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Sport überregional Italiens Fußball-Krise bedroht den Staat
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12:24 05.05.2014
Foto: Italiens Regierung plant lebenslange Stadionsperren für Hooligans nach den gewaltsamen Ausschreitungen vom Wochenende.
Italiens Regierung plant lebenslange Stadionsperren für Hooligans nach den gewaltsamen Ausschreitungen vom Wochenende. Quelle: dpa
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Rom

Mafia-Verstrickungen, Rassismus, Faschismus, Manipulationen, sportlicher Niedergang - und nun wieder Gewaltexzesse: Die heftigen Ausschreitungen vor dem Pokalfinale zwischen dem SSC Neapel und dem AC Florenz (3:1) haben der Welt erneut vor Augen geführt, dass der einst so ruhmreiche italienische Fußball am Boden liegt. Doch damit nicht genug: Im Land des viermaligen Weltmeisters wird die Fußball-Krise als Anzeichen für einen bedrohten Staat gesehen.

Laut der Zeitung La Repubblica haben die Gewalttäter bewiesen, „dass in Italien die Republik nicht mehr souverän“ ist: „Sie hat schrittweise die Kontrolle einiger Gebiete zugunsten organisierter Minderheiten, politischer Extremisten, Fußball-Hooligans und der organisierten Kriminalität verloren.“

Ähnlich sieht es die Gazzetta dello Sport. Das Blatt beschreibt die Stadien als „Freilichtgefängnisse“ für „gewalttätigste und kriminellste Gruppen“. Für Tuttosport war der Samstag ein „Tag wie im Wilden Westen“. Nun gebe es keine Alibis mehr: „Der gesamte Fußball muss gegen die Gewalt reagieren“. Nach Ansicht des Corriere dello Sport hat der Staat bereits kapituliert. Schließlich habe die Polizei „das Olympiastadion in Rom 45 Minuten lang sich selbst und den Hooligans überlassen“.

Um den Eindruck der Kapitulation vor der Gewalt zu widerlegen, hat die Regierung erste Maßnahmen angekündigt. Sie plant lebenslange Stadionsperren für Hooligans und verkauft dieses eigentlich doch nur logische Vorgehen als hartes Durchgreifen.

„Die Maßnahme ist sehr streng, doch man muss die Strafen gegen Gewalttäter verschärfen“, sagte Innenminister Angelino Alfano der Tageszeitung La Stampa. Eine Stadionsperre ist in Italien bisher auf fünf Jahre begrenzt, Wiederholungstätern droht eine Sperre von weiteren fünf Jahren. Ob die verschärften Gesetze dazu führen, dass die Tifosi ihren eigentlich so sehr geliebten Calcio in absehbarer Zukunft wieder ins Herz schließen, darf aber bezweifelt werden.

Schließlich ist der italienische Fußball, der in der Fünfjahreswertung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) die schlechteste Gesamtbilanz seit 30 Jahren vorweist, nach Ansicht vieler Experten derzeit ein Sammelbecken für Staatsgegner. In den Stadien tummeln sich Rassisten, Faschisten, Mafiosi und sonstige Kriminelle. Das hat auch der Chef des italienischen Verbands erkannt. „Der Fußball ist das Opfer“, sagte Giancarlo Abete.

Für die Medien ist der Sport vorerst in dieser Opferrolle gefangen. „Das ist der italienische Fußball“, schrieb La Repubblica, und brachte den Zustand auf den Punkt: „Er spielt in Europa keine Rolle mehr und macht sich selbst kaputt, wenn er eigentlich feiern sollte.“

Derweil hat sich der Zustand des bei einer Schießerei verletzten Neapel-Fans etwas gebessert. Ciro Esposito befinde sich nicht mehr in Lebensgefahr, könnte aber gelähmt bleiben, teilten die behandelnden Ärzte mit. Der 30-Jährige musste sich einer mehrstündigen Operation unterziehen, bei der ihm eine Kugel entfernt wurde. Sie hatte seine Lunge durchbohrt und steckte nahe der Wirbelsäule fest.

Die römische Polizei bestätigte indes, dass der Anhänger des AS Rom, der wegen der Schießerei festgenommen wurde, auf die Neapel-Fans vier Pistolenschüsse gefeuert hatte. Er sei von den SSC-Anhängern provoziert worden. Dem Mann, der selbst einen Beinbruch erlitt, wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Gegen einen festgenommenen 33 Jahre alten Neapel-Fan wurde unterdessen ein fünfjähriges Stadionverbot verhängt.

sid