriert.“

Der Spanier, bereits 36 Jahre alt, kam nach 7:59:58 Stunden ins Ziel und holte seinen ersten Sieg beim am besten besetzten Langdistanz-Rennen außerhalb von Kona auf Hawaii. Raphael war bereits 2011 Zweiter in Frankfurt geworden, seinerzeit bei Kälte und Regen; seit gestern, bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius, hat er nun auch die erneute WM-Qualifikation in der Tasche.

Doch nicht nur deshalb ging ihm das Herz auf. Die Konkurrenz, zu der sechs Weltmeister mit dem aktuellen Champion Pete Jacobs an der Spitze gehörten, sei extrem stark gewesen. „Für mich hat auch gezählt, dass ich das gesamte Rennen über präsent war“, sagte Raphael. „Ich war voll konzentriert.“ Den Triumph von Llanos erkannte er neidlos an: „Er ist in Topform und zurzeit eine Klasse besser als der Rest.“

Und diesen Rest führte in einem lange Zeit dramatischen Rennen der Mann aus Hannover an. Zweitbester Deutscher war Andreas Böcherer als Fünfter, der Rostocker Michael Raelert taumelte entkräftet als Siebter ins Ziel. Llanos war von Beginn an vorne dabei und absolvierte ein bemerkenswert konstantes Rennen. Nach dem Schwimmen kam der Spanier mit der Spitzengruppe aus dem Wasser, auch auf der Radstrecke gehörte er ständig zur ersten Verfolgergruppe des lange Zeit führenden Marino Vanhoenacker, der als Titelverteidiger angetreten war und dessen Vorsprung auf Llanos beim Wechsel auf die Marathonstrecke noch mehr als fünf Minuten betrug.

Der spätere Sieger zeigte auch auf dem viermal zu absolvierenden Rundkurs keine Schwäche. Alle anderen Favoriten hatten hingegen mit Problemen zu kämpfen. Vanhoenacker brach völlig ein und landete nur auf dem 21. Platz. Als Erster überholte ihn Ende der 1. Runde Raphael, der damit rund vier Minuten wettgemacht hatte. „Dass ich die Lücke so schnell geschlossen habe, war mein einziger Fehler“, sagte der Hannoveraner. „Ich war da so voller Adrenalin. Das hätte richtig in die Hose gehen können.“

Raphael musste dem Renntempo zunächst Tribut zollen, nach dem Besuch eines Dixi-Klos gab er seinen 1. Platz an Llanos ab und fiel zwischenzeitlich auf Rang 4 zurück. Später machten ihm noch dreimal Krämpfe im rechten hinteren Oberschenkel zu schaffen. „Anfangs der 3. Runde habe ich gemerkt, dass sich was anbahnt“, sagte er. „Da wird man schon unruhig. Aber ich habe die Krämpfe schnell wegbekommen.“ Zwischenzeitlich musste Raphael auch Favorit Jacobs ziehen lassen. Doch der völlig ausgelaugte Australier musste danach lange Gehpausen einlegen und hatte mit dem Rennausgang nach für ihn indiskutablen 9:33 Stunden nichts zu tun.

Starker Langenhagener: Raimund Schultz, der für den SCL startet, hat es in Frankfurt auf oberste Treppchen geschafft. In 10:43:15 Stunden gewann er bei den 60- bis 64-Jährigen. (mit: dpa)