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Wissen Warum Männer nicht zuhören, Frauen schlecht einparken und Kinder immer Reiswaffel essen
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17:33 30.09.2019
Kinder werden heute im Trend weitgehend ohne Fett, Zucker, Gluten, Kohlehydrate, Fructose, Salz und Gewürz ernährt. Was bleibt da noch? Moos und Steine? Quelle: Rawpixel.com - stock.adobe.com

Es gibt keine Alternative zu Essen. Essen muss man. Die Frage ist nur: wie oft und wie lange. Kinder zum Beispiel essen ununterbrochen. Nicht, weil sie ununterbrochen Hunger hätten, sondern weil Eltern ununterbrochen glauben, dass Kinder, denen nicht in jeder Sekunde ihres Lebens eine Dinkelstange aus dem Mund ragt, sofort tot vom Stuhl fallen. Es gibt Mütter, die ihre Kinder nachts wecken, um zu fragen, ob sie Hunger haben. Richtige Antwort: „Nein, aber ich bin müde.“

Sechs Tupperdosen voller Apfelschnitze

Ich befand mich neulich auf einem Konzert. Hinter uns saß eine Familie, die sich offenbar frühzeitig etwas Bonusgewebe für den drohenden Hungerwinter 2019/20 anfuttern wollte. Man aß ununterbrochen Sachen. „Wollt ihr noch?“, fragte die verspannte urbane Mutter mit praktischer Frisur alle 30 Sekunden. Die urbanen Kinder schüttelten den Kopf, bis ihnen angefeuchtete Dinkelkeksbrocken aus den Mundwinkeln flogen. Dann mussten sie noch mehr essen. Spinat-Hirseplätzchen. Haselnüsse. Kohlrabistifte.

Was viele Familien offenbar nicht wissen: Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, die Familien dazu verpflichtet, das Haus niemals ohne sechs Tupperdosen voller Apfelschnitze, acht Tüten Reiswaffeln und zwei Paletten Fruchtschnitten zu verlassen. Trotzdem beladen sich Väter und Mütter für einen Kurzbesuch auf dem Spielplatz, als wollten sie zu Fuß zum Nordpol. Sie werden zu Ernährung-Ultras.

Die Antwort auf die Frage, warum Männer nicht zuhören, Frauen schlecht einparken und Kinder immer Reiswaffel essen müssen: Es sind die Gene. Die Angst um das Überleben des eigenen Kindes ist so tief in Eltern verankert, dass bei der Ernährung noch genau dieselben Regeln gelten wie damals in der Steinzeit, als es dem Jäger nur alle paar Monde mal gelang, irgendein Felltier zu erlegen: "KINDER! HAUT DIE ZÄHNE IN DIE MAMMUTKEULE! ES GIBT ERST WIEDER IM FRÜHLING FUTTER!"

Lecker wie ein alter Filzgleiter

Heute gibt es rund um die Uhr Futter. In Konsistenz und Geschmack freilich gleicht aktuelles Kinderessen to go einem alten Filzgleiter. Statt Dinkelkeks kannst du auch ein gefaltetes Löschblatt vertilgen. Reiswaffel mögen sehr tauglich sein als Dämmmaterial beim Ausbau des Dachbodens. Aber wer jemals eine Reiswaffel trocken heruntergewürgt hat, wird Jahre brauchen, um ein gesundes, vielfältiges Genussempfinden zu entwickeln. Da kannst du auch an einem Bimsstein nagen oder Styroporkugeln direkt aus dem Karton zerkauen. Kinder werden heute im Trend weitgehend ohne Fett, Zucker, Gluten, Kohlehydrate, Fructose, Salz und Gewürz ernährt. Was bleibt da noch? Moos und Steine?

Wer jemals eine Reiswaffel trocken heruntergewürgt hat, wird Jahre brauchen, um ein gesundes, vielfältiges Genussempfinden zu entwickeln. Quelle: Andrii Zastrozhnov - stock.adobe.com

Meine Theorie: Es sind die Mütter selbst, die Hunger haben. Es ist ein Stellvertreterproblem. Wenn Müttern kalt ist, müssen Kinder eine Jacke anziehen. Kaum kräuselt ein zartes Windlein die alten Penny-Markt-Tüten im Sandkasten, geht das Geschrei los: "Victoria-Juliane, zieh' Deine Jacke an." - "Marcel Antonio Jeremias, setz die Mütze auf! Nein, auf den Kopf!" Und Frauen ist schnell kalt. Wahrscheinlich sind sie irgendwie schlechter isoliert, damit sie in der Eiszeit die Nähe des nächstbesten Keulenschwingers suchten und viele kleine Keulenschwinger zeugten. Dem Vierjährigen im Ganzkörperschafwollschlauch kann der Schweiß auf der Stirn stehen, aber wenn Mutti fröstelt muss der kleine Racker in die Daunen. Hilft nix.

Wenn Mütter müde werden, müssen die Kinder ins Bett

Gleiches gilt abends: Wenn Mütter müde werden, müssen die Kinder ins Bett. Wenn Mütter Angst haben, vom Trecker überfahren zu werden, müssen Kinder Blinkis tragen. Und wenn Mütter sich nur von drei Schluck Wasser und sechs grünen Bohnen täglich ernähren, werden die Kinder eben mit Abfüllware vollgestopft. Das alles gilt natürlich auch für Väter. Nicht dass es da gendermäßig Klagen gibt. Im Unterschied zu Müttern freilich gönnen Väter dem Nachwuchs immer mal eine Dinkelpause im örtlichen Fastfood-Fachhandel.

Ein einziges Mal habe ich es erlebt, dass einem Kind freiwillig der Sinn nach Trockennahrung stand. "Mamaaaa", fragte ein kleines Mädchen im Supermarkt, "darf ich eine Reiswaffel?" - "Neee, Jule", sagte die Mama, "wir wollen doch noch zu Burger King." - "Lieber 'ne Reiswaffel!" - "Nee, Burger King" - "Menno!" Dabei wollte Jule die Reiswaffel doch gar nicht essen. Sie wollte sie nur mal in der Hand halten, langsam zerbröseln und die Flocken auf den Boden rieseln lassen. Die Reiswaffel ist in Zeiten des Klimawandels die Notausgabe des Schneeballs. Mal wieder etwas Weißes, Leichtes in der kleinen Faust tragen und sich vorstellen, es wäre echter, weißer, kalter Schnee, geboren in echten, kalten, weißen Winterwolken. Mit einem Cheeseburger ist das Ergebnis nicht ganz dasselbe.

Das Konzert mit der ernährungsintensiven Familie war dann zu Ende. Nach zwei Stunden Musik und Mampfen waren die Tüten leer und die Kinder voll. Sie wankten so schnell sie konnten zum Ausgang. Es war höchste Zeit fürs Abendbrot.

Von Imre Grimm/RND

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