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Wissen FSME und Borreliose: Wie gefährlich sind die Infektionen?
Nachrichten Wissen FSME und Borreliose: Wie gefährlich sind die Infektionen?
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14:46 20.06.2019
Ein Zeckenstich kann Infektionskrankheiten wie Borreliose und FSME übertragen. Quelle: dpa
Hannover

Sie lauern in Wiesen, Büschen und Wäldern – und in diesem Jahr sind es besonders viele: Erste Untersuchungen zeigen, dass 2019 ein Zecken-Rekordjahr werden könnte. Gerade in den warmen Sommermonaten ist das Risiko besonders hoch, von einer Zecke gestochen zu werden. Damit steigt auch die Gefahr einer Infektion mit Borreliose oder FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Aber was sind diese Erkrankungen eigentlich genau und wie gefährlich ist der Stich einer Zecke?

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FSME und Borreliose: Das sind die häufigsten Krankheiten

Zecken können eine Vielzahl von Infektionskrankheiten auf den Menschen übertragen. Zu den bedeutendsten Krankheiten zählen in Deutschland aber die Borreliose und FSME. „Die Borreliose wird durch Bakterien, die sogenannten Borrelien, ausgelöst und betrifft vor allem die Haut, Nerven und Gelenke“, erklärt die Biologin Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut (RKI). Damit unterscheidet sie sich von der Viruserkrankung Frühsommer-Meningitis (FSME), deren Erreger Hirnhautentzündungen hervorrufen können. FSME kommt in Deutschland und im Ausland nur in bestimmten Risikogebieten vor. Beide Krankheiten werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

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Zeckenbiss: Nicht jeder Biss führt zu einer Infektion

Wie viele Menschen sich jährlich mit den Krankheiten infizieren, ist laut der Biologin schwer zu beziffern. Nicht in allen Bundesländern gibt es eine Meldepflicht. Aber obwohl im Sommer viele Menschen von Zecken gestochen werden, sind Borreliose und FSME relativ seltene Krankheiten. „Ein Zeckenstich bedeutet noch lange nicht, dass man sich auch mit einer Krankheit infiziert“, erklärt Susanne Glasmacher.

Etwa zwanzig bis dreißig Prozent der Zecken in Deutschland sind mit Borrelien befallen. Auch ein Stich von einer befallen Zecke führt aber nur in wenigen Fällen zu einer Infektion: etwa ein Prozent der gebissenen Menschen entwickeln Krankheitssymptome. Das Vorkommen von FSME ist selbst in den Risikogebieten noch einmal deutlich geringer: etwa 0,1 bis fünf Prozent der Zecken tragen das Virus in sich.

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Infektion durch Zeckenbiss: Fieber und Kopfschmerzen als Symptome

Ob sich jemand durch einen Zeckenstich infiziert hat, ist allerdings nicht immer leicht zu erkennen. Bei der Borreliose dauert es einen bis mehrere Tage, bis die ersten Anzeichen auftreten, bei FSME sogar bis zu zwei Wochen. Ein typisches Zeichen für Borreliose ist die sogenannte Wanderröte.

„Die Wanderröte ist eine ringförmige Hautrötung“, erklärt Susanne Glasmacher. Sie befindet sich meistens in der Nähe von der Einstichstelle, kann aber auch an anderen Stellen das Körpers auftauchen. Dazu können Fieber und Muskel-, Kopf- und Nervenschmerzen auftreten. Monate oder Jahre später, wenn der Zeckenstich längt vergessen ist, kann es bei Betroffenen außerdem zu Gelenkentzündungen kommen, die vor allem die Knie betreffen.

Bei der FSME zeigen sich zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Für die meisten Betroffenen ist die Krankheit damit überstanden. In einigen Fällen kommt es jedoch zu einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns. Zeichen dafür sind ebenfalls Fieber, Übelkeit und Erbrechen. „In schweren Fällen kann FSME auch zu einem Ausfall des Nervensystem führen“, sagt Susanne Glasmacher.

