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Wissen Pilz für Fledermaussterben in USA verantwortlich
Nachrichten Wissen Pilz für Fledermaussterben in USA verantwortlich
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08:06 06.08.2010
An der Nase fängt es an: Weiße Pilzflechten zerstören die Haut der Fledermaus.
An der Nase fängt es an: Weiße Pilzflechten zerstören die Haut der Fledermaus. Quelle: dpa
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An der Nase fängt es an: Weiße Pilzflechten zerstören die Haut von Fledermäusen in den USA. Eine Fledermausart im Nordosten des Landes könnte bald sogar ganz verschwunden sein. Das sogenannte Weißnasen-Syndrom ist auch in Europa aufgetaucht, dort erkranken die Tiere aber nicht daran. Europäische Forscher wollen nun herausfinden, warum die Altwelt-Fledermäuse geschützt sind.

„Das ist eine der schlimmsten Wildtierkrisen, die wir je in Nordamerika hatten“, sagte Winifred Frick von der Boston University. Der erst vor vier Jahren entdeckte Erreger verbreite sich sehr rasch. Betroffen sei außer den USA auch West- und Südkanada, was starke Auswirkungen auf die jeweiligen Ökosystemen zur Folge haben könnte. Fledermäuse spielen in der Natur eine wichtige Rolle: Sie vertilgen bei ihren Nachtflügen zahlreiche Insekten, bestäuben Blüten und verbreiten die Samen von Pflanzen, deren Früchte sie fressen.

Der kälteliebende Pilz Geomyces destructans befällt den Forschern zufolge Nase, Flügelmembranen und die Ohren der Fledermäuse, während sie im Winterschlaf in ihren Höhlen hängen. Dabei kann der Pilz großflächig die Haut zerstören. Durch die Schädigung werden die Fledermäuse oft wach, verbrauchen dabei zu viel Energie und verhungern bereits vor dem Frühjahr.

In den USA wurde in den vergangenen Wintern beobachtet, dass viele Fledermäuse zu früh aufwachten. Sie verließen ihre Winterquartiere und wurden tot im Schnee gefunden. In einigen Überwinterungshöhlen raffte der Pilz zwischen 80 und 99 Prozent der dortigen Fledermäuse dahin.

Auch in Europa sei der Pilz vorhanden, aber weniger gefährlich, berichteten kürzlich Forscher vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Eine umfangreiche Datenanalyse ergab rückwirkend, dass der Pilz schon seit mindesten 25 Jahren in Deutschland vorkommt. „Bisher scheint der Pilzbefall keinen tödlichen Einfluss auf hiesige Fledermausarten gehabt zu haben“, sagte Projektleiterin Gudrun Wibbelt.

Das Team um Wibbelt analysierte gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland, der Schweiz, Ungarn und Großbritanien Proben von mehr als 350 Fledermaus-Winterquartieren in verschiedenen europäischen Ländern. Ergebnis: Bei nur 21 Tieren wurde der Pilz nachgewiesen. In den USA seien dagegen bereits mehr als eine Million Tiere an dem Pilz gestorben.

Überraschenderweise zeigten untersuchte Genabschnitte eine hundertprozentige Übereinstimmung zwischen den Pilzen in Europa und Nordamerika, ergänzte Wibbelt. „Wir müssen jetzt unbedingt klären, warum der Pilzbefall bei europäischen Fledermäusen bisher nicht zum Tode führt, um Anhaltspunkte zur Rettung der amerikanischen Fledermäuse zu erlangen – und um allenfalls eine Verschleppung des fatalen Pilzes aus den USA nach Europa zu verhindern.“

Seinen Namen erhielt das Weißnasen-Syndrom, weil der Pilz in kleinen weißen Polstern vor allem um die Nase herum, aber auch auf den Flügeln wächst. Alle befallenen Arten der Feldermäuse seien Insektenfresser, berichten die US-Autoren. Die nächtlichen Jäger sparten Landwirten viel Spritzmittel.

Nicola Zellmer (mit: dpa)