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Fußball überregional Mesuts mentales Meisterstück
Sportbuzzer Fußball überregional Mesuts mentales Meisterstück
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13:54 09.10.2010
Machte trotz Pfiffen ein großes Spiel: Mesut Özil.
Machte trotz Pfiffen ein großes Spiel: Mesut Özil. Quelle: dpa
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Er hätte in strahlender Siegerpose von dannen ziehen können, doch nach dem emotional schwierigsten Spiel seiner Karriere verschwand Mesut Özil wortlos durch den Hinterausgang. Eine Knöchelblessur ersparte dem Ballzauberer den Gang durch die Katakomben des Olympiastadions, vorbei an Kameras und Mikrofonen. Auf bohrende Fragen nach seiner Befindlichkeit konnte Özil an diesem bewegenden Abend verzichten. Seine Antwort auf das demütigende Pfeifkonzert der großen Schar von Gästefans hatte der 21-Jährige auf dem Platz gegeben. Sein Tor beim 3:0-Sieg gegen die Türkei, sein drittes im DFB-Trikot, gab dem fußballerischen Multi-Kulti-Abend in Berlin die besondere Note.

Andere wären unter den penetranten Unmutsäußerungen von den Tribünen spielerisch eingebrochen. Nicht aber Nationalspieler Özil. „Mesut ist ein Spieler, der sich auf die entscheidenden Dinge konzentrieren kann, der mental stark ist. Mesut hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Das hat er auch gezeigt“, lobte Bundestrainer Joachim Löw. „Und dass Mesut dann das Tor gemacht hat, das freut mich. Es war toll gemacht.“

Auch von den Mitspielern gab es verbale Schulterklopfer für den jungen Real-Regisseur. „Er ist Profi genug. Er hat seine Sache sehr gut gemacht“, sagte Kapitän Philipp Lahm. „Mesut hat das ganz gut gemacht und mit dem Tor die Antwort gegeben“, meinte Thomas Müller. „Er hat seine Leistung gezeigt, wie man ihn kennt“, kommentierte Lukas Podolski den 20. Auftritt von Özil im DFB-Trikot.

Halil Altintop, Freund und Gegner für einen Abend, beschrieb die Lage aus der Sicht des geschlagenen Kontrahenten. „Das ist völlig normal. Viele sind enttäuscht, dass so ein Klassespieler nicht für die Türkei spielt“, sagte der Angreifer von Eintracht Frankfurt zu den Pfiffen. Wie sein Zwillingsbruder Hamit hat er sich für eine Länderspielkarriere im Heimatland der Väter entschieden.

Der Migrantensohn Altintop hatte verstanden, dass die Konstellation an diesem Berliner Herbstabend alle Zerrissenheit der türkischstämmigen Deutschen und in Deutschland lebenden Türken demonstrierte. Noch im WM-Sommer hatten viele stolz „ihrem Mesut“ im DFB-Dress zugejubelt, nun behandelten sie den „verlorenen Sohn“ wie einen Überläufer. Schon am Dienstag, wenn Deutschland in Kasachstan spielt, und Özil wieder glänzen sollte, wäre er wohl wieder einer von ihnen.

Nach den aufgebrachten Berliner Tagen wird Özil die Reise nach Kasachstan wie ein Erholungstrip vorkommen. Endlich weg aus den Scheinwerferkegeln. Endlich keine Fragen mehr zu Herkunft, Integration und Nationalgefühl. Inwiefern die Fußblessur ihn in Astana behindern wird, ist noch nicht geklärt. Am Freitagabend war sie willkommener Türöffner für den Hinterausgang, denn die UEFA-Statuten erlauben Verletzten einen kommentarlosen Abgang.

Vielleicht war auch einfach zu viel geredet worden für die Fußball-Seele des Jungstars. Sogar seine roten Schuhe wurden als verstecktes Signal der Verbundenheit mit der Türkei (über)interpretiert. Sein stiller Torjubel hatte schon verdeutlicht: Hier will einer einfach nur als Fußballer wahrgenommen werden.

dpa

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