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Fußball überregional Pfiffe statt Party beim 1:1 gegen Finnland
Sportbuzzer Fußball überregional Pfiffe statt Party beim 1:1 gegen Finnland
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22:35 14.10.2009
Von Stefan Knopf
Die deutsche Elf enttäuschte gegen die Finnen.
Die deutsche Elf enttäuschte gegen die Finnen. Quelle: ddp
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In diesem Tor von Lukas Podolski in der 90. Minute fand sich das ganze Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Finnland noch einmal komprimiert auf wenige Sekunden: Mesut Özil hatte den Ball irgendwie im hohen Bogen am finnischen Tor vorbeibugsiert; nach einem Zweikampf zwischen Miroslav Klose und Jonatan Johansson trudelte der Ball Podolski vor die Füße, der ihn zum glücklichen 1:1 über die Linie stocherte. Viel falsch gemacht und trotzdem nicht verloren – da konnte sich selbst Joachim Löw ein Lachen nicht verkneifen.

Zuvor hatte es nur wenige Momente gegeben, in denen der Bundestrainer Grund zur guten Laune hatte. Auf sechs Positionen hatte er seine Mannschaft im Vergleich zum Spiel in Moskau vier Tage zuvor verändert, aber das allein konnte nicht der Grund dafür sein, dass die Spieler so orientierungslos über den Rasen liefen. Das Pfeifkonzert, das im Hamburger Stadion Mitte der 1. Halbzeit einsetzte, steigerte sich bis zur Pause kontinuierlich, nach einer Stunde skandierten die Zuschauer „Wir wollen euch kämpfen sehen“, was eigentlich ein Abstiegsklassiker ist – wie das eben so ist, wenn man 51.500 Fans zu seiner Fußballparty einlädt, die dann leider ausfällt.

Wobei an diesem Abend nicht die Finnen die Spielverderber waren: Löws Elf hätte vor allem vor der Pause einen Preis für Statik verdient gehabt, um die 20. Minute herum konnten sich die Finnen den Ball im Mittelfeld unbehelligt über acht, neun Stationen zuschieben. „Wir hatten viele Probleme im Spielaufbau, uns hat die Ordnung gefehlt, und wir sind in viele Konter gelaufen“, räumte der Bundestrainer ein. Wie vor dem 0:1 in der 11. Minute, als Andreas Beck den schnellen Roni Porokara nicht stoppen konnte und Johansson nach der Flanke seines Mannschaftskollegen den Ball nur über die Linie drücken musste. Nach vorne lief fast nichts; außer einer Chance, als Kapitän Michael Ballack den Ball über das Tor der Skandinavier schoss (16. Minute), brachte das Team wenig Konstruktives zustande.

Erst nach der Pause wurden die Aktionen des deutschen Teams zwingender; „Moral“ hatte der Bundestrainer in dieser Phase bei seiner Mannschaft ausgemacht, die dann besser in Schwung kam. Mit dem angepeilten neunten Sieg in der WM-Qualifikation wurde es zwar nichts, dafür tröstete sich die Mannschaft mit der Tatsache, den Weg zur Endrunde nach Südafrika ungeschlagen überstanden zu haben. „So ein Spiel bringt auch wichtige Erkenntnisse“, sagte Löw.

Eine davon dürfte sein, dass auf einen Miroslav Klose im Sturm derzeit schwer zu verzichten ist; der Münchener kam in der Schlussviertelstunde für Mario Gomez und hatte in der kurzen Zeit mehr gute Szenen als sein Vereinskollege in der Zeit davor. Und auch wenn Özil ein gutes Stück von seiner Form in Moskau entfernt war – der Bremer hat erneut angedeutet, dass er ein Spiel mit ein, zwei guten Aktionen entscheiden kann. Zur Experimentierstunde hatte Löw die Partie zuvor erklärt, also gab es an diesem Abend auch Gewinner: Es waren vor allem die Spieler, die im Unterschied zum 1:0-Seg in Russland gar nicht oder nur kurz spielten.

Christian Purbs 14.10.2009
13.10.2009
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