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Wissen Wer hat sich eigentlich den Quatsch mit den Freundebüchern ausgedacht?
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12:19 30.09.2019
Bei Kita-Kindern sehr beliebt, für viele Mütter eine lästige Pflicht: Freundebücher ausfüllen. Quelle: Angelov - stock.adobe.com
Hannover

Soll ich wirklich als Berufswunsch „Dienerin“ angeben, wie meine kleine Tochter es sich gerade wünscht? Soll ich tatsächlich als Lieblingstier die „Kellerassel“ in das Freundebuch schreiben, wie sie es mir gerade mit dem Keks im Mund über den Tisch diktiert?

Dass ich als Mutter würde Windeln wechseln müssen – okay, das hatte ich erwartet. Dass ich aber nachmittagelang Freundebücher für die Kitakumpels meiner drei Kinder ausfüllen würde? Nein, das hatte ich wirklich nicht auf dem Schirm. Warum warnt kein Elternratgeber vor dieser Mammut-Aufgabe, die uns da erwartet?

Ehrliche Antworten

Ihr erstes Freundebuch brachte meine Tochter mit nach Hause, da war sie gerade zwei geworden. Frisch eingewöhnt in der Kita, sollte ich mich nun also bereits mit ihren „Freunden“ auseinandersetzen, die ich selbst noch gar nicht kannte. Gehörte das dazu? Klar, wir haben als Kinder auch Poesiealben gefüllt. Aber ich betone: wir! Denn meine Mutter hatte damit bestimmt nichts zu tun. Wir waren früher einfach älter, als das losging, nicht noch im Beikost-Alter. Vermutlich hätte meine kleine Tochter damals gleich in die weichen Ecken reingebissen, wenn ich das Büchlein nicht mit einem Hechtsprung aus ihren mit Spinat verschmierten Fingern gerettet hätte.

Soll ich wirklich als Berufswunsch Dienerin angeben?

Es blieb nicht das letzte Freundebuch in unserer Familie. Regelmäßig lag eines im Kitafach – dort, wo eigentlich Platz ist für Regenjacke oder Ersatzhose: Ui, wir haben Hausaufgaben, sagte ich und meinte es auch so. Am heimischen Küchentisch versuchte ich es mit Fragen an das Kind. Und das Kind antwortete. Daran erkennt man mich: Gesicht. Wenn ich groß bin, werde ich: größer. Das waren die ehrlichen Antworten. Aber sollte ich das so schreiben?

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Berufswunsch? Golf-Europameister!

Ich blätterte im Buch und schaute, wie die anderen Eltern es hielten. Da wünschten sich Kinder Golf-Europameister zu werden, da hatten Mütter ihre hübschesten Glitzerstifte ausgepackt, um über das Lieblingsessen ihrer Kleinsten zu philosophieren. Couscous-Salat stand da bei dem Kind, das gestern an unserem Tisch noch nach der dritten Portion Pommes gefragt hatte. Und das fein colorierte Mandala – das hat doch niemals ein Zweijähriger hinbekommen… War das hier ein Spiel? Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die talentierteste Freundebuch-Schreib-Mama im ganzen Land?

War das hier ein Spiel? Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die talentierteste Freundebuch-Schreib-Mama im ganzen Land?

Wie das wohl damals in den Verlagen zugegangen sein muss? Als die Freundschaftsbuch-Entwickler da zusammengesessen haben und sich gedacht haben müssen: Mensch, die Muttis von heute, die haben doch eh alle Langeweile und trinken nur Kaffee. Die brauchen mal ein bisschen Beschäftigung.

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Zur Hochzeit kommen sie wieder auf den Tisch

Lebe glücklich, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh. Solche Sprüche kennen wir selbst noch von früher. Aber Kitakinder haben von solchen Sprüchen noch nie gehört – geschweige denn können sie sie aufschreiben. Wir stehen also vor einem Dilemma: Lassen wir sie selbst ihre Strichmännchen mit dem Lieblingskuli (und nur mit dem!) malen, mit dem sie keine Linie treffen? Oder füllen wir Eltern das Buch aus und riskieren, dass irgendwann ein Psychologe das Ding in die Hand bekommt und nicht nur unsere akribische Handschrift analysiert, sondern uns auch noch als überbehütende Helikopter-Eltern verunglimpft, die ihre Kinder nicht mal selbst ein kleines Buntstiftbild malen lassen.

Wir können nicht gewinnen in diesem Reigen. Wir können nur darauf hoffen, dass irgendwer all diese Bücher aufhebt… und sie dann zur Hochzeit unserer Jetzt-noch-Kleinen wieder auspackt. Wenn wir alle zusammen darüber lachen können, welch ambitionierte Kuli-Strichmännchen unsere Kinder damals für ihre Freunde kritzelten. Oder welch pseudo-kreative Sätze wir Eltern uns ausdachten, um die anderen von unserem Kind zu überzeugen, das eigentlich Dienerin werden wollte und Kellerasseln liebte …

Von Lisa Harmann/RND

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