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Wissen Lernen fürs Leben: Die ersten 16 Wochen sind für Welpen wichtig
Nachrichten Wissen Lernen fürs Leben: Die ersten 16 Wochen sind für Welpen wichtig
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10:00 20.10.2019
Nein wie süß: Bei kleinen Hundwelpen werden die meisten Leute schwach. Dabei vergessen viele, dass die Aufzucht und Erziehung viel Arbeit bedeutet. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/
Bensheim

Es gibt ein Bällebad und einen Tunnel, rot-weißes Flatterband und reflektierende CDs: Was Margit Kunzelmann in ihrem Garten aufgebaut hat, ist Spielwiese und „Kinderstube“ in einem. Sie züchtet Lagotto Romagnolos – das sind italienische Trüffelsuchhunde – und zieht ihren dritten Wurf groß.

Fünf lockige Welpen tummeln sich in dem abgesteckten Gehege in ihrem Garten im hessischen Bensheim. Kunzelmann achtet darauf, dass die Hunde schon früh eine möglichst abwechslungsreiche Umgebung haben. „Die ersten 16 Wochen sind lebensentscheidend“, sagt sie.

Hunde machen in dieser „sensiblen Phase“ sehr tiefgreifende Lernerfahrungen, erklärt Marie Nitzschner, Verhaltensbiologin aus Leipzig. „Wenn ein Hund in dieser Phase angemessen viele Erfahrungen gemacht hat, wird er sein Leben lang darauf zurückgreifen“, so Nitzschner.

Halter sollten auf die Herkunft der Hunde achten

Habe der Hund dagegen bestimmte Dinge nicht kennengelernt, werde er entsprechende Eindrücke nicht richtig einordnen können. Dann erhöht sich die Gefahr, dass er Ängste oder andere Verhaltensauffälligkeiten entwickelt. Das sollten zukünftige Halter wissen, wenn sie einen Züchter suchen – aber auch wenn sie das Tier zu sich geholt haben.

Wann genau sich der Hund in dieser Sozialisationsphase befindet, ist umstritten – meistens verorten Experten sie in der sechsten bis 16. Lebenswoche. Doch schon die Wochen davor seien „superwichtig“, sagt Celina del Amo, Fachautorin und Tierärztin mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie aus Neuss. „Mit jeder Lebenswoche lernen die Welpen besser, Vertrautes und Unvertrautes zu unterscheiden.“

Abwechslung für Abenteurer: Diese sechs Wochen alten Lagotto-Romagnolo-Welpen tummeln sich in ihrem Spielgehege. Quelle: Fabian Busch/dpa-tmn

Bei Margit Kunzelmann wachsen die Welpen in der Wohnung auf. Dort sollen sie Gerüche, Berührungen und Geräusche kennenlernen: den Staubsauger, das Telefon oder die Türklingel. Doch auch der Kontakt zu Menschen spiele eine große Rolle, betont die Züchterin: „Ganz wichtig ist es, die Welpen anzufassen und hochzunehmen, sie lecken oder knabbern zu lassen – nur das Beißen in die Hand ist tabu.“

Geräusche, Gerüche, Gefährten: Alles muss kennengelernt werden

Ab der vierten Lebenswoche lässt die Züchterin die kleinen Lagottos auch in den Garten, damit sie das Gras und die Geräusche draußen kennenlernen. Später bekommen die Welpen zudem Besuch: von Kindergruppen oder ihren zukünftigen Haltern. Außerdem unternimmt Kunzelmann mit dem Wurf Ausflüge zu Fuß oder im Auto.

Im Gehege suchen sich die kleinen Hunde zu diesem Zeitpunkt passenderweise gerade einen Platz, um zu dösen. Doch selbst so lernen sie hinzu: In der Ferne ist das Surren eines Rasenmähers zu hören – ein Geräusch, das die Hunde später als ganz normal empfinden werden.

Blick in die Kinderstube: Wer sich einen jungen Hund zulegen möchte, sollte sich Züchter und Eltern genau anschauen. Quelle: Fabian Busch/dpa-tmn

Für Züchter bedeutet es viel Arbeit, den Hunden eine gute Kinderstube zu bieten. Zukünftige Besitzer sollten deshalb genau hinschauen, wenn sie sich einen Welpen anschaffen wollen. Da die Aufzucht von Welpen nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell anspruchsvoll ist, verdienen seriöse Hobbyzüchter kaum Geld damit.

Aufwachsen in dunklem Zwinger kann Folgen haben

Anders ist das bei sogenannten Vermehrern, die populäre Rassen in großem Stil züchten und häufig keinen Wert auf eine gute Sozialisation legen. Werden die Welpen in einem dunklen Zwinger groß, kann sich das im späteren Leben rächen.

Häufig geben Züchter den Nachwuchs in der achten bis zehnten Lebenswoche an die künftigen Halter ab. Diese müssen die Arbeit dann weiterführen. „Die Besitzer sollten den Junghund mit allem vertraut machen, was dem Tier bevorsteht“, sagt Marie Nitzschner. Kontakte zu anderen Hunden sind etwa wichtig. Lebe man in einer größeren Stadt, könne auch Straßenbahnfahren dazugehören. Wichtig sei aber, das Tier nicht im Hauruck-Verfahren an neue Dinge zu gewöhnen.

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