Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Sport überregional Die Chemie zwischen van Gaal und Bayern stimmt
Sportbuzzer Sportmix Sport überregional Die Chemie zwischen van Gaal und Bayern stimmt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:51 29.09.2010
100929-SPOR-1-gaal.jpg
„Ich habe noch immer meine Ambitionen“, Trainer Louis van Gaal. Quelle: ap
Anzeige

Louis van Gaal ist auch in schwierigen Zeiten für einen Spaß gut. Nachdem der 59 Jahre alte Niederländer seinen neuen Vertrag beim FC Bayern bis 2012 unterschrieben hatte, schüttelte er in Basel auch den aus München mitgereisten Reportern einzeln die Hand und sagte jedes Mal schmunzelnd: „Ich gratuliere“ – und meinte die weitere, nicht immer unkomplizierten Zusammenarbeit mit ihm.

Die Szene hatte Witz und bewies einmal mehr, dass van Gaal ein ganz spezieller Trainer und Mensch ist. Der Anpassungsprozess an Verein, Mannschaft und Umfeld war wechselseitig „schwierig“, wie er selbst sagt. Aber im Herbststurm 2010 soll Einigkeit stark machen.

Der deutsche Fußballmeister zog die Vertragsverlängerung bewusst in einer „kniffligen Situation“ durch, wie der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge vor dem gestrigen Champions- League-Spiel beim FC Basel betonte (die Partie war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet); ohne Rücksicht auf den Fehlstart in der Bundesliga mit Platz 9 und mageren acht Punkten nach sechs Spielen.

Liebe auf den ersten Blick war’s nicht, aber inzwischen sind Verein und Trainer „total überzeugt“ von ihrer Partnerschaft, wie Rummenigge sagte. Van Gaal hat gerade der Zeitpunkt für das Bekenntnis zu ihm und seiner Arbeit beeindruckt: „Dieser Vorstand zeigt jetzt genauso viel Vertrauen, als wenn wir nach Madrid zum Champions-League-Finale fahren. Das ist eine große Unterstützung.“

Van Gaal tickt anders als jeder Bayern-Trainer vor ihm. Sich auf ihn einzulassen, birgt Chancen und Risiken. Van Gaal hat viel bewegt nach dem Missverständnis mit dem früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Er hat im ersten Bayern-Jahr zwei Titel geholt und fast die Champions League gewonnen. Er hat Talente wie Thomas Müller und Holger Badstuber gefördert und mit seinem Landsmann Arjen Robben einen Transfer-Glücksgriff getan. Er hat Bastian Schweinsteiger ins zentrale Mittelfeld versetzt und einen Spielstil entwickelt, der begeistert – wenn’s läuft.

Jetzt, da es nach einer schwierigen Saisonvorbereitung und ohne die verletzten Robben und Franck Ribery rumpelt und knirscht, wird als erstes van Gaals „Harmoniemodell“ hinterfragt. Auf Spielereinkäufe hatte der Trainer verzichtet, obwohl die Vereinsführung unter anderem dazu bereit gewesen war, Millionen für den dann vom VfB Stuttgart zu Real Madrid gewechselten Sami Khedira auszugeben.

Hat sich van Gaal verzockt? „Ich dachte, dass es ein Vorteil ist, dass ich dieselbe Mannschaft behalten habe. Aber wir haben gesehen, dass das nicht ausreichend war“, sagte er nun in Basel. Teure Einkäufe des vergangenen Jahres wie Mario Gomez oder Anatoli Timoschtschuk, die nicht seine waren, versauern derweil auf der Bank. Er habe die Wahl zwischen vier Angreifern (Gomez, Klose, Müller, Olic). „Gewollt habe ich zwei.“ Aber alle Spieler „sind geblieben“.

Tatsächlich begrüßten die Profis die Weiterverpflichtung ihres Chefs. „Wir freuen uns natürlich“, erklärte Philipp Lahm: „Wir haben gesehen, wie akribisch der Trainer arbeitet und welche Fortschritte wir gemacht haben.“ Die sollen sich, ehe van Gaal 2012 eine Nationalmannschaft übernehmen und zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien führen möchte, in weiteren Titeln niederschlagen. „Ich habe noch immer meine Ambitionen“, sagte van Gaal.

dpa