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Fußball überregional Bayern gegen Inter: Das Finale der Gegensätze
Sportbuzzer Fußball überregional Bayern gegen Inter: Das Finale der Gegensätze
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11:36 21.05.2010
Schießt er die Bayern zum Tripple? Olic will gegen Inter wieder Tore bejubeln.
Schießt er die Bayern zum Tripple? Olic will gegen Inter wieder Tore bejubeln. Quelle: dpa
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Bayern gegen Inter: Das Finale der Gegensätze: Zwar haben beide in dieser Saison schon das nationale Double gewonnen oder auf dem Weg nach Madrid deutlich stärker eingeschätzte Teams wie Manchester United (Bayern), Titelverteidiger FC Barcelona oder den FC Chelsea (beide Inter) besiegt. Aber in der Struktur oder Philosophie beider Vereine gibt es gravierende Unterschiede.

EIGENER NACHWUCHS gegen TEURE ALTSTARS: Der FC Bayern verfolgt mit Stolz seine neue „Zwei-Säulen-Strategie“: Neben Stars wie Arjen Robben und Franck Ribéry prägen auch Talente aus der eigenen Jugendabteilung das Gesicht des Teams. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger sind seit Jahren feste Größen, in dieser Saison sind Thomas Müller, Holger Badstuber oder Diego Contento nachgerückt. Die meisten Inter-Spieler dagegen sind: teuer, erfahren und aus Südamerika. Allein die brasilianisch-argentinische Abwehrkette mit Maicon, Lucio, Samuel und Zanetti hat ein Durchschnittsalter von 32 Jahren, der Club macht seinem Namen „FC Internazionale“ alle Ehre. Die vier einzigen Italiener (Balotelli, Santon, Materazzi, Toldo) sitzen meist nur auf der Bank - und so gehören gleich sieben Bayern- Stars zum deutschen WM-Kader aber kein „Interisti“ zum italienischen.

OFFENSIVGEIST gegen ABWEHRBETON: Louis van Gaal sagt in der ihm eigenen selbstbewussten Art: „Ich denke: Ganz Europa hält für Bayern am Samstag.“ Er hat seiner Mannschaft einen nicht nur erfolgreichen sondern auch hübsch anzuschauenden Fußball vermittelt. Der FC Bayern will zu jeder Zeit dominieren, attackieren und aufs Tempo drücken. Inter wirkt wie ein Gegenentwurf dazu. Trainer José Mourinho passt seine Taktik schon mal dem Gegner an, denn Gewinnen geht ihm über alles. Der italienische Meister kann sich am eigenen Strafraum verbarrikadieren wie beim 0:1 in Barcelona oder mutig dagegenhalten wie beim lehrbuchreifen 1:0 in Chelsea. In jedem Fall ist Inter eine perfekt organisierte Kampfmaschine, die das Spiel des Gegners vermutlich besser zerstören kann als jedes andere Team der Welt.

WIRTSCHAFTLICHES VORBILD gegen EIN-MANN-SHOW: Gäbe es einen Champions- League-Titel für solides Wirtschaften, dann hätte ihn der FC Bayern schon längst gewonnen. Unter Europas Top-Vereinen gilt der deutsche Rekordmeister als der gesündeste. Das Forschungs-Unternehmen „Sport + Markt“ hat errechnet, dass er in der Saison 2008/09 allein 160 Millionen Euro an Sponsoring- und Marketinggeldern eingenommen hat. Da das Geld bei ihnen immer vorbildlich aus vielen verschiedenen Quellen sprudelt, machen die Münchner Jahr für Jahr Gewinn.

Bei Inter gibt es die „Zwei-Säulen-Strategie“ nur in Finanzfragen. Der Club lebt von horrenden TV-Einnahmen (rund 115 Millionen pro Jahr) und der Spendierlaune seines Präsidenten Massimo Moratti. Rund 850 Millionen Euro hat er seit 1995 in neue Spieler investiert, der Gewinn der Champions League ist sein großer, bislang unerfüllter Traum. Inter hat Moratti viel zu verdanken. Aber der Verein lebt auch in dem Risiko, dass der Öl-Tycoon einmal ähnlich die Leidenschaft an seinem Hobby verliert wie Silvio Berlusconi beim Nachbarn AC Milan.

Bayern kämpft auch für 4. Champions-League-Platz

Triple-Traum und nationaler Großauftrag: Das Champions-League-Finale von Madrid ist auch ein Finale für die gesamte Bundesliga. Erreichen die Bayern am Samstag gegen Inter Mailand mindestens das Elfmeterschießen, ist in der Saison 2011/2012 der vierte Startplatz in der Königsklasse sicher. „Wir werden im Bernabeu-Stadion alles geben, für uns, den FC Bayern und letztendlich auch für Deutschland“, versprachen die Mannschaft und Trainer Louis van Gaal in einem offenen Brief. „Mit einem Sieg über Inter Mailand erkämpfen wir uns den 4. Champions-League-Platz für die Bundesliga zurück.“

Sowohl für Bayern als auch für Inter steht Historisches auf dem Spiel: Das Duell von Madrid ist für beide nicht nur ein Kampf um das erste Triple der Vereinsgeschichte sondern auch ein nationales Anliegen. Verlieren die Münchner, wird ausgerechnet Italien in der übernächsten Spielzeit drei Direktstarter und einen Qualifikanten in die Königsklasse schicken.

Hintergrund ist die sogenannte UEFA-Fünfjahreswertung. Nur die ersten Drei auf diesem Ranking dürfen vier Starter für den bedeutendsten europäischen Club-Wettbewerb stellen. England und Spanien führen die Liste an. Italien und Deutschland liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den so wichtigen dritten Platz.

Aktuell liegt die Bundesliga hauchdünn vorne. Das deutsche Oberhaus besetzt mit 64,207 Punkten Rang drei vor der italienischen Seria A, die 0,155 Zähler zurückliegt. Italien hat jedoch noch die Möglichkeit, wieder vorbeizuziehen. Dazu muss Inter Mailand am Samstagabend innerhalb von 120 Minuten gewinnen.

Dabei wäre der große Showdown in Madrid sogar verzichtbar gewesen: Mit dem Einzug des Hamburger SV in das Finale der Europa League hätten die Hanseaten den vierten Startplatz vorzeitig gesichert. Doch nachdem der HSV seine Chance verpasst hat, müssen es jetzt die Bayern richten.

Selten war ein Spiel des Rekordmeisters so wichtig für die Bundesliga. „Die Bayern gewinnen, weil die Mannschaft stark ist“, glaubt DFB-Chef Theo Zwanziger, der die Münchner vor dem Duell der Entscheidung in den höchsten Tönen lobt. „Die Bayern haben in dieser Saison für das Renommee ihres Clubs, aber auch für den deutschen Fußball unglaublich viel getan und investiert“, sagte der Verbandschef in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. „Ich bin stolz auf die Bayern.“

Zuletzt war die Bundesliga in der Spielzeit 2001/2002 durch Titelverteidiger Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und den FC Schalke 04 mit vier Mannschaften in der Champions League vertreten. Ein Jahr davor hatten sich Bayern München und Bayer Leverkusen als Liga-Erster und -Zweiter direkt qualifiziert, auch der Hamburger SV schaffte den Sprung in die Gruppenphase. 1860 München scheiterte in der Qualifikation und startete im UEFA-Cup.

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