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Nachrichten Wissen Ergebnisse von Ebola-Impfstudie machen Hoffnung
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08:36 02.04.2015
Nach einer ersten klinischen Studie mit Freiwilligen haben Forscher am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Hoffnung auf einen wirksamen Impfstoff gegen Ebola.
Nach einer ersten klinischen Studie mit Freiwilligen haben Forscher am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Hoffnung auf einen wirksamen Impfstoff gegen Ebola. Quelle: Wolfram Kastl
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Hamburg

Nach einer ersten klinischen Studie mit Freiwilligen haben Forscher am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Hoffnung auf einen wirksamen Impfstoff gegen Ebola. Alle Teilnehmer der Studie hätten nach der Impfung mit dem Stoff rVSV-ZEBOV wirksame Antikörper gegen Ebola entwickelt, sagte die Hamburger Infektionsmedizinerin Marylyn Addo. „Die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend.“ Schwere Nebenwirkungen habe es nicht gegeben.

Auch in Genf sowie in Lambaréné (Gabun) und im kenianischen Kilifi seien Freiwillige geimpft worden. Insgesamt seien 158 Probanden beteiligt. rVSV-ZEBOV basiert auf einem Tiervirus, in das ein Protein aus dem Ebola-Virus eingebaut wurde.

Die Forschungsergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Die Studie ist aber noch nicht abgeschlossen. In Hamburg wurden bislang 23 Menschen geimpft, die Ergebnisse von 20 Teilnehmern flossen in die Studie ein. Mitte April sollen sieben weitere Probanden den Wirkstoff in den Oberarm gespritzt bekommen.

Nach Abschluss der ersten Testphase sollen zwei weitere Studien mit wesentlich mehr Menschen in Westafrika folgen. Wenn auch diese erfolgreich verlaufen sollten, könnte sich ein Zulassungsverfahren durch die Behörden schnell anschließen, erklärte der Tropenmediziner Stefan Schmiedel. Im günstigsten Falle könne ein Impfstoff in der zweiten Jahreshälfte zur Verfügung stehen, sagte Addo.

Die Forscher am UKE zeigten sich erfreut über die gute Zusammenarbeit mit Kollegen in Gießen-Marburg-Langen und Tübingen sowie dem Bundesgesundheitsministerium und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Was in den letzten Monaten passiert ist, ist schon revolutionär“, sagte Klinikdirektor Ansgar Lohse. „Noch nie hat es eine so schnelle Impfstoffentwicklung gegeben wie jetzt im Falle von Ebola.“ Die Wissenschaftler müssten trotzdem vorsichtig sein und auf Nebenwirkungen achten.

Die bislang geimpften Freiwilligen klagten anschließend über Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein und Gelenkbeschwerden. Die Studie wurde sogar unterbrochen, weil auch eine Gelenkentzündung auftrat. Erst nach einer gemeinsamen Bewertung der Beschwerden wurde die Impfaktion im März fortgesetzt.

Bei rVSV-ZEBOV handelt es sich um einen Lebendimpfstoff. In der Erprobung befindet sich derzeit auch ein Totimpfstoff, der auf abgeschwächten Erkältungsviren von Schimpansen mit einem Teil des Ebolavirus basiert. Lebendimpfstoffe hätten den Vorteil, dass sie nur einmal gespritzt werden müssten. Totimpfstoffe hätten eine zeitlich begrenzte Wirkung. Der in Hamburg erprobte Impfstoff wurde von der US-Firma Merck entwickelt, das zweite Mittel von dem britischen Pharma-Konzern GlaxoSmithKline. Nur diese beiden Stoffe standen im September vergangenen Jahres zur Verfügung, als ein Experten-Konsortium der WHO mit den Tests begann.

In Westafrika haben sich seit dem vergangenen Jahr mehr als 25 000 Menschen mit dem Ebolavirus infiziert, mehr als 10 000 sind gestorben. Die Epidemie ist derzeit am Abklingen. Ebola werde aber auf absehbare Zeit ein Problem in Afrika bleiben, sagte Schmiedel.

Lohse betonte, dass der Impfstoff der Prävention dienen solle, nicht der Therapie. Allerdings: In Tierversuchen wurden Affen acht Stunden nach der Infizierung mit rVSV-ZEBOV geimpft. Die Hälfte von ihnen war danach gegen den Ausbruch der Krankheit geschützt, wie Addo berichtete. Aus diesem Grund behandelte man auch schon eine Laborassistentin vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut mit dem Impfstoff, die sich 2009 versehentlich infiziert hatte, sowie im vergangenen Jahr einen Arzt, den das gleiche Schicksal in Sierra Leone ereilte.

Hochzufrieden zeigten sich die Hamburger Forscher mit den freiwilligen Teilnehmern der Studie. Einer sei von weit her angereist, habe sich extra Urlaub genommen und habe sogar seine Aufwandsentschädigung gespendet, alles nur, um im Kampf gegen Ebola zu helfen. Es hätten sich doppelt so viele gemeldet, wie gebraucht wurden. Keiner habe Ängste geäußert. „Wir hätten selber auch gerne mitgemacht, wenn wir gedurft hätten“, sagten Addo und Schmiedel.

dpa

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