Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wissen Humboldts 250. Geburtstag: Bislang unbekannte Schriften veröffentlicht
Nachrichten Wissen Humboldts 250. Geburtstag: Bislang unbekannte Schriften veröffentlicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:49 14.09.2019
Ein 200 Jahre altes Buch, immer noch spannend: Die amerikanischen Reisetagebücher des Naturforschers Alexander von Humboldt. „Alles hängt mit allem zusammen“ – so lautete Humboldts grundlegende Ansicht, dass unsere Umwelt nur im Zusammenspiel mit dem menschlichen Wirken zu betrachten sei. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa

Eigentlich sollte man meinen, dass über den weltberühmten Alexander von Humboldt das Allermeiste bekannt und erforscht sein muss. Humboldt war eine Art Popstar der Wissenschaft im 18. und 19. Jahrhundert: Seine Artikel wurden auf mehreren Kontinenten gelesen, seine Vorträge waren Renner. Humboldt, dessen Geburtstag sich am 14. September zum 250. Mal jährt, hat berühmte Werke wie den „Kosmos“ und die „Ansichten der Natur“ geschrieben, der Roman „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann hat ihn ins Gedächtnis der Gegenwart zurückgeholt. Nun aber erscheint mit den „Sämtlichen Schriften“ (dtv, 6848 Seiten in zehn Bänden, 250 Euro) eine sensationelle, zehnbändige Ausgabe weitgehend unbekannter Schriften. Schriften, die über fast zwei Jahrhunderte vergessen waren und nun ein ganz neues Bild des Welterforschers vermitteln.

Die „Sämtlichen Schriften": Schriften aus sieben Jahrzehnten und drei Ergänzungsbände

95 Prozent der Texte, die sich in dieser Werkausgabe finden, sind nach Humboldts Tod 1859 nicht wieder veröffentlicht worden. Dass mal ein paar Texte, vielleicht sogar ein Roman eines längst verstorbenen Publizisten oder Schriftstellers, auf einem Dachboden entdeckt werden, kann schon mal geschehen. Aber fast 1000 Schriften? Das ist ein Goldschatz für Humboldt-Forscher genauso wie für Kultur- und Geisteswissenschaftler, die sich für das 18. und 19. Jahrhundert interessieren. Die Ausgabe, die von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich herausgegeben wird, gliedert sich in sieben Textbände, die Schriften aus sieben Jahrzehnten und drei Ergänzungsbände vereinen.

Den ersten wissenschaftlichen Text schrieb Humboldt mit 19 Jahren

Der erste Text, den Humboldt anonym im Alter von 19 Jahren veröffentlichte, handelt von einem giftigen Baum in Indien, dem Bohon Upas. Dass der schwedische Professor, auf den sich Humboldt bezieht, ausgerechnet Thunberg heißt, ist eine schöne kleine Note am Rande. Auch deshalb, weil Humboldt dieser Tage gern als erster Umweltschützer und Klimaforscher und damit auch als eine Art Urahn von Greta Thunberg bezeichnet wird. Abgedruckt sind seine Schriften jeweils im Original, was bei Humboldt heißt: mal in französischer, lateinischer, spanischer oder englischer Sprache. Die Texte finden sich zum Teil in den einzelnen Bänden, zum Teil im achten Band der Ausgabe aber alle ins Deutsche übersetzt.

Mehr zum Thema: Alexander von Humboldt: Forschung auf den Grundlagen des Vordenkers

Auch im hohen Alter war Humboldt noch arbeitswillig

In seinem letzten Text „Ruf und Hülfe“, geschrieben kurz vor seinem Tod, bittet Humboldt darum, nicht ständig mit Briefen, Modellen, Naturalien und „Anerbietungen mich häuslich zu pflegen, zu zerstreuen und zu erheitern“ bombardiert zu werden, da er sich auch in seinem hohen Alter noch auf seine eigene Arbeit konzentrieren wolle. „Möge dieser Ruf um Hülfe, zu dem ich mich ungern und spät entschlossen habe, nicht lieblos gemissdeutet werden!“ Mit diesen Worten endet diese briefliche Bitte und auch die Textsammlung.

Zum 250. Geburtstag Humboldts: Die „Sämtlichen Schriften"

Zwischen diesen beiden Texten geht es über sieben Jahrzehnte ungemein produktiven Schaffens um Pflanzen und Ökologie, um Berge und Bergwerke, um Tiere und Karten. Und es scheint auch der politische Mensch Humboldt durch – mit seinem Engagement gegen die Sklaverei etwa.

