Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wissen Abfall im Alltag: Weniger ist mehr
Nachrichten Wissen Abfall im Alltag: Weniger ist mehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 30.03.2019
Große Mengen an Abfall können durch einige Tricks vermieden werden. Quelle: stock.adobe.com
Hannover

Schon als Kind hat Manuela Gaßner viel Zeit in der Natur verbracht, am liebsten im Schrebergarten ihres Opas. Später hat sie Gartenbau studiert und in Agrarwissenschaften promoviert. Heute hat sich die 38-Jährige ganz dem Thema Müllvermeidung verpflichtet. Auf ihrem Blog „Einfach Zero Waste leben!“ gibt sie Tipps, wie man im Alltag möglichst wenig Abfall produziert. Gaßner lebt mit ihrem Freund und ihren drei Kindern in Freising bei München. Im Interview erzählt die Autorin unter anderem, welche Vorteile es für einen selbst hat nach dem Zero Waste Prinzip zu leben.

Manuela Gaßner lebt nach dem Zero Waste Prinzip. Quelle: Ron Behrendt

Frau Gaßner, seit 2015 versuchen Sie, mit möglichst wenig Müll auszukommen. Was war der Auslöser?

Mich hat immer schon gestört, dass ich nach dem Einkaufen enorm viel Müll zu Hause hatte. Alles ist verpackt, steckt in Plastikfolien, Tüten, Netzen oder beschichteten Kartons. Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, die Verpackungen im Laden zu lassen. Aber das hat mich nicht glücklicher gemacht, denn Müll verursachten meine Einkäufe trotzdem noch. Hinzu kam, dass wir damals umgezogen sind und ich begriff: Wir haben viel zu viel Zeug, das wir nicht brauchen. Also fing ich an, massiv auszumisten.

Sie propagieren seither das Zero-Waste-Leben. Wie muss man sich das vorstellen?

Ich kaufe alles, wenn möglich, unverpackt. Brot landet beim Bäcker im Stoffbeutel, Wurst und Käse kommt an der Theke in mitgebrachte Dosen, Obst und Gemüse direkt in den Einkaufskorb und beim Rest achte ich auf Großpackungen. Wir haben zum Beispiel einen 20-Kilogramm-Sack Reis zu Hause. Der hält ewig. Außerdem fülle ich meine Lebensmittel daheim in Gläser um. Dann habe ich sie immer vor Augen und weiß im Laden genau, was mir fehlt und was nicht. So vermeide ich, Überflüssiges zu kaufen und Lebensmittel zu verschwenden. Wichtig ist auch: Wir kochen jeden Tag. Bei uns gibt es keine Fertiggerichte und deshalb auch nicht die dazugehörigen Verpackungen.

Haben Sie überhaupt noch eine Mülltonne?

Ja, denn wir müssen eine haben, von der Restmülltonne kann man sich nicht befreien. Aber bei uns landet der meiste Abfall auf dem Kompost. Inzwischen schaffen wir es tatsächlich, relativ müllfrei zu leben. Zum Vergleich: Wir füllen zu fünft maximal zwei gelbe Säcke pro Jahr.

Deutschland gilt als Musterland in Sachen Recycling. Trotzdem haben wir Ihrer Meinung nach ein Müllproblem. Warum?

In der Tat, wir Deutschen sind Recyclingweltmeister. Aber gleichzeitig ist unser Müllaufkommen enorm und verschwendet gewaltige Ressourcen. Das ganze Erdöl, das dafür gefördert wird, die Metalle, die umweltschädigend abgebaut werden, die Transportemissionen, die unsere Natur verpesten – das ist das Problem.

Wo fängt man an, um den täglichen Abfall zu reduzieren?

Man fängt da an, wo man möchte – ob in der Küche, im Reinigungsschrank, im Badezimmer oder dem Kleiderschrank. Die meisten wollen in der Küche beginnen, denn da fällt gefühlt am meisten Müll an. Sinnvoll ist es, sich zunächst eine Verpackungsart vorzunehmen, die man einsparen oder ersetzen will, etwa das Tetrapak, die Bäckertüte oder die Plastikflasche.

In Ihrem Buch „Das Zero Waste Nähbuch“ raten Sie dazu, Wegwerfartikel im Haushalt durch Selbstgenähtes zu ersetzen. Warum?

Ganz einfach: Ob Kosmetikpad, Küchenrolle oder Frischhaltefolie – all die alltäglichen Helferlein landen über kurz oder lang meist im Restmüll und werden verbrannt. Das ist ein riesiger Müllberg. Wenn ich diese Sachen selbst herstelle und langlebige Mehrwegartikel daraus mache, habe ich nicht nur weniger Abfall, ich spare am Ende auch Geld und Einkaufsgänge.

Worauf ist beim Selbernähen der Alltagsgegenstände zu achten?

