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Wirtschaft Zukunft der Landesbanken ist in Gefahr
Nachrichten Wirtschaft Zukunft der Landesbanken ist in Gefahr
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19:22 13.09.2010
Bankenmetropole Frankfurt: Die Beschlüsse von Basel sollen der Finanzbranche zu mehr Stabilität verhelfen.
Bankenmetropole Frankfurt: Die Beschlüsse von Basel sollen der Finanzbranche zu mehr Stabilität verhelfen. Quelle: dpa
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„Die starken Häuser werden noch stärker werden und die schwachen werden noch schwächer“, sagt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Die Probleme im Sparkassensektor würden durch die neuen Regeln aufgedeckt. „Vor allem bei den Landesbanken, die vielfach kein Geschäftsmodell haben, muss es bald zu einer Lösung kommen.“

Die Finanzkrise brachte Banken weltweit ins Wanken und das Finanzsystem bis an den Abgrund. Zur Vermeidung derartiger Krisen sollen Kreditinstitute weltweit für Risikofälle mehr eigene Mittel und Liquidität vorhalten. Die „Basel III“ genannten Beschlüsse im Einzelnen:

Mehr Eigenkapital: Die Banken müssen mehr Eigenkapital vorhalten, um gegen Kreditausfälle und Turbulenzen an den Kapitalmärkten besser gerüstet zu sein. Dazu muss das Kernkapital statt bisher mindestens 4 Prozent künftig mindestens 6 Prozent der risikogewichteten Aktiva umfassen. Kernkapital ist das bei Verlusten sofort haftende Eigenkapital, das in einer Krise auch tatsächlich mit hoher Sicherheit belastbar ist. Die Kernkapitalquote beschreibt das Verhältnis des Kapitals zu den risikobehafteten Geschäften der Bank, also zu den Krediten und Geldanlagen. Bis 2015 haben die Banken Zeit, um ihr Kapital aufzustocken.

Strengere Kapitalanforderungen: Die Baseler Regelungen verschärfen die qualitativen Anforderungen an die Kapitalausstattung der Banken. Dafür ist das „harte Kernkapital“ maßgebend. Es umfasst das Aktienkapital und die einbehaltenen Gewinne und soll von 2 Prozent der risikogewichteten Aktiva bis 2015 auf 4,5 Prozent aufgestockt werden. Stille Einlagen, die für die deutschen Banken besonders wichtig sind, werden bei Aktiengesellschaften nicht mehr als „hartes Kernkapital“ akzeptiert. Für Banken, die keine Aktiengesellschaften sind, läuft diese Regelung 2023 aus. Dies betrifft die deutschen Sparkassen und Landesbanken.

Zusätzliche Risikopuffer: Zudem müssen die Banken einen weiteren Kapitalpuffer von 2,5 Prozent an „hartem Kernkapital“ aufbauen. Diesen dürfen sie nur in Krisenzeiten antasten. Der Puffer soll ab 2013 angelegt und bis 2019 komplettiert werden. Solange dieser Puffer nicht erfüllt ist, muss die Gewinnausschüttung entsprechend eingeschränkt werden. Zusammen mit den Vorgaben für das „harte Kernkapital“ müssen die Banken bis 2019 damit 7 Prozent aufbringen. Einen weiteren Puffer von null bis 2,5 Prozent können einzelne Länder abhängig von der jeweiligen nationalen Situation einfordern. Er soll den nationalen Bankensektor vor exzessivem Kreditwachstum schützen.

Liquiditäts- und Schuldenpuffer: Die Banken sollen weitere Sicherheitspuffer einhalten. Zum einen sollen sie sich nicht zu stark im Verhältnis zum Eigenkapital verschulden und zu viele riskante Kredite ausgeben. Zum anderen sollen die Banken genügend Liquidität vorhalten, also auf ihre Refinanzierungsstruktur achten.

Fristen: Die neuen Regeln sollen ab 2013 greifen, im Endeffekt haben die Banken aber für die Umsetzung bis 2019 Zeit. Zuvor müssen die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Wirtschaftsnationen (G 20) dem Reformpaket bei einem Treffen im November in Südkorea zustimmen. Überhaupt nicht berücksichtigt werden bei den neuen Regelungen Finanzmarktakteure wie Hedgefonds oder Beteiligungsgesellschaften wie etwa Private-Equity-Gesellschaften.

dpa