Um sich durch dieses Mammutwerk an Schriften zu arbeiten, ist der letzte Band der Ausgabe sehr hilfreich. Dort haben Autoren Essays über die einzelnen Themenschwerpunkte in Humboldts Wirken geschrieben. Mit Querverweisen auf die Schriften kann so die zehnbändige Ausgabe mit fachkundiger Hilfe durchforstet werden. Nicht in dieser Ausgabe zu finden sind allerdings seine Bücher, also weder der „Kosmos“ noch die „Ansichten der Natur“.

Mit ihrem Preis von 250 Euro richtet sich die Werkausgabe weniger an ein breites Publikum als an Forscher und Humboldt-Enthusiasten. Aber wer sich auf diese Reise in die Geistesgeschichte einlässt, wird schnell merken, dass sich die Investition lohnt. Wem der Preis aber zu hoch ist: Eine kleine Auswahl an Texten aus dieser großartigen Ausgabe findet sich in dem ebenfalls gerade erschienenen Kompendium „Der andere Kosmos“, in dem die beiden Herausgeber Lubrich und Nehrlich 70 Texte aus 70 Jahren (dtv, 448 Seiten, 30 Euro) zusammengestellt haben.

Alexander von Humboldt: Seine Lebensgeschichte als Comic

Ein ganz besonderes Buch legt Andrea Wulf vor. Sie hat gemeinsam mit der Illustratorin Lillian Melcher Alexander von Humboldts Südamerika-Expedition als Comic angelegt. Sehr farbenfroh und detailreich erzählt die in London lebende Sachbuchautorin die berühmte Reise auf den damals noch sehr unbekannten Kontinent. Die wilde Fahrt auf dem Orinocco darf genauso wenig fehlen wie die berühmte Besteigung des Chimborazo. Andrea Wulf hat vor ziemlich genau drei Jahren Kritiker wie Publikum mit ihrer Biografie „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ begeistert. Als sie ihr Manuskript gerade abgegeben hatte, wurden Humboldts Südamerika-Tagebücher der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt – davor hatten sie sich in Privatbesitz befunden. Als Wulf diese knapp 4000 Seiten inklusive vieler Zeichnungen sah, entschloss sie sich, ein Buch zu schreiben, das die künstlerische Ader Humboldts zeigt. Mit dem Buch „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt (C. Bertelsmann, 272 Seiten, 28 Euro) ist ihr das wunderbar gelungen. Das Buch ist zudem ein einfacher, aber keinesfalls platter Einstieg in Leben und Werk des großen Forschungsreisenden.

Das könnte Sie auch interessieren: Darum ist Humboldt so aktuell

Video: Buchtrailer zu Andrea Wulfs „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt

Humboldt wollte das Weltwissen erkunden

Alexander von Humboldt verband mit Karten eine große Liebe. Erst fuhr er mit den Fingern auf ihnen, dann bereiste er die Räume, die auf den Karten dargestellt sind. Der Humboldt-Experte Ottmar Ette interpretiert Alexander von Humboldt als Vordenker der Globalisierung. Das nicht ganz leicht zu lesende Werk Alexander von Humboldt und die Globalisierung“ (Suhrkamp, 476 Seiten, 14 Euro) beleuchtet den Zusammenhang von Reisen und Wissen. Humboldt wollte das Weltwissen erkunden, wollte nicht nur das eigene kulturelle und wissenschaftliche Zentrum bewohnen und bearbeiten, sondern hinaus in andere Zentren auf anderen Kontinenten. Im Wort Erfahrung steckt nicht umsonst das Wort „fahren“.

Alexander von Humboldt in Berlin

Alexander von Humboldt kehrte 1827 mit Ende 50 in seine Heimatstadt Berlin zurück, aber nicht gern. Zu sehr liebte er Paris, er war in London und Washington und hat den südamerikanischen Kontinent erforscht. „Alexander von Humboldt ist 57 Jahre alt, er ist weltberühmt und pleite und muss nach Berlin zurück.“ Mit diesem Satz beginnt Rüdiger Schapers Biografie Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten“ (Siedler, 285 Seiten, 20 Euro). Der Kulturjournalist und Theaterkritiker Schaper erzählt Humboldts Wirken und Schaffen als Wissenschaftler ausgehend von diesen letzten Jahrzehnten, die der berühmte Forscher weitestgehend in Berlin verbracht hat. Und er bettet Humboldt in die preußische Geschichte seiner Zeit ein, in die Aufbruchstimmung dieser Jahre. Humboldt verkörperte eindeutig die gute Seite Preußens, die durch Wissenschaft, Forschung und Geistesgeschichte geprägt ist.

