Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wissen Niassa-Reservat: Kein einziges Elefantenopfer durch Wilderer seit einem Jahr
Nachrichten Wissen Niassa-Reservat: Kein einziges Elefantenopfer durch Wilderer seit einem Jahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:03 18.06.2019
Eine Elefantenherde mit Jungtieren trinkt an einem Wasserloch in Botsuana. Quelle: Matthias Graben/imago images
Anzeige
Johannesburg

Gute Nachrichten aus dem Niassa Reserve, einem von Afrikas größten Naturschutzgebieten. Seit mehr als einem Jahr wurde nicht ein einziger Elefant von Wilderern erlegt. Für Experten ist das eine außergewöhnliche Entwicklung, waren doch in dem Gebiet, das größer als die Schweiz ist, in den vergangenen Jahren Tausende Tiere abgeschlachtet worden.

Der sich abzeichnende Wandel im Niassa Reserve, das in einer abgeschiedenen Region im Norden Mozambiques liegt, ist wohl der Schaffung einer schnellen polizeilichen Eingreiftruppe und entschlossener Luftüberwachung und polizeilichen Reaktionen zu verdanken. Das jedenfalls meldet die in New York ansässige Wildlife Conservation Society, die zusammen mit der Regierung Mozambiques und weiteren Partnern das Niassa Reserve führt.

Anzeige

Lesen Sie auch:
So reagieren Elefanten auf Wilderer

Nach wie decken allerdings die Kontrollen des weitläufigen Gebietes mit Aufklärungsflügen und Patrouillengängen nicht die ganze Fläche ab – noch müssen Stichproben genügen. Und trotz der vermeintlichen Fortschritte könnte es noch viele Jahre dauern, bis Niassas Elefantenpopulation wieder zu alter Stärke gefunden hat – selbst, wenn die Wilderei in Schach gehalten würde.

Aggressive Wilderei hat über die Jahre dazu geführt, dass die Anzahl der Elefanten in Niassa von etwa 12 000 auf rund 3600 im Jahr 2016 zurückging. Strategien gegen das Wildern reduzierte die Anzahl am Opfern zwischen 2015 und 2017 zwar, aber die Wildlife Conservation Society bezeichnete die Tötungsraten als immer noch viel zu hoch.

Lesen Sie auch:
Elefanten-Wilderei in Afrika ist deutlich gesunken

Die neuen Maßnahmen, wurden unter anderem deshalb schnell umgesetzt, weil Mosambiks Präsident Felipe Nyusi die schnelle Eingreiftruppe persönlich genehmigt hatte. Das führte dazu, dass die Partner jetzt Anlass zur Hoffnung haben, dass Niassas Elefantenpopulation „eine echte Chance hat, sich zu erholen“. „Das ist wirklich ein bemerkenswerter Fortschritt, sagt James Bampton, Landesdirektor der Wildlife Conservation Society. Er hatte das Wilderer-freie Jahr bei einer Datenkontrolle bemerkt. Das letzte Mal, dass ein Elefant nachweislich im Niassa-Reservat getötet wurde, war am 17. Mai 2018, so Bampton. Der politische Wille gegen Wilderer vorzugehen, sei der Schlüssel zum Erfolg, sagte Bampton – zumal es Mosambiks Präsident sehr daran gelegen sei, die Wilderei zu bekämpfen.

Neue Eingreiftruppe ist „knallhart“

Die neue schnelle Eingreiftruppe der Polizei ist eine Eliteeinheit, die besser bewaffnet ist als die regulären Park-Ranger und „hat den Ruf, knallhart zu sein“ wie Bampton es schildert. Die Polizisten haben das Recht, Personen wegen des Verdachts der Wilderei festzunehmen, innerhalb von 72 Stunden den Fall gerichtsfest zu machen und ihn an den lokalen Staatsanwalt weiterzuleiten. „Allein schon mit einer Feuerwaffe erwischt zu werden, wird als „Absicht illegal zu jagen“ gewertet. Darauf können bis zu 16 Jahre Haft stehen.

Trotz aller Fortschritte, auch in anderen Reservaten wie etwa in Tansania, ist die jährliche Zahl an Verlusten durch Wilderei auf dem gesamten Kontinent immer noch höher als die Geburtenrate. Zudem sorgt die Ausweitung menschlicher Siedlungsgebiete für einen Reichweitenverlust. Die Zahl afrikanischer Elefanten ist von mehreren Millionen um das Jahr 1900 bis auf aktuell schätzungsweise 415 000 zurückgegangen.

Lesen Sie auch:
Botsuana gibt Elefanten wieder zum Abschuss frei

Von Daniel Killy/RND/AP