Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wissen Trennung: Eltern sollten Kinder frühzeitig informieren
Nachrichten Wissen Trennung: Eltern sollten Kinder frühzeitig informieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 01.11.2019
Quelle: Getty Images/iStockphoto
Heidelberg

Zu Hause gibt es ständig Streit - Papa ist gereizt und Mama schimpft. Kinder spüren oft schon früh, dass etwas nicht stimmt. "Wenn man sich zu einer Trennung entschlossen hat, ist es sehr wichtig, das den Kindern mitzuteilen", sagt der Psychologe und Buchautor Claus Koch. Den meisten Eltern fällt das schwer. Denn sie wissen, dass sie ihr Kind traurig machen und seine Welt ins Wanken bringen.

Kinder haben Verlustängste

Kinder haben ein Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit, sie brauchen Anerkennung und das Gefühl, aus eigener Kraft etwas bewirken zu können. "Alle diese Bedürfnisse werden von der Trennung berührt", so Koch. Die Kinder fühlen sich ohnmächtig, haben Angst ihre Eltern zu verlieren und fragen sich, wie wichtig sie ihnen noch sind. Wenn Eltern entscheiden, sich zu trennen, wissen sie oft selbst noch nicht, wie es weitergeht. Eine Wohnung muss her, finanzielle Fragen müssen geklärt und die Betreuung geregelt werden. Auch wenn die Details noch offen sind, sollten Eltern ihren Kindern den Entschluss mitteilen - und das am besten gemeinsam.

Mehr zum Thema

Umfrage zum Liebesaus: “Wohin mit dem Kind?" beschäftigt die meisten

Kind aufklären: Erwachsene sind für Trennung verantwortlich

"Es geht nicht darum, schon ein perfektes Ergebnis zu präsentieren, sondern das Kind zu informieren: Hier verändert sich etwas", so der Pädagoge Volker Barth, der in seiner Oldenburger Praxis auch Eltern in Trennungssituationen berät. Am besten sagt man zuerst, was sich nicht ändern wird, also zum Beispiel: Papa und Mama werden weiterhin Zeit mit dir verbringen und immer ansprechbar sein.

Wichtig ist auch, dass die Eltern deutlich machen: Nicht du als Kind, sondern wir Erwachsene sind für die Trennung verantwortlich. Und wir nehmen es gemeinsam in die Hand, die neue Situation zu organisieren. "Damit Eltern das gelingt, ist es entscheidend, dass sie die Elternebene von der Paarebene trennen", sagt Claus Koch. "Sie können als Paar durchaus verkracht sein, aber sich als Eltern gemeinsam weiter um ihre Kinder kümmern."

Gemeinsame Lösung mit Beratung suchen

Genau das ist oft schwierig. Wer sich von seinem Ex-Partner verletzt, verlassen oder hintergangen fühlt, dem fällt es schwer, gemeinsame Lösungen zu suchen. Gespräche mit professionellen Beratern können helfen. Etwa mit einer Familientherapeutin wie Annett Heinrich. Die Sozialpädagogin berät beim Leipziger Verein "fairbund" Eltern, die sich gerade trennen. "Es gibt viele, die sagen: Wir können nur hier reden, woanders geht das noch gar nicht", so Heinrich.

Mehr zum Thema

Trennungskinder: Wie gelingt ein guter Umgang mit dem Ex-Partner?

Streit vor Gericht - schlecht fürs Kind

Solche begleiteten Gespräche fördern auch das Verständnis für den Ex-Partner und können eine Grundlage fürs Elternsein nach der Trennung schaffen. Das kostet Zeit und oft viel Kraft. Auch wenn es keine perfekte Lösung gibt - für die Kinder ist solch ein Weg besser als der Gang vor Gericht. Den sollten Eltern vermeiden, so Koch: "Wenn Eltern vor Gericht um ihre Kinder streiten, hat das für die Kinder die nachteiligsten Folgen. Es gibt viele belastbare Langzeitstudien, die das zeigen."

Gut für das Kind zu sorgen, heißt aber nicht, die eigenen Gefühle herunterzuschlucken. Mal vor den Kindern zu weinen ist nicht schlimm. Am besten erklärt man dann kurz, warum man traurig ist. So können auch schon Drei- oder Vierjährige einordnen, was gerade passiert.

Vor dem Kind: Ex-Partner nicht schlecht machen

Problematisch ist es dagegen, den anderen Elternteil schlecht zu machen. Das empfinden Kinder als Angriff auf einen Teil ihrer selbst - das verletzt sie. Wenn es doch passiert, könnte man sagen: "Ich bin sauer, darum ist mir das jetzt rausgerutscht, und das tut mir leid. Wir sind ja beide deine Eltern und haben dich beide lieb."

Vor allem in der ersten Zeit nach der Trennung sollten Eltern Zeit mit dem Kind verbringen und ihm Sicherheit geben. Rituale, wie gemeinsame Mahlzeiten können helfen. Verlässlichkeit ist jetzt besonders wichtig, etwa das Kind pünktlich vom Kindergarten abzuholen. Wer das nicht schafft, weil gerade alles drunter und drüber geht, kann Freunde oder Verwandte um Hilfe bitten.

Gewöhnung: Nach ein bis zwei Jahren

"Studien gehen davon aus, dass Kinder nach einem Jahr wieder ein Stück Unabhängigkeit von der Situation gewinnen, dass die Eltern sich getrennt haben", so Koch. Mitunter könne das auch bis zu zwei Jahre dauern. Aber dann, das ist die gute Nachricht, entwickeln sich die meisten Kinder vollkommen normal. Die Aussichten dafür sind umso besser, je mehr die Eltern an einem Strang ziehen.

Mehr zum Thema

„Lass’ uns Freunde bleiben“: Zwei Ex-Paare erzählen, wie das gelingen kann

„Die Scheidung war die beste Entscheidung meines Lebens“

Paare ohne Trauschein: Folgen einer Trennung vertraglich regeln

RND/dpa

Masern schwächen das Immunsystem nicht nur während der Krankheit. Auch lange danach kann die Infektion die Empfänglichkeit für bakterielle Superinfektionen erhöhen. Das berichten internationale Forscherteams.

06.11.2019

Investitionen von mehr als 1,8 Billionen Euro sind einer Studie zufolge notwendig, um Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bis 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Kostentreiber seien dabei besonders die Entwicklung und der Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe, so das Forschungszentrum Jülich.

31.10.2019

Die verheerenden Folgen des Klimawandels in den Hochgebirgen der Welt haben Auswirkungen auf Milliarden Menschen. Um die Probleme so früh wie möglich zu erkennen, wollen Forscher eine integrierte Obervations- und Vorhersageplattform bauen.

31.10.2019