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Aktuelles Bei Dalí am Pool, bei Gaudí am Bett: Spaniens Künstlerhäuser
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Bei Dalí am Pool, bei Gaudí am Bett: Spaniens Künstlerhäuser

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07:54 14.01.2021
Die Werke sind unverkennbar - eines von zwei Ateliers von Joan Miró in Palma de Mallorca. Quelle: Andreas Drouve/dpa-tmn
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Port Lligat

Wegen der Corona-Pandemie sind Reisen nach Spanien zurzeit nicht möglich. Doch so mancher plant vielleicht dennoch seinen nächsten Besuch im Land der Sonne. Es gibt gute Gründe, warum auch die Häuser von Gaudí, Dalí und Miró auf dem Programm stehen sollten.

Da blickt man aufs Bett von Gaudí, steht bei Dalí am Pool, zählt die getrockneten Pinsel in den Ateliers von Miró: In Spanien laden Geburts- und einstige Wohnhäuser bekannter Maler, Dichter und Architekten zur Spurensuche ein.

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Hier öffnen sich für Besucher die Tore ins Allerheiligste und zum besseren Verständnis von Leben und Werk, hier bewahren Räume wertvolle Stücke. Eine Reise zu sieben Persönlichkeiten und ihren Adressen.

Salvador Dalí: "Grausam zergliederte Heiterkeit"

Ein Eisbär im Entree, ein phallusförmiger Pool mit Uralt-Telefonzelle daneben - klar, dass der surrealistische Bürgerschreck Salvador Dalí (1904-1989) die Extravaganz auch in seinem Wohn- und Arbeitsreich in Port Lligat kultivierte. In dem Fischerdorf an der Costa Brava kauften er und seine Muse Gala einfache Schuppen und setzten sie zu einem einzigartigen Ensemble zusammen.

Die raue Küste vor der Haustür inspirierte und fesselte ihn, wie er in seiner Autobiografie skizzierte: "Der Morgen ist von wilder, bitterer, die Morphologie grausam zergliedernder Heiterkeit, der Abend wird oft krankhaft melancholisch."

Port Lligat ist ein Spiegel der Seele Dalís. "Er baute zeitlebens an dem Haus, Gala dekorierte es", erklärt der Museumsführer die Arbeitsteilung zwischen der dominanten, deutlich älteren Muse und dem, den sie einmal treffend "mein kleiner Junge" rief. Das Interieur ist verwinkelt und erlaubt Einblicke ins Atelier, die Salons, das Bad, das Schlafzimmer und den Garten.

Joan Miró: Stillleben im Süden Mallorcas

Es erscheint, als wäre Joan Miró (1893-1983) eben rausgegangen und käme gleich zurück in sein Atelier. Überall stehen Bilder herum, eine Hose mit Farbspritzern hängt auf einem Korbstuhl, Pinsel stecken in unterschiedlichsten Farbtöpfen. Das Chaos ist ein Stillleben, nachempfunden am ursprünglichen Platz. Hier, am Südwestrand von Mallorcas Inselhauptstadt Palma, schuf Miró ab den 1950er Jahren in zwei Werkstätten ein Drittel seines Gesamtwerks.

In der Stille blühten seine Ideen. Originalbilder finden sich ein paar Schritte weiter im Museum. Trat der Maler vor das Haus, inhalierte er Kiefernduft und schaute aufs seinerzeit unverbaute Mittelmeer. "Ich wünsche, dass alles nach mir so bleibt", ist von Miró überliefert. Sein Wunsch hat sich erfüllt.

Antoni Gaudí: Barcelonas berühmter Park Güell

Der Park Güell in Barcelona wird gerne als Wunderwerk des katalanischen Jugendstils Modernisme gerühmt, dabei war er eigentlich ein Desaster. Das von Architekt Antoni Gaudí (1852-1926) und dem Unternehmer Eusebi Güell ersonnene Projekt nach dem Vorbild einer englischen Gartenstadt sah den Bau von fünf Dutzend Häusern vor - doch die Interessenten blieben aus, errichtet wurden nur zwei. Eines bezog Gaudí 1906 selber und bewohnte es fast zwei Jahrzehnte lang.

