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Fußball überregional Düstere Aussichten für den TSV Havelse
Sportbuzzer Fußball überregional Düstere Aussichten für den TSV Havelse
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08:34 12.09.2012
Foto: Der TSV Havelse um Marc Vucinovic, Siegtorschütze gegen Nürnberg, hofft auf den nächsten Pokalcoup im heimischen Stadion.
Der TSV Havelse um Marc Vucinovic, Siegtorschütze gegen Nürnberg, hofft auf den nächsten Pokalcoup im heimischen Stadion. Quelle: Florian Petrow
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Garbsen

Für eine kleine Sensation hat der TSV Havelse bereits in der 1.Runde des DFB-Pokals gesorgt. Jubelnd lagen sich die Spieler des Regionalligisten in den Armen, als sie den 1. FC Nürnberg im August mit 3:2 niedergerungen hatten. Eindrucksvoll hatte der Außenseiter bewiesen, dass er für eine sportliche Überraschung gut ist. Am 30. Oktober reist nun Zweitligist VfL Bochum an. Doch die wohl größte Hürde des Wettbewerbs wartet auf die Havelser noch vor dem Anpfiff. Denn bis dahin muss der Verein tief in die Kasse greifen.

Das Problem des TSV liegt genau 1,50 Meter über der Rasenkante. 800 Lux stark muss die Beleuchtung an diesem Messpunkt sein, so schreibt es der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor. Hell genug für die Kameras des Bezahlsenders Sky, der die Partie übertragen wird. Anpfiff ist um 20.30 Uhr, nach Einbruch der Dunkelheit. Das Wilhelm-Langrehr-Stadion des TSV verfügt zwar über eine Flutlichtanlage, doch die alten Birnen bringen es nur auf 250 Lux. Man mag das für ein reines Zahlenspiel halten. Doch für den TSV ist es ein ernstzunehmendes Hindernis auf dem Weg in die nächste Pokalrunde.

Seit er um die DFB-Auflagen weiß, bemüht sich TSV-Geschäftsführer Stefan Pralle, Licht ins Dunkel zu bringen. Die Zeit ist zu knapp, um eine neue Flutlichtanlage zu installieren. Und so will der Verein nun mobile Masten mieten, entweder auf Gerüsten oder speziellen Lkw. „Die Kosten dafür liegen im sechsstelligen Bereich“, erklärt Pralle. „Und einem kleinen Verein wie uns tut es wirklich weh, für nur 90 Minuten einen solchen Betrag durch den Schornstein zu jagen.“

Noch in dieser Woche reisen Vertreter von Beleuchtungsfirmen aus ganz Deutschland nach Havelse. Sie sollen sich vor Ort ein Bild machen und dem Verein ein Angebot unterbreiten. Der TSV hofft darauf, möglichst günstig dabei wegzukommen - und nicht die kompletten 235000 Euro, die der Sieg gegen Nürnberg eingebracht hat, gleich im nächsten Spiel wieder loszuwerden. „Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht“, sagt Pralle. „Es liegt doch in der Natur des DFB-Pokals, dass der eine oder andere Teilnehmer aus einer unteren Liga in die nächste Runde kommt. Dass solche Vereine dann massive Probleme haben, muss doch auch der DFB wissen.“

Pralles naheliegenden Vorschlag, das Spiel am Nachmittag anzupfeifen, lehnte der DFB ab. „Die Anstoßzeiten für alle Spiele sind in den TV-Verträgen fixiert. Dabei gibt es für uns nachträglich keine Spielräume für Änderungen“, erklärt DFB-Sprecher Maximilian Geis auf Nachfrage. „Im DFB-Pokal gibt es für die Vereine eine Menge Geld zu verdienen. Als Gegenleistung müssen sie bei Bedarf einen Teil der Beträge investieren, sei es in die fernsehtaugliche Aufrüstung ihres Stadions oder in die Miete eines anderen geeigneten Stadions.“

Letzteres hat auch der TSV erwogen. Doch die AWD-Arena steht nicht zur Verfügung, weil Hannover 96 in der betreffenden Woche zweimal dort spielt und den Rasen schonen muss. Und weil Braunschweig und Wolfsburg zur selben Zeit auch im DFB-Pokal spielen, bleiben als fernsehtaugliche Stadien im weiteren Umfeld nur Osnabrück und Bielefeld.

So weit weg von der Heimat müssten die Havelser dort wohl weitgehend auf Zuschauer verzichten. Auf die Unterstützung der Fans sei der TSV aber angewiesen, wenn er eine weitere kleine Pokalsensation schaffen wolle, meint Pralle. „Wenn wir nicht vor heimischer Kulisse spielen können, dann tendieren die Chancen fürs Weiterkommen gegen null“, prognostiziert er. Sollte der TSV bis Ende Oktober also keine 800 Lux mehr auf den Platz bekommen, dann sieht es wohl auch sportlich düster aus.

Michael Soboll