Am besten ist es, wenn man vorhandene Stoffe verwendet, also alte Gardinen, Geschirrtücher, Bettlaken oder Handtücher. Ich achte außerdem darauf, dass die Stoffe gewaschen sind, also schadstofffrei, und aus einer nachhaltigen, zertifizierten Produktion.

Gibt es Dinge, die man dennoch lieber kauft, statt sie selbst zu nähen?

Ja, Toilettenpapier.

Wer nach dem Zero-Waste-Prinzip lebt, spart nicht nur die Müllgebühren. Welche Vorteile gibt es noch?

Genau, das müllfreie Leben macht sich nicht nur im Geldbeutel bemerkbar. Es ist vor allem gesünder, denn ich lebe mehr von regionalen und saisonalen Lebensmitteln. Außerdem spare ich Zeit und Stress, denn ich gehe weniger und gezielter Einkaufen, mich triggern keine Schnäppchenkäufe, ich schaffe nur Langlebiges an und lasse mich nicht vom Überangebot blenden: Weil mich nur Unverpacktes oder Verpackungsreduziertes interessiert, ist das Ganze extrem entschleunigend.

Handgemachter Kaffefilter: So geht`s

Melitta Bentz hat ihn im Jahre 1908 erfunden. Heute gilt frisch aufgebrühter Filterkaffee nicht als altbacken,sondern hip – erst recht, wenn man selbst genähte Kaffeefilter dafür nutzt.Hänger vorbereiten: Beide langen Kanten jeweils fünf Millimeter nach links umbügeln, dann mittig der Länge nach auf links zusammenbügeln. Das entstandene schmale Band knappkantig absteppen. Runde Oberkante über die gesamte Länge einen Zentimeter auf links umbügeln und knappkantig mit einem breiten Zickzackstich absteppen. Stoff mittig rechts auf rechts falten, der Zickzackstich der oberen Saumkante ist sichtbar.Hänger mittig falten, in den Stoff legen. Die beiden Enden im Abstand von zwei und drei Zentimetern zur Oberkante befestigen. Das versetzte Befestigen ist flacher zu nähen und gibt mehr Haltekraft. Untere und seitliche Kante mit einem breiten und kurzen Zickzackstich knappkantig vernähen, den Hänger doppelt verriegeln. Wenden und die Ecken mit einem Stäbchen ausformen, bügeln.

Ein Kaffeefilter lässt sich ganz leicht selbst nähen. Quelle: Michael Ruder

Das wird gebraucht: Biobaumwollstoff in Dunkelbraun kariert, 16 cm × 112 cm, Nähgarn in Dunkelbraun. Zuschnitt: 1 × Biobaumwollstoff, 16 cm × 30 cm, 1 × Biobaumwollstoff, 10 cm × 3,5 cm (Hänger). Im Zuschnitt sind 5 mm beziehungsweise 1 cm Nahtzugabe enthalten. Zum Material: Testen Sie Ihren Stoff vorher. Verhält sich die Fließgeschwindigkeit ähnlich der Ihres Papierfilters? Fließt der Kaffee zu schnell oder zu langsam, ändert sich der Geschmack. Bei Stoffen in Beige- oder Brauntönen sind spätere Verfärbungen weniger sichtbar.

Tipps: Verwenden Sie als Schablone Ihren passenden Papierfilter und geben Sie an der Oberkante einen Zentimeter und an den beiden verbleibenden Schnittkanten fünf Millimeter Nahtzugabe hinzu. Bevor Sie Ihren ersten Kaffee genießen, kochen Sie die Kaffeefilter fünf Minuten aus. Kaffeefilter nach Gebrauch gründlich reinigen und zum Trocknen aufhängen. Einmal im Monat Beutel für fünf Minuten auskochen oder in der Waschmaschine in einem Wäschenetz waschen.

Manuela Gaßner hat das Buch „Das Zero Waste Nähbuch“ im Frech-Verlag veröffentlicht (96 Seiten, 15,99 Euro). Quelle: frechverlag_TOPP

Von RND / Sophie Hilgenstock

Von der Digitalisierung verspricht sich die Luftfahrtbranche viel: So soll künftig ein virtueller Doppelgänger alle Daten eines Flugzeugs abbilden. Was wird das verändern?

30.03.2019

Ende März findet die Earth Hour 2019 statt. Wann genau sie beginnt, was Sie darüber wissen müssen und wie Sie teilnehmen können, verraten wir Ihnen hier.

30.03.2019

Riesige Flüsse auf dem Roten Planeten: Die Analyse von Mars-Bildern zeigt, dass die Oberfläche des Planeten einst von große Strömen durchzogen war. Die einstigen Flüsse waren sogar doppelt so breit wie die auf der Erde.

30.03.2019