Von außen könnte man das Palais mit seinem Spitzturm für ein Gotteshaus halten, drinnen bewahrt es das Vermächtnis des Meisters mit selbst entworfenen Möbelstücken. Gaudí, der Schöpfergeist der Sühnekirche Sagrada Família, war sehr gläubig. Gegenüber von seinem Bett hängt ein großes Kreuz an der Wand.

Pablo Picasso: Unterwiesen vom Vater

Das Geburtshaus von Pablo Picasso (1881-1973) an der Plaza de la Merced in Málaga ist ein Beispiel dafür, wie Zeit und Veränderungen die historischen Spuren verwischen können. Die Exponate in den museal gestalteten Räumen führen nicht so sehr an das Jahrhundertgenie heran, sondern mehr an die gesamte Familie, die 1891 von hier wegzog. Fotorepros zeigen den jungen Pablo mit einem wachen, aber ebenso selbstversunkenen Blick. Papa José, Maler und Kunstlehrer, gab dem Sohn das Know-how mit auf den Lebensweg.

Rosalía de Castro: Eine Rose auf dem Bett

Sie war eine Frau, die Spaniens Gesellschaft alter Machos in Frage stellte: Die aus Galicien stammende Rosalía de Castro (1837-1885) trat als Lyrikerin hervor ("An den Ufern des Sar") und verschaffte der Sprache und Kultur ihrer Heimat neues Ansehen. Castros Wohn- und Sterbehaus findet sich in Padrón. Auf ihrem Bett liegt stets eine Rose, im Garten wachsen Kamelien.

Lope de Vega: Chronische Unruhe im Haus

Dieser Mann war in jederlei Hinsicht produktiv. Félix Lope de Vega y Carpio (1562-1635) verfasste 1500 Theaterstücke und zeugte mit Ehefrauen und Geliebten über ein Dutzend Kinder. Nach dem Tod seiner zweiten Gemahlin empfing er die Priesterweihe. In Spaniens goldenem Zeitalter, als das Land eine Weltmacht war, genoss er als Dramatiker und Lyriker eine Ausnahmestellung.

Die Spurensuche führt nach Madrid in sein von außen unauffälliges Haus in der Cervantes-Straße 11, das er von 1610 bis zu seinem Tod bewohnte. Führungen gehen ins Oratorium, sein Studio, die Küche, das Sterbezimmer und den Speise- und Mädchenschlafraum. Im zweiten Stock waren Dienstpersonal und weitere Kinder untergebracht.

Die Wiederherstellung des Hauses hat die historische Aura exzellent getroffen. Einzig der Zugang ins Gartenviereck befremdet – denn dieses wird mittlerweile von modernen Wohnblocks umlagert.

Federico García Lorca: Meister der Tragödie

Er war Andalusier mit Leib und Seele, ein Dichter und Dramatiker mit feinstem Gespür, Tragödien wie "Bernarda Albas Haus" stehen bis heute auf Theaterspielplänen: Federico García Lorca (1898-1936). Seine Homosexualität und Gesellschaftskritik brachten ihm Feindschaften ein, die ein tragisches Ende fanden - zu Beginn des Spanischen Bürgerkrieges wurde er bei Granada ermordet.

Erste Station ist sein Geburtshaus in Fuente Vaqueros, nordwestlich von Granada gelegen. Das Interieur ist schlicht, aber prägnant: So lebte man damals auf dem Land. Ebenso typisch für die Epoche ist die Huerta de San Vicente, der Sommersitz der Familie in Granada. Dort fand Lorca Zeit zur Arbeit an Werken wie "Bluthochzeit", aber auch für Klavierspiel und Malerei. Ein Porträt an der Wand zeigt ihn, nicht ganz ausgeschlafen, in einem gelben Bademantel. Im Obergeschoss stehen Bett und Schreibtisch in seinem Zimmer.

© dpa-infocom, dpa:210113-99-09745/6

dpa