In Berlin hielt Humboldt auch seine Vorträge in der Sing-Akademie, die heute unter dem Namen „Kosmos-Vorträge“ berühmt sind. Mit dieser Vorlesung im Winter 1827/28 begeisterte er sein Publikum. Humboldt will nichts weniger bieten als eine „Übersicht der Gesamtheit des Geschaffenen“, eine „Weltbeschreibung“. Die Herausgeberin Henriette Kohlrausch versammelt nun in „Die Kosmos-Vorlesung an der Berliner Sing-Akademie“ (Insel, 327 Seiten, 16 Euro) die 16 Vorträge in einem Band. Humboldt spricht über Wasser und Luft, über Tiere und Pflanzen, über den Mond, die Sonne und den Menschen. Kein Wunder, dass seine Zuhörer damals hin und weg waren.

Lesen Sie auch: Alexander von Humboldt: Ein Name, viele Patenschaften

Alexander von Humboldts Lieblingswerk: „Ansichten der Natur“

Als sein Lieblingswerk bezeichnete Alexander von Humboldt die „Ansichten der Natur“ von 1807. Unter den noch frischen Eindrücken seiner fünfjährigen Südamerika-Expedition hielt er alles fest, was ihn auf seiner Reise beschäftigte und beeindruckte: Er schrieb über Bodenschätze, Vulkane, den Chimborazo, die Halbinsel Yucatan, über Bauwerke, Flüsse, das Klima, das nächtliche Tierleben im Urwald und die Lebensweise der Menschen auf dem Kontinent. In der „Anderen Bibliothek“ (506 Seiten, 24 Euro) ist nun eine schöne Ausgabe dieser Schrift mit ausklappbaren Tafeln erschienen. Es ist eine Gedankenreise in eine Welt, die uns verloren zu gehen droht.

Ansichten aus seiner langen Amerika-Reise

Einen ganz anderen Eindruck in Humboldts Amerika-Reise gibt der Band „Das Buch der Begegnungen. Menschen, Kulturen, Geschichten aus den amerikanischen Reisetagebüchern“ (Manesse, 393 Seiten, 45 Euro). Der Herausgeber Ottmar Ette hat aus den rund 4000 Tagebuchseiten eine spannende Auswahl zusammengestellt. Hier kann der Leser erahnen, mit welch breit gestreutem und zugleich tiefem Interesse Alexander von Humboldt seine Expedition zwischen 1799 und 1804 unternommen hat. Das Zusammenwirken von Natur- und Geistesgeschichte wird deutlich: Ein Zusammenklang, den man sich heute nur noch wünschen kann.

Auf den Spuren des großen Alexander von Humboldt machten sich dann in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten Forscher auf, um Objekte aus aller Welt zusammenzutragen. Der amerikanische Historiker H. Glenn Penny hat mit „Im Schatten Humboldts“ eine „Tragische Geschichte der deutschen Ethnologie“ (C. H. Beck, 287 Seiten, 26,95 Euro) geschrieben. Ursprünglich sollten Sammlungen das Erbe bedrohter Kulturen bewahren. Schon bald aber gerieten die Forscher in den Strudel des Kolonialzeitalters. Die Frage wird sein, was das neue Humboldt-Forum im Berliner Stadtschloss aus dieser Geschichte lernen kann.

Von Kristian Teetz/RND

Die Ig-Nobelpreise sind eine zweifelhafte Ehre - zumindest dem Namen nach. Ein Wissenschaftler erzählt, wie es sich anfühlt, einen zu gewinnen.

13.09.2019

Wanderschuhe liegen voll im Trend. Ob nun mit einem femininen Kleid im Alltag oder auf der Wanderstrecke. Die Modelle sind vielfältig und werden häufig nach Einsatzzweck in Kategorien eingeteilt: A, B, C oder D. Welches Modell das richtige ist, hängt aber nicht allein von Tour und Terrain ab. Eine Entscheidungshilfe.

13.09.2019

Für viele Menschen ist Freitag, der 13., ein Unglückstag. Ein Tag, an dem das Bett besser nicht verlassen werden sollte. Aber was ist dran an dem Aberglauben und woher stammt er?

13.09.2019