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Wissen Zu mir oder zu dir: Wie wir durch Dating-Apps das Flirten verlernen
Nachrichten Wissen Zu mir oder zu dir: Wie wir durch Dating-Apps das Flirten verlernen
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12:21 12.09.2019
Wer glaubt, beim Online-Dating einfacher die große Liebe zu finden, als im wahren Leben, kann schnell enttäuscht werden. Denn gerade online stehen oft Äußerlichkeiten im Vordergrund.
Hannover

Horst Wenzel ist Flirtcoach und Gründer der Flirtuniversity. Das Unternehmen gibt deutschlandweit Seminare, um Menschen bei der Suche nach einem Partner zu helfen und bietet dabei viele Hilfestellungen, um das eigene Flirtgeschick zu verbessern. Menschen kommen also zu Wenzel, um flirten zu lernen. Dazu braucht es ein stabiles Selbstbewusstsein, dieses wird aber oft durch Dating-Apps zerstört - denn nur allzu oft stehen dort vor allem Äußerlichkeiten im Vordergrund.

Herr Wenzel, warum nutzen so viele Menschen Dating-Apps?

Gerade in Großstädten beflügelt das scheinbare Überangebot von attraktiven Singles im Netz diesen Trend. Wir suchen immer weiter - die Suche endet für viele oft auch dann nicht, wenn sie schon in einer eigentlich erfüllenden Beziehung sind. Dating-Apps gaukeln uns vor, dass wir durch Matches den Traumpartner schon in der Tasche haben. Das ist aber nicht der Fall, denn in der Realität hat man sich ja noch nicht gesehen. Viele Singles sagen mir außerdem, dass Online-Dating angenehmer ist – man riskiert halt nicht so viel. Ich würde sagen, dass ist nicht angenehmer, das ist feige. Bei Tinder oder Parship kriegt man es immerhin nicht mit, wenn man einen Korb bekommt. Man bekommt nur das Positive aufgezeigt, bei Tinder etwa sieht man nur den kleinen Prozentsatz derjenigen, die nach rechts gewischt haben.

Horst Wenzel (30) ist Gründer der Flirtuniversity. Er bietet deutschlandweit Seminare und Kurse an, die helfen sollen, das eigene Flirtgeschick zu verbessern.

Was ist also das Problem an Dating-Apps oder Online-Dating?

Es gibt eine riesige Diskrepanz zwischen dem, wie sich viele Singles online darstellen und wie sie im echten Leben sind. Ein großes Problem beim Online-Dating ist außerdem, dass unsere Kommunikation durch das Chatten verkümmert. Man kann nun mal nicht alle Gefühle, die man für jemanden hat, durch ein Emoticon ausdrücken - was aber tagtäglich versucht wird.

Wir haben online schlicht nicht die Situation, wie beim echten Flirten. Da muss man sich schon etwas trauen und aus der eigenen Wohlfühlzone rauskommen. Das Risiko scheint kleiner, wenn man sich keinen Schritt auf den anderen zubewegen oder auch mal etwas riskieren muss. Die Singlebörsen gaukeln uns vor, dass wir dieses Risiko minimieren. Das ist aber nicht der Fall, denn das reale Treffen findet natürlich meist trotzdem noch statt.

Aus sich rauszukommen kann schwer sein, aber: Oft steht nur der eigene Kopf im Weg.

Kann Online-Dating nicht trotzdem gerade für schüchterne Menschen ein Gewinn sein?

Viele Menschen, die vielleicht nicht unbedingt den Schönheitsidealen entsprechen, haben es gerade beim Online-Dating schwerer: Bei einer Begegnung im realen Leben kann ich durch Charisma, geschickte Rhetorik, gutes Zuhören oder einfach nur durch ein gewinnbringendes Lächeln einiges rausholen. Das geht beim Online-Dating verloren.

Im Chat wird viel abgekürzt und durch Emoticons verkümmert ebenso unsere emotionale innere Haltung: Die Gefühle werden praktisch entkoppelt. Denken Sie nur an die Situationen, in denen man zum Beispiel einen Smiley sendet, der Tränen lacht – während wir vor dem Handy sitzen und keine Miene verziehen.

Denken Sie nur an die Situationen, in denen man zum Beispiel einen Smiley sendet, der Tränen lacht – während wir vor dem Handy sitzen und keine Miene verziehen.

Was sollte man beim Flirten im realen Leben beachten?

Das Ziel sollte sein, eine kommunikative und attraktive Persönlichkeit zu entwickeln. Seien Sie auf einer Party kommunikativ, offen und selbstbewusst. Versuchen Sie nicht nur am Spaß der anderen teilzuhaben, sondern anderen gute Laune zu bereiten.

Ein Schritt könnte zum Beispiel sein, einmal die eigene Gruppe zu verlassen oder auch einfach mal alleine feiern zu gehen. Wem es spielend leicht gelingt, bei neuen Gruppen direkt Anschluss zu finden, dem stehen im Leben auch fernab der Partnersuche alle Türen offen. Denn beim Flirten ist es wichtig, Emotionen in den Vordergrund zu stellen. Ein guter Flirt ist kein Austausch von Informationen. Viele verstehen das falsch und rattern einen Fragenkatalog runter: "Wer bist du, was machst du, wo wohnst du?" Die Informationen werden aber dann nicht weiterverwendet oder zum Beispiel mit einer witzigen Geschichte verknüpft. Also gilt auch hier: Sei mutig, sozial und kreativ!

Sollte man also besser ganz auf Dating-Apps und Online-Dating verzichten?

Es gibt sicherlich Beziehungen, die auch durch Online-Dating entstanden sind, aber niemand sollte sich bei der Partnersuche auf die Liebe aus dem Netz verlassen. Ein Mix aus beidem könnte eher zum Ziel führen.

Wie könnte so ein Mix in der Praxis aussehen?

Versuchen Sie soziale Aktivitäten in Ihr Leben zu integrieren, etwa Sport oder andere Veranstaltungen, wo Sie Menschen kennenlernen können. Die Fähigkeit, erfolgreich auf andere Menschen zuzugehen, muss man sich natürlich erarbeiten. Trauen Sie sich etwas zu kommentieren oder eine witzige Geschichte zu erzählen.

Seien Sie direkt zu Beginn ehrlich, was Ihre Intentionen angeht.

Seien Sie auch direkt zu Beginn ehrlich, was ihre Intention angeht. Ein „Du bist mir aufgefallen“ kommt meistens viel besser an, als eine seltsame erfundene Geschichte, bei der man angeblich nach dem Weg fragen will. Aus sich rauszukommen kann schwer sein, aber: Oft steht nur der eigene Kopf im Weg.

Der Blog der Flirtuniversity behandelt Alltagsthemen und gibt Tipps und Hilfestellungen beim Flirten.

Von Heidi Becker/RND

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