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Fußball überregional Löw und Bierhoff wehren sich gegen Führungsstil-Kritik
Sportbuzzer Fußball überregional Löw und Bierhoff wehren sich gegen Führungsstil-Kritik
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06:15 12.10.2012
Foto: „Wir machen das, was wir für richtig halten“: Bundestrainer Joachim Löw reagiert gelassen auf Kritiker wie Bayern-Präsident Uli Hoeneß.
„Wir machen das, was wir für richtig halten“: Bundestrainer Joachim Löw reagiert gelassen auf Kritiker wie Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Quelle: dpa
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Frankfurt/Hannover

Oliver Bierhoff hatte am Dienstag eine Bitte. Die deutsche Nationalmannschaft bestreitet am Freitag in Irland (20.45 Uhr, live im ZDF) und kommenden Dienstag in Berlin gegen Schweden zwei wichtige Qualifikationsspiele zur Fußball-Weltmeisterschaft. Sollten beide gewonnen werden, könnte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bereits mit der Planung für das Turnier 2014 in Brasilien beginnen. Weil aber in den vergangenen Tagen und Wochen von vielen Seiten an der Nationalmannschaft und an ihrem Bundestrainer Joachim Löw herumgemäkelt wurde, forderte Bierhoff, den „Fokus auf den Sport“ zu legen und nicht mehr auf Randthemen. Wobei das durchaus sehr große Randthemen sind, wenn einer wie Bayern-Präsident Uli Hoeneß mal kräftig losledert oder Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger in einem Interview die Stimmung im Nationalteam während der Europameisterschaft kritisiert.

Bierhoff ist mittlerweile unter die Buchautoren gegangen, gestern gab der Manager mal wieder den Feuerlöscher für die Störfeuer, die aus den unterschiedlichsten Ecken aufflammen. Dass Hoeneß in einem Rundumschlag den Bundestrainer („Muss mehr Druck machen, nicht immer nur gute Laune“), die Überversorgung („Ging in der Vorbereitung darum, welche Tischtennisplatte wohin geflogen werden musste, möglichst noch auf den Mont Blanc“) und Stürmer Miroslav Klose („Hat 80 Prozent seiner Tore gegen Liechtenstein und Co. erzielt, mindestens“) heftig anging, mochte Bierhoff nicht unwidersprochen lassen.

Süffisant wies er darauf hin, auch der FC Bayern fliege für Sponsorentermine nach Japan, und merkte an, gegen Basketballkörbe hätte der Poltergeist vom Starnberger See vermutlich nichts gehabt. Um den feinen Seitenhieb verstehen zu können, muss man wissen, dass Hoeneß als Präsident auch für die Bayern-Basketballer zuständig ist und dort gerade den Trainer gefeuert hat.

Richtig enttäuscht sei er, sagte Bierhoff, aber über die Aussage gegen Klose. „Das war schon abfällig.“ Zumal die aufgetischten Fakten nicht stimmen, da der 34-jährige Nationalmannschaftsangreifer von seinen 64 Länderspieltreffern nur 20 gegen die ganz kleinen Kaliber erzielt hat.

Töricht findet Bierhoff auch die ständig wiederkehrende Debatte um die angeblich zu flachen Hierarchien. Altvordere Kritiker wie Hoeneß müssten begreifen, dass die junge Generation dies anders ausfülle. „Die alte Hackordnung, ‚du trägst das Tor, ich mach nichts‘, geht nicht mehr“, sagte der 44-Jährige. Seine Replik in Richtung Süden: „Der FC Bayern spielt auch mit einer flachen Hierarchie, mit einem Kapitän Lahm und einem Führungsspieler Schweinsteiger.“ Um seinen Konter abzuschließen, wurde Bierhoff am Ende grundsätzlich: „Ich finde es nicht gut, wenn sich die Verantwortlichen gegenseitig bewerten. Wir lassen uns auch nicht über die Arbeit von Bayern aus.“

Es ist schon eine merkwürdige Situation, in der sich die Nationalmannschaft nach dem Halbfinal-Aus bei der EM gegen Italien befindet. Selbst DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der sich anders als sein Vorgänger Theo Zwanziger bislang wohltuend zurückgehalten hat, griff Anfang der Woche in die Debatte um Deutschlands wichtigste Fußballmannschaft ein. Niersbach beklagte die negative Einordnung der Nationalelf seit der EM. „Wir haben zwölf Qualifikationsspiele in Folge gewonnen. Und links und rechts wird oft gemäkelt, das ist manchmal schon kurios. Die Kritik ist aus meiner Sicht überzogen. Auf welchem Platz der Weltrangliste stehen wir eigentlich? Auf Platz 2“, sagte Niersbach.

Und Löw? Der Bundestrainer gibt sich betont gelassen. Die ersten ein, zwei Jahre als Bundestrainer habe er sich noch dafür interessiert, „wer irgendwas dazu sagt irgendwo in der Republik, aus der Richtung oder aus der Richtung“, bemerkte Löw, der seit August 2006 Cheftrainer ist. „Aber heute bin ich völlig entspannt, wenn ich solche Dinge höre. Ich weiß, dass ich von unseren Dingen überzeugt bin. Wir machen das, was wir für richtig halten.“

Von einer generellen Änderung seines Führungsstils, wie von Hoeneß angemahnt, hält Löw ohnehin nichts. „Wir haben zwar in den letzten Spielen nicht unser Niveau abgerufen, keine Frage. Aber wir haben vorher hervorragend gespielt“, sagte der Bundestrainer.

Löw – das ist die Botschaft Richtung Hoeneß und anderer Kritiker – bleibt Löw. Er wird seinem persönlichen Stil treu bleiben, den Hoeneß als zu kuschelig empfindet, und dazu wird weiterhin gehören, die eine oder andere Überraschung aus dem Hut zu zaubern. „Bislang sind wir gut gefahren damit“, sagte Löw, und da wird auch Hoeneß schwer widersprechen können.

Heiko Rehberg und Frank Hellmann