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Fußball überregional Bremer Arnautovic wird vom Sorgenkind zum Glücksfall
Sportbuzzer Fußball überregional Bremer Arnautovic wird vom Sorgenkind zum Glücksfall
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18:57 14.09.2010
Grund zur Freude: Marko Arnautovic hat in den beiden vergangenen Bundesligapartien bewiesen, dass er eine Verstärkung für die Bremer ist.
Grund zur Freude: Marko Arnautovic hat in den beiden vergangenen Bundesligapartien bewiesen, dass er eine Verstärkung für die Bremer ist. Quelle: dpa
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Es gibt über Marko Arnautovic diese schöne Geschichte mit dem Auto. Von seinem damaligen Clubkollegen Samuel Eto’o hatte sich der österreichische Jungprofi bei seinem Gastspiel bei Inter Mailand einen sündhaft teuren Bentley geliehen, und vor einem nicht ganz billigen Restaurant war die Luxuskarosse dann gestohlen worden. Das passte zum Image des etwas größenwahnsinnigen Lebemanns, das dem österreichischen Fußballer anhaftete, der nun beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen sein Geld verdient.

Wer mit Arnautovic persönlich spricht, würde ihn nicht notwendigerweise als äußerst selbstbewusst beschreiben. Leise spricht er, vorsichtig, mit deutlichem Dialekt. Erst auf dem Platz zeigt der 21 Jahre alte Fußballer ein Auftreten, das auf Arroganz schließen lässt. Auf dem Rasen hat der Österreicher mit serbischen Wurzeln inzwischen aber auch schon bewiesen, warum er mit so großen Vorschuss-Lorbeeren empfangen worden ist. Mit zwei Toren und einer Vorlage glänzte er gegen Köln, mit tollen Dribblings gegen Bayern München.

„Es macht Spaß, wenn ich ihn beim Spielen sehe“, lobte Werders Clubchef Klaus Allofs. „Er ist auf dem richtigen Weg und hat in den letzten Wochen viel gelernt.“ Und Trainer Thomas Schaaf sagte: „Für uns standen seine Fähigkeiten nie infrage. Es war doch klar, dass wir einem jungen Menschen die Zeit geben mussten, sich zurechtzufinden.“ Schaaf sagte freilich auch, dass Arnautovic an seinem Image „nicht ganz schuldlos gewesen“ sei.

Als Jahrhundert-Talent galt er in seiner österreichischen Heimat früh. Allerdings auch als schwierig und undiszipliniert. Und er schien sich lange alle Mühe zu geben, seinem Ruf gerecht zu werden. Werder-Kapitän Torsten Frings riet Arnautovic frühzeitig, weniger arrogant aufzutreten. Schaaf verdonnerte ihn im Trainingslager nach einigen Undiszipliniertheiten zu Strafrunden auf dem Nebenplatz.

Noch vor dem ersten Punktspiel erhielt der vergangene Saison an Inter Mailand ausgeliehene Spieler das plakative Etikett „Null-Bock-Ösi“. Arnautovic, der von Twente Enschede nach Bremen geholte wurde, kostete Werder mit einer Ablöse von rund 6,5 Millionen Euro viel Geld und anfangs auch sehr viele Nerven.

Schaaf scheint nun jedoch recht zu behalten mit seiner Ankündigung vor Saisonbeginn: „Wir werden das schon hinbekommen, dass ihn alle liebhaben.“ Immerhin zwei starke Bundesliga-Auftritte sind dem Jungprofi schon gelungen. „Jetzt hat er begriffen, was wir von ihm wollen“, sagte der Trainer.

Arnautovic gibt sich geläutert. „Ich konzentriere mich jetzt nur noch voll auf Fußball und nicht mehr auf die Nebensachen“, versprach er. Die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis scheint also vorhanden zu sein. „Ich bin jung und habe manchmal meine Aussetzer. Aber sonst ist alles okay. Wer mich wirklich kennt, der weiß, dass ich ein netter Mensch bin. Ich habe nichts mit Arroganz zu tun.“ Und dienstlich fährt er nun wie seine Kollegen einen Volkswagen.

dpa