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Fußball überregional Löw setzt auf Spezialkräfte
Sportbuzzer Fußball überregional Löw setzt auf Spezialkräfte
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12:57 13.06.2014
Von Heiko Rehberg
Joachim Löw: „Wir haben keine Stammspieler, sondern 23 WM-Teilnehmer, die alle in jeder Sekunde in großer Alarmbereitschaft sein müssen.“
Joachim Löw: „Wir haben keine Stammspieler, sondern 23 WM-Teilnehmer, die alle in jeder Sekunde in großer Alarmbereitschaft sein müssen.“ Quelle: dpa
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Mal angenommen, es gäbe eine Maschine, in die packt man oben gute Laune rein, und dann kommen unten Tore raus: je besser die Laune, desto mehr Tore. Stünde diese Maschine am kommenden Montag im Stadion von Salvador da Bahia, müsste sich niemand um den Turnierauftakt der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal (18 Uhr, live in der ARD) Gedanken machen. Denn Joachim Löw war vier Tage vor der ersten WM-Prüfung allerbester Laune.

Bereits am Vormittag beim Training hatte Löw den Reportern beim Vorbeilaufen ein „Mit geht es überdurchschnittlich gut“ zugerufen und sah dabei trotz Hitze wie jemand aus, dem es überdurchschnittlich gut geht. Als er mittags erstmals aus Brasilien zum deutschen Fußballvolk sprach, sagte Löw: „Mir geht es hervorragend, ich bin ausgeglichen, fokussiert, konzentriert.“ Der 54-Jährige, das war nicht zu übersehen, genießt sein Trainerleben, anders als zwischen November und Mai, wenn ein Bundestrainer viel zu selten Trainer sein darf.

Die Botschaft, die Löw gestern vermitteln wollte, kam überzeugend rüber: Für die deutsche Mannschaft kann das Turnier losgehen. „Wir sind gut vorbereitet - das gibt mir ein gutes Gefühl.“ Und auch wenn der Bundestrainer Montag gegen Portugal ein „Spiel auf Augenhöhe“ erwartet, ließ er keine Zweifel daran, worauf es gleich zu Beginn ankommt: „Es wäre wichtig, ein Ausrufezeichen zu setzen. Wir wissen, dass uns die Menschen zu Hause kollektiv die Daumen drücken. Wir wollen ihnen eine Freude machen.“

Nach durchwachsener Vorbereitung, in der wichtige Spieler wie Manuel Neuer, Phillip Lahm oder Bastian Schweinsteiger gar nicht oder nur eingeschränkt trainieren konnten, hat sich die Situation in Brasilien verändert - und damit auch Löws Aufgabe: „Alle in der Mannschaft sind einsatzfähig“, sagte er, wodurch ein neues Problem entsteht: Löw wird Spielern, die einen Stammplatz gewohnt sind, die Nachricht verkaufen müssen, dass für sie gegen Portugal in der Startelf kein Platz sein wird. Um auch das einigermaßen glaubwürdig hinzubekommen, hat sich Löw gestern fast zehn Minuten Zeit genommen und in einem längeren Beitrag den Begriff des Stammspielers kurzerhand abgeschafft. „Wir haben keine Stammspieler, sondern 23 WM-Teilnehmer, die alle in jeder Sekunde in großer Alarmbereitschaft sein müssen.“ Eine interessante Formulierung.

Überspitzt man Löws Argumentation ein wenig, dann ist es im Grunde viel wichtiger, eingewechselt zu werden, als von Beginn an aufzulaufen. Dass der eine oder andere Spieler diese Sichtweise auf Dauer nicht teilen wird, weiß auch Löw, aber selten hat sich ein Trainer derart viel Mühe gegeben, einen Platz auf der Bank als Auszeichnung darzustellen. In Löws neuer Fußballwelt sind das übrigens keine Einwechselspieler, die draußen auf ihren Einsatz warten, sondern „Spezialkräfte, die den Gegner empfindlich treffen können, wenn er müde wird“.

So merkwürdig das erst einmal klingt, ganz abwegig ist die Idee nicht: Die extremen klimatischen Bedingungen erfordern besondere Maßnahmen. Die Deutschen bestreiten alle drei Vorrundenspiele in Städten, in denen es heiß sein und eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschen wird. Zweimal, Montag gegen Portugal und im letzten Gruppenspiel gegen die USA, ist Anstoß zur Ortszeit von 13 Uhr. Zu erwarten sind Spiele, in denen „wir in den roten Bereich vordringen werden“. Spätestens nach einer Stunde wird Löw auswechseln müssen, möglicherweise nicht nach und nach, sondern dreimal in kurzer Zeit. Löw nannte das die „zweite Phase in der 2. Halbzeit: Die Spieler, die wir dann einwechseln, haben eine ganz besondere Aufgabe, sie müssen neue Energie ins Team bringen und für neue Impulse sorgen.“

Dass da bei prominenten Bankkandidaten wie Schweinsteiger Überzeugungsarbeit vonnöten sein wird, ahnt Löw: „Das erfordert Bereitschaft von den Spielern, aber auch Einsicht.“ Einsicht, erst einmal nicht wie gewohnt erste Wahl zu sein. Oder wie Löw es formulierte: „Es ist keine Strafe, nicht jede Minute zu spielen.“

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