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Fußball überregional Das müssen Sie zum Halbfinale wissen
Sportbuzzer Fußball überregional Das müssen Sie zum Halbfinale wissen
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00:24 10.07.2014
Von Heiko Rehberg
Foto: Gemeinsam für Deutschland: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestrainer Joachim Löw und Abwehrchef Mats Hummels.
Gemeinsam für Deutschland: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestrainer Joachim Löw und Abwehrchef Mats Hummels. Quelle: dpa
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Santo André/Peking

Wie sich so ein Halbfinale gegen den Gastgeber bei einer Fußball-WM anfühlt? „Es ist etwas sehr Spezielles und Großartiges“, sagte Joachim Löw vor dem heutigen Duell mit Brasilien in Belo Horizonte (22 Uhr, live im ZDF). Es ist sein viertes Halbfinale als Bundestrainer bei einem großen Turnier, das zweite Mal bei einer Weltmeisterschaft. Aber die besondere Konstellation, dem Gastgeber im Weg zu stehen, macht es heute für ihn und die gesamte Mannschaft zu einem außergewöhnlichen, mit nichts vorher zu vergleichenden Spiel. „Die Vorfreude ist wahnsinnig groß“, sagte Löw. „Wir wollen unbedingt noch mal im Marcanã-Stadion in Rio spielen. Wir sind noch nicht fertig.“

Live-Ticker

Das Halbfinale Brasilien gegen Deutschland heute Abend im Live-Ticker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet ein schwieriges Spiel der deutschen Mannschaft im Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft gegen Brasilien. "Das wird nicht ganz einfach", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag vor Studierenden in der Pekinger Tsinghua-Universität. Die meisten Zuschauer im Stadion in Brasilien würden vermutlich nicht die deutsche Mannschaft anfeuern. "Der Applaus wird nicht so groß sein heute", sagte sie. "Man muss da sehr gute Nerven haben."

Worauf es ankommt und alles, was Sie rund ums große Spiel wissen müssen, lesen Sie in unserem Frage- und Antwortspielchen zum Halbfinale.

  • Die Brasilianer müssen auf ihren Superstar Neymar verzichten. Ist das ein Vorteil für die deutsche Mannschaft?
    Der Bundestrainer hat zu der Frage, über die alle diskutieren, eine klare Meinung: „Gegen Brasilien ohne Neymar ist es schwieriger als mit Neymar“, sagte Löw. Die Auffassung wird auch von den deutschen Profis geteilt: „Die anderen Spieler werden für ihn den Titel holen wollen“, sagte Bastian Schweinsteiger, „das wird Kräfte freisetzen.“ Löw-Assistent Hansi Flick ist überzeugt, dass „die brasilianischen Fans noch enger hinter der Mannschaft stehen werden“. Reduziert man das emotionale Thema auf die Fakten, dann lässt sich festhalten: Neymar hat in 54 Länderspielen für Brasilien 34 Tore geschossen und 24 vorbereitet. Er war bei der WM der Mann für das Besondere. Beim 2:1-Viertelfinalsieg gegen Kolumbien aber erzielten die Innenverteidiger Thiago Silva (er fehlt heute gesperrt) und David Luiz die Tore nach beziehungsweise durch Standardsituationen.
  • Alle im deutschen Team haben auf die harte Spielweise der Brasilianer hingewiesen. Was bezwecken Trainer und Spieler damit – und stimmt das überhaupt?
    „Die Brasilianer haben außergewöhnliche Spieler, aber sie agieren an der Grenze des Erlaubten“, sagte Flick. „Von der brasilianischen Spielweise vergangener Tage ist wenig übriggeblieben, sie versuchen, möglichst jeden Angriff zu unterbinden“, sagte Löw. Mit den Aussagen soll der Schiedsrichter im Vorfeld sensibilisiert werden, denn die Deutschen rechnen mit einer harten Gangart der Gastgeber – zu Recht. 96 Fouls hat die „Seleção“ bislang insgesamt bei der WM begangen. Die Niederländer spielten ähnlich ruppig (91 Fouls), die beiden anderen Halbfinalisten Deutschland (57) und Argentinien (54) bevorzugten eine andere Spielweise. Der Fairness halber sei erwähnt: Die Brasilianer wurden auch 95-mal gefoult – mehr als alle anderen Mannschaften.

