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Fußball überregional Thomas Schaaf macht Scherze
Sportbuzzer Fußball überregional Thomas Schaaf macht Scherze
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20:51 14.09.2012
Von Patrick Hoffmann
Bremens Trainer Thomas Schaaf hat so viel Spaß bei der Arbeit wie lange nicht mehr.
Bremens Trainer Thomas Schaaf hat so viel Spaß bei der Arbeit wie lange nicht mehr. Quelle: dpa
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Bremen

In Bremen hat es in der Vergangenheit deutlich vergnüglichere Dinge gegeben als Pressegespräche beim SV Werder. Trainer Thomas Schaaf hat das übliche Frage-Antwort-Spiel ja immer eher als lästigen Pflichttermin empfunden, und das ließ er die anwesenden Medienvertreter auch gerne mal spüren. Schaaf antwortete dann kurzsilbig, er klang oft ein bisschen grummelig. Und wenn ihm eine Frage überhaupt nicht passte, dann erklärte er das Gespräch einfach für beendet.

Neulich, nach dem Training, musste Schaaf wieder eine dieser ungeliebten Fragen über sich ergehen lassen. Ein Reporter einer Boulevard-Zeitung hatte sich nach der grünen Baseballmütze erkundigt, mit der Schaaf zuletzt häufiger zu sehen war. Ob die Mütze neu sei, wurde er gefragt, und noch vor Kurzem wäre Schaaf daraufhin wortlos gegangen. Denn wenn Schaaf eines weniger leiden kann als Kritik, dann sind es Banalitäten. Vermutlich hat der Übungsleiter dafür immer noch nichts übrig, aber er weiß inzwischen lockerer, mit solchen Dingen umzugehen. Schaaf nahm also die Mütze ab, scherzte kurz und plauderte anschließend gut gelaunt über das anstehende Spiel gegen Hannover 96.

Es hat sich viel getan in Bremen in den vergangenen Monaten. Die Mannschaft ist eine andere, nicht nur personell. Auch Schaaf ist ein anderer, und man wird den Eindruck nicht los, dass beides miteinander zu tun hat. Der 51-Jährige, sagen Beobachter, hat derzeit so viel Spaß an seiner Arbeit wie vielleicht noch nie seit seinem Amtsantritt 1999, vielleicht mit Ausnahme der Meistersaison 2003/2004. Schaaf hat sich ja schon immer eher als Fußballlehrer gesehen, als einen, der junge Spieler weiterentwickelt. Ende der achtziger bis Ende der neunziger Jahre war das ja schon einmal seine Aufgabe bei Werder gewesen, erst als Trainer der Junioren und später als Trainer der Reservemannschaft.

Jetzt darf er in Bremen wieder eine junge Mannschaft anleiten. Schaaf darf wieder Entwicklungschef sein - und nicht bloß Nachlassverwalter längst vergangener Werder-Zeiten. In den vergangenen zwei Jahren war Schaaf daran gescheitert, eine Ansammlung teurer, alternder Stars zum Erfolg zu führen. Zweimal in Folge verpasste der Klub den Europapokal und die damit verbundenen Millioneneinnahmen, auch deshalb wurde der Kader im Sommer radikal verjüngt. Leistungsträger wie Claudio Pizarro, Tim Wiese, Naldo und Marko Marin haben Bremen verlassen, dafür wurden talentierte, aber eben auch noch entwicklungsbedürftige Profis wie Kevin de Bruyne, Eljero Elia oder Nils Petersen verpflichtet.

Für diesen Neuanfang hat sich Schaaf sogar von seinem alten Spielsystem getrennt, auch das kann durchaus als Indiz für seinen Wandel gedeutet werden. Schließlich hatte Schaaf jahrelang an seiner taktischen Ausrichtung mit Mittelfeld-Raute und zwei Stürmern festgehalten. In dieser Saison nun lässt Schaaf im 4-1-4-1-System spielen, also mit fünf Mittelfeldspielern (davon einem Spieler vor der Abwehr) und nur noch einem Stürmer (Petersen).

Schaaf wäre natürlich nicht Schaaf, wenn er nicht ständig behaupten würde, dass das nicht das Ende der Raute sei. In den ersten beiden Bundesligaspielen gegen Dortmund (1:2) und Hamburg (2:0) hat sich dieser Systemwechsel bereits bewährt. Die Bremer spielten tollen Offensivfußball und weckten damit Erinnerungen an bessere Zeiten in der Schaaf-Ära. Mittlerweile haben einige Bremer sogar schon wieder die Europapokalplätze als Saisonziel ausgerufen. Einer von ihnen war Thomas Schaaf. Und das hatte man von ihm so noch nicht gekannt.

14.09.2012
Christian Purbs 15.09.2012