Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Aktuelles Normandie: Die schönsten Muscheln der Welt
Reisereporter Aktuelles

Normandie: Die schönsten Muscheln der Welt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:10 09.12.2021
Grandcamp-Maisy: Austernsäcke werden auf den Anhänger eines Traktors geladen.
Grandcamp-Maisy: Austernsäcke werden auf den Anhänger eines Traktors geladen. Quelle: Sabine Glaubitz/dpa-tmn
Anzeige
Port-en-Bessin

Zu Hunderten türmen sie sich auf, in Form und Farbe alle ähnlich. Und auch in ihrer Größe von mindestens elf Zentimetern. In Port-en-Bessin-Huppain liegen die Jakobsmuscheln in der Fischauktionshalle ab Oktober auf jedem Verkaufstisch aus.

Der pittoreske Ort an der Ärmelkanal-Küste ist einer der wichtigsten Häfen für den Fang der Großen Pilgermuschel (Pecten maximus).

Die Halle liegt am Ende des Hafens und ist nur Berufsfischern und Händlern zugänglich, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Zu diesen gehört Le Gout du Large ("Der Geschmack des Meeres"), das Jakobsmuschelfest, das in Port-en-Bessin seit 2004 alljährlich stattfindet. Gewöhnlich Anfang November.

Einen legitimeren Ort als Port-en-Bessin könne es für das Fest nicht geben, sagt Jérôme Vicquelin. Er ist Fischer wie seine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Und stolz darauf. Fischen sei kein Beruf, sondern eine Leidenschaft. Der Fischfang ist zugleich der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt.

Als beste Fanggebiete der Großen Pilgermuschel gelten neben Frankreich auch Irland und Schottland. Gut zwei Drittel der französischen Weichtiere werden an der Küste der Normandie gefischt.

Der Schatz am Meeresboden

Die Jakobsmuschel wird mit einer Dredge gefischt, einer Art großer Rechen. Mit seinen Metallzähnen fegt er den Meeresboden durch und nimmt die Muscheln auf, die dann von dem dahinter befestigten Netz gefangen werden. Seit Jahren schon wird der Fang streng kontrolliert.

Die Jakobsmuscheln der Seine-Bucht gelten als die schönsten der Normandie. Für Dimitri Rogoff, Präsident des regionalen Fischereiausschusses, sind sie sogar die schönsten der Welt. Und für viele Gourmet-Reisende sind sie die allerbesten - ob gebraten, gedünstet oder flambiert. Wegen ihres feinen, nussigen, koralligen und leicht süßlichen Geschmacks werden sie sehr geschätzt.

Besuch bei den Austernbänken

Etwa 23 Kilometer weiter auf der D514 liegt Grandcamp-Maisy. Von hier aus fahren regelmäßig Touristenboote zur Landspitze Pointe du Hoc an der Steilküste der Normandie in der Nähe von Omaha Beach und Utah Beach, wo im Zweiten Weltkrieg die Westalliierten anlandeten.

Nur einen Kilometer vom Hafen entfernt liegen Austernbänke, soweit das Auge reicht. Auf 170 Hektar werden hier Isigny-Austern gezüchtet.

Auf etwa 50 Zentimeter hohen Eisentischen wachsen die Austern in grobmaschigen Säcken. Diese Methode heißt Tischkultivierung. Sie sei nur an flachen Küsten mit einer ausreichend breiten Gezeitenzone möglich, erklärt Rotrou. Bei Flut seien die Austern im Wasser, bei Ebbe im Trockenen. Die am normannischen Küstenstrich vorherrschenden Tiden sind die stärksten in ganz Europa.

Traktoren fahren durch die langen Eisentischreihen hindurch. Männer drehen die Säcke um. "Die müssen regelmäßig gewendet und gerüttelt werden, damit sie nicht zusammenwachsen", erklärt Rotrou. Und umgelagert werden. "Denn wenn die Austern größer werden, kommen sie in großmaschigere Netztaschen." Eine arbeitsaufwendige Methode, die die Austern teuer machen. Aber auch besonders schmackhaft.

In rund drei Jahren wachsen sie zu vollfleischigen Schlürfaustern heran - mit diesem weichen, nussigen Aroma, das Einheimische wie auswärtige Besucher so schätzen.

© dpa-infocom, dpa:211208-99-304312/5

dpa