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Fußball überregional Löws persönlicher Triumph
Sportbuzzer Fußball überregional Löws persönlicher Triumph
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20:54 11.10.2009
Von Stefan Knopf
Alles richtig gemacht: Bundestrainer Joachim Löw freut sich über die geglückte WM-Qualifikation.
Alles richtig gemacht: Bundestrainer Joachim Löw freut sich über die geglückte WM-Qualifikation. Quelle: ddp
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Die Partie war längst vorüber, die Spieler machten sich schon auf den Weg zu den mitgereisten deutschen Fußballfans, da saß Joachim Löw noch immer alleine auf der Bank des Moskauer Luschniki-Stadions. Es lässt sich nur vermuten, was in diesen Minuten in dem Bundestrainer vorging, er selbst fasste seine Gedanken so zusammen: „Ich habe mir die Aufstellung überlegt für das Spiel am Mittwoch gegen Finnland, weil einige Spieler geschont werden sollen.“ Nur langsam löste sich bei Löw die Anspannung. Dieses 1:0 in Moskau, mit dem nicht viele gerechnet hatten, war nicht nur ein großer Erfolg für den deutschen Fußball. Es war auch ein persönlicher Triumph für Löw; sein größter seit dem Einzug ins das Endspiel der Europameisterschaft im vergangenen Sommer.

Im zurückliegenden Jahr war Löw so oft und so heftig kritisiert worden wie noch nie in seiner Zeit als Bundestrainer. Nach den spielerisch zuletzt enttäuschenden Leistungen seiner Mannschaft wurde das Genöle an Team und Trainer hörbar lauter, da konnten auch die guten Ergebnisse in der WM-Qualifikation nichts ändern. Für die einen nominierte er die falschen Torhüter, für die anderen die falschen Stürmer; als Löw gegen Südafrika und Aserbaidschan auf eine Aufstellung mit nur einem Stürmer umstellte, um sein System für das Spiel gegen Russland zu testen, sprachen seine Kritiker von Konzeptlosigkeit, und dann warfen ihm einige Bundesligatrainer, allen voran Schalkes Felix Magath, auch noch Einmischung in ihre Arbeit vor.

Doch Löw ließ sich nicht beirren, auch von Störfeuern aus den eigenen Reihen nicht. Zunächst schien der Konflikt mit Torsten Frings und Michael Ballack an seiner Autorität zu kratzen, doch die Besonnenheit, mit der Löw Frings ignoriert, hat seine Position eher noch gestärkt. Löws deutliches Signal: Wer nicht mitzieht, fliegt raus. Löw ist keiner, der seine Genugtuung offen vor sich herträgt; dass er sich in den zurückliegenden Wochen jedoch mehr als sonst geärgert hat, ließ er dennoch durchblicken. „Wir haben unsere Philosophie und unsere Vorstellung, welche Spieler das gut umsetzen und was wir brauchen“, sagte er. „Nach einem Turnier so eine Qualifikation zu spielen mit so vielen Siegen und nur einem Unentschieden, das ist eine Bestätigung für die Spieler und die Trainerkollegen, die alle gute Arbeit leisten.“

Schon am Mittwoch beginnt die nächste Phase auf dem Weg nach Südafrika: In den noch drei ausstehenden Spielen bis zum Jahresende will der Bundestrainer einige junge Spieler testen. Andreas Beck, Christian Gentner und Cacau sind Kandidaten für die Startelf gegen Finnland. „Es wird nicht die Mannschaft sein, die man in den vergangenen Monaten gesehen hat“, sagte Löw. Andere Spieler sollen nun zeigen, was sie gelernt haben und so Erfahrung im Nationalteam sammeln.

Lernen, merkte Russlands Trainer Guus Hiddink nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern an, könne übrigens auch Löw. „Er muss nicht so laut schreien, wenn Mario Gomez auf der anderen Seite des Platzes den Ball hat. Der hört das sowieso nicht. Und mir hat es im Ohr wehgetan.“