Unser Sportchef Heiko Rehberg berichtet für Sie aus Brasilien

  • Welche Rolle spielt der Schiedsrichter, und wer muss die schwierige Aufgabe lösen?
    Der Weltverband FIFA hat etwas überraschend den Mexikaner Marco Rodriguez für das Halbfinale in Belo Horizonte nominiert. Das ist der Referee, der in der Vorrunde die „Beißattacke“ des Uruguayers Luis Suárez gegen den Italiener Giorgio Chiellini übersehen hat. „Es wird wichtig sein, dass wir wegen der Zweikämpfe und der Atmosphäre einen guten Schiedsrichter haben“, sagte Deutschlands Torwart Manuel Neuer.
  • Bundestrainer Löw hat im Viertelfinale gegen Frankreich mit einem Systemwechsel und überraschenden Personalien wie der Verbannung von Per Mertesacker auf die Ersatzbank verblüfft. Was ist gegen Brasilien zu erwarten?
    Der Bundestrainer erlaubte sich gestern seinen üblichen Spaß, genau so viel anzudeuten, dass beides möglich ist: eine gegenüber dem Viertelfinale unveränderte Mannschaft – oder ein, zwei Wechsel. „Variabilität und Flexibilität haben uns ins Viertelfinale gebracht. Und alle können sicher sein: Wir haben noch weitere Varianten“, sagte Löw. Als sicher gilt: Die Viererabwehrkette mit Philipp Lahm, Jérôme Boateng, Mats Hummels und Benedikt Höwedes wird er nicht verändern – Mertesacker wäre der Joker für die Schlussphase und den Fall, dass es einen knappen Vorsprung zu verteidigen gibt. Am defensiven Mittelfeldduo Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira wird Löw aufgrund ihrer Erfahrung ebenfalls festhalten. Am ehesten wird ein Tausch von André Schürrle für Miroslav Klose in der Startelf erwartet.

Bundestrainer Joachim Löw zum Schiedsrichter

  • Welche Rolle werden Ecken und Freistöße spielen?
    Standardsituationen, von Löw lange Zeit in ihrer Bedeutung unterschätzt, sind die neue deutsche Stärke. „Im Training wird mehr Wert auf Standards gelegt. Das hat sich schon ausgezahlt“, sagte Standardexperte Toni Kroos. Löw hat das lange ignoriert, auch wenn der Anteil von Toren nach einem sogenannten ruhenden Ball bei den letzten drei großen Turnieren beständig bei rund einem Drittel lag. „Standards haben Gewicht“, musste nun auch Löw zugeben. Immerhin fünf der zehn deutschen WM-Treffer fielen nach oder durch Standardsituationen.
  • Und was sagt die deutsch-brasilianische Bilanz?
    Von 21 Duellen gewannen die Brasilianer zwölf Spiele, die deutschen vier, fünfmal gab es ein Remis. Immerhin: Das bisher letzte Spiel am 10. Oktober 2011 gewann Deutschland mit 3:2. Sollte es zu einem Elfmeterschießen kommen, spricht alles für „Jogis Jungs“: Viermal musste eine deutsche Mannschaft bei Weltmeisterschaften in ein Elfmeterschießen, viermal gewann sie. Und das wären vermutlich die fünf Elfmeterschützen, falls sie dann heute noch auf dem Platz sein sollten: Lahm, Thomas Müller, Mesut Özil, Bastian Schweinsteiger, Schürrle.
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