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Sport überregional Historischer Sieg in Hannover möglich
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06:16 09.09.2012
Von Heiko Rehberg
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Hannover

Natürlich ist ein Spiel gegen die Färöer nicht unbedingt das, was auf dem Wunschzettel eines Fußballfans ganz oben steht. Aber Hannover muss sich gar nicht grämen, dass es der Fußballzwerg von den Schafsinseln ist, den die deutsche Nationalmannschaft heute (20.45 Uhr, live im ZDF) in der AWD-Arena zu Gast hat.

Erstens ist es keines dieser ungeliebten Freundschaftsspiele, sondern ein Qualifikationsspiel. Die WM in Brasilien beginnt sozusagen in Hannover. Zweitens waren Auftritte der deutschen Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren meistens beste Unterhaltung, auch wenn das durch eine einzige Begegnung (dem 1:2 im Halbfinale bei der EM gegen Italien) fast ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Und drittens: In Hannover wird heute - so oder so - Fußballgeschichte geschrieben.

Entweder gibt es ein Unentschieden oder einen Sieg der Färinger und damit eine der größten Sensationen seit Erfindung der Fußballtore. Das ist zwar so wahrscheinlich wie Schneefall heute Abend, aber die Wetterfrösche liegen auch nicht immer richtig. Wenn aber alles läuft wie erwartet und die deutsche Elf gegen die Färöer gewinnt, dann gibt es ebenfalls Historisches zu feiern. Denn ein Sieg in Hannover wäre ein Jubiläumssieg, der 500.Sieg in der deutschen Länderspielgeschichte (die Partie heute Abend ist Länderspiel Nummer 864).

Dass der Fußballzwerg Färöer ein wunderbarer Auftaktgegner für die deutsche Mannschaft in der WM-Qualifikation ist, gilt als unstrittig. „Gegen die Färöer und Kasachstan darf man völlig zu Recht klare Siege erwarten“, sagt Bundestrainer Joachim Löw.

Unterschiedliche Meinungen gibt es darüber, ob die Deutschen mit ihrer Qualifikationsgruppe wieder einmal Losglück hatten - oder ob Stolpergefahr auf dem Weg Richtung Brasilien besteht, schließlich gibt es nur für den Gruppensieger ein WM-Ticket, der Zweite muss bereits den riskanten Play-off-Umweg nehmen. Die meisten Experten halten die Gruppe mit den Färöern, Kasachstan, Österreich (dort spielt die deutsche Elf kommenden Dienstag), Schweden und Irland für nicht besonders schwer. Der Bundestrainer sieht das anders: „Alle werden hochmotiviert sein und versuchen, uns das Leben schwer zu machen“, sagt Löw. Mit den Schweden und Iren seien schließlich zwei EM-Teilnehmer dabei, und Duelle mit Österreich haben wegen der sportlichen Rivalität der Nachbarländer stets eine besondere Brisanz.

Was die Fans im Stadion heute erwartet, ist nicht schwer zu erraten. Färöers Trainer Lars Olsen sagte zwar, dass „wir unsere Chancen suchen werden“. Tatsächlich wird der krasse Außenseiter um den Strafraum herum einen vielbeinigen Abwehrriegel aufbauen und den auch nach Gegentoren nicht auflösen. Die deutsche Elf dagegen wird sich nicht lange aufhalten mit Freundlichkeiten und versuchen, das umzusetzen, was Löw für die Zukunft fordert: ein frühes, energisches Stören, den Gegner unter Druck setzen, ihn zu Fehlern zwingen.

Angesichts dieser Marschrichtung mutet es fast wie ein Witz an, dass im 22-köpfigen Kader in der Rubrik „Angriff“ ein einziger Name steht: der von Miroslav Klose, mittlerweile 34 Jahre alt und im festen Glauben, auch für die WM 2014 noch wertvoll sein zu können.

Weil Mario Gomez verletzt ist und Alternativen mit Klasse fehlen, heißt es heute im Sturm erneut: ein Solo für „Miro“. Löw sagt zwar, dass er sich über die Sturmproblematik „Gedanken macht“, doch angesichts von Spielern wie Thomas Müller, Marco Reus oder Lukas Podolski, die Stürmerinstinkt haben, muss sich der Bundestrainer wenig Sorgen machen. Dass es notfalls auch mal ohne richtigen Angreifer geht, haben während der EM die Spanier bewiesen, denen die deutsche Mannschaft seit vier Jahren erfolglos hinterherläuft. Spätestens bei der WM 2014 ist das nächste Überholmanöver geplant.

Heute Abend aber geht es erst einmal auf der Landstraße von Barsinghausen nach Hannover. In Löws Fußball-Navigationsgerät ist einprogrammiert: Länderspielsieg Nummer 500.

Heiko Rehberg 09.09.2012
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