Zecken-Gefahr: Im Garten, in Büsche und auf Wiesen besonders hoch

Auch wenn einige Menschen besonders anfällig für Zeckenstiche scheinen – Zecken suchen sich ihre Opfer nicht gezielt aus. Sie halten sich vor allem auf Grashalmen, an Buschzweigen und im Unterholz auf. Von dort werden sie beim Vorbeigehen abgestreift und wandern auf der Haut in weitere Körperregionen. „Deswegen ist das eigene Verhalten von großer Bedeutung für das Risiko von einem Zeckenstich“, erklärt Susanne Glasmacher.

Wer sich häufig im Garten aufhält oder in kurzen Hosen durch Wiesen und Felder streift, ist besonders gefährdet. Das Gerücht, dass weiße Kleidung dabei Zecken anzieht, kann die Biologin nicht bestätigen. „Weiße Kleidung ist sogar zu empfehlen, weil die Zeckenkörper besonders gut zu erkennen sind.“

FSME tritt vor allem in bestimmten Risikogebieten auf. In Deutschland befinden sich Risikogebiete hauptsächlich in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen sowie im südöstlichen Thüringen. Aber auch in anderen Ländern Europas kommen die Erreger vor. Besonders viele FSME-Gebiete gibt es in den baltischen Staaten sowie in großen Teilen Mittel- und Osteuropas.

FSME: Hier finden Sie Risikogebiete in Europa

Schutz vor FSME durch Impfungen

Vor einer Infektion mit FSME kann eine Impfung schützen. Die Impfung wird für Menschen empfohlen, die in Risikogebieten wohnen oder in Gebiete mit einem besonderen FSME-Risikogebiet reisen, wo sie mit Zecken in Kontakt kommen könnten. Aber auch Berufsgruppen wie Förster, Waldarbeiter oder Jäger sollten sich gegen die Krankheit impfen lassen. Zum Aufbau des Impfschutzes sind drei Impfungen erforderlich.

Ist eine Übertragung dagegen bereits erfolgt, kann eine nachträgliche Impfung den Ausbruch der Krankheit nicht mehr verhindern.

Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. Allerdings lässt sich das Risiko einer Infektion selbst verringern, wenn die Zecke frühzeitig entfernt wird. Denn während FSME direkt beim Zeckenstich übertragen wird, sitzen die Borrelien im Verdauungstrakt der Zecken. Erst sieben bis acht Stunden, nachdem die Zecke zugestochen hat, gelangen die Bakterien in die Mundwerkzeuge der Zecke und von dort aus in den Körper des Opfers.

Nach einem Zeckenstich: Ruhig bleiben und beobachten

Wer von einer Zecke gestochen wird, sollte zunächst ruhig bleiben. Ein Besuch im Krankenhaus nützt erst einmal wenig, weil die Symptome erst nach einigen Tagen oder Wochen auftreten. Stattdessen rät Susanne Glasmacher, die Zecke schnell zu entfernen und ruhig zu bleiben. „Betroffene sollten die Stelle und sich selbst in den folgenden Tagen genau beobachten.“

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Wenn grippeähnliche Symptome oder eine kreisförmige Hautrötung auftreten, sollten die Betroffenen aber möglichst bald einen Arzt aufsuchen. Dort kann die Borreliose durch eine Untersuchung festgestellt werden und lässt sich durch Antibiotika behandeln. Eine spezielle Behandlung gegen die FSME-Erkrankung gibt es dagegen nicht. Daher werden ausschließlich die Beschwerden behandelt.

Nach einer überstandenen FSME-Infektion sind Betroffene in der Regel immun gegen die Krankheit und können sich nicht ein zweites Mal anstecken. Eine überstandene Borreliose schützt dagegen nicht vor einer erneuten Infektion.

Von RND/lzi

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