Züge in Niedersachsen oft unpünktlich: Land fordert mehr Geld für Bahnanlagen
Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft „Investitionsstau“ bei Bahnanlagen: Jeder zehnte Zug im Land kommt zu spät
Nachrichten Wirtschaft

Züge in Niedersachsen oft unpünktlich: Land fordert mehr Geld für Bahnanlagen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 24.10.2020
Die Informationstafeln in Niedersachsens Bahnhöfen zeigen oftmals Unerfreuliches an.
Die Informationstafeln in Niedersachsens Bahnhöfen zeigen oftmals Unerfreuliches an. Quelle: Fabian Sommer/dpa
Anzeige
Hannover

Die Nahverkehrsgesellschaft des Landes Niedersachsen (LNVG) fordert vom Bund mehr Geld für Bahnanlagen wie Strecken, Weichen und Ausweichgleise. „Der Investitionsstau muss schneller aufgelöst werden, damit Züge pünktlicher fahren können“, sagte LNVG-Geschäftsführerin Carmen Schwabl. Daten untermauerten, dass überlastete Schienenstrecken häufig für Verzögerungen verantwortlich sind.

Die LNVG ist zuständig für den Regionalzugverkehr in weiten Teilen des Landes. Im vergangenen Jahr und im Jahr 2018 lag die Pünktlichkeitsquote bei 90 Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Zug erst dann als unpünktlich in die Statistik aufgenommen wird, wenn die Verspätung gegenüber dem Fahrplan mehr als fünf Minuten beträgt.

In der Corona-Krise waren viele Züge pünktlicher

„Der 90-Prozent-Wert ist unbefriedigend“, betonte Schwabl. Sie verwies auf ein Phänomen aus dem ersten Halbjahr 2020: Während der Corona-Phase von März bis Juni hat sich die Pünktlichkeitsquote auf 93 Prozent verbessert. „Das ist für die Fahrgäste spürbar“, sagte Schwabl. Der Grund für die Verbesserung sei, dass deutlich weniger Güter- und Fernzüge unterwegs gewesen seien. Für Regionalzüge bedeutete dies eine freiere Fahrt.

Die Probleme treten an einigen Punkten verstärkt auf. Dazu zählt nach Angaben von LNVG-Sprecher Dirk Altwig das Umfeld der Großstädte Hannover, Hamburg und Bremen. Auf Hauptstrecken wie der Achse Hamburg–Hannover–Göttingen könnte es besser werden, weil der Bund schon investiert. Derzeit gibt es allerdings wegen Baustellen Engpässe.

Beim Weser-Ems-Netz soll Gutachten helfen

Sorgen bereitet besonders das von der Nord-West-Bahn betriebene Weser-Ems-Netz im Dreieck zwischen Osnabrück, Bremen und Wilhelmshaven. „Wir sehen dort großen Handlungsbedarf und haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Lösungsmöglichkeiten aufzeigen soll“, sagte Altwig.

Beeinträchtigt wurde der Bahnverkehr im vergangenen Jahr nach Angaben von Schwabl auch durch Personalmangel etwa bei Lokführern. Dadurch fielen 1,2 Prozent der Züge kurzfristig aus. „Das ist in den vergangenen sechs Monaten zurückgegangen. Die von den Unternehmen betriebene Personalrekrutierung zeigt Wirkung“, erklärte sie. Die LNVG zahlt den Bahnunternehmen jährlich insgesamt rund 330 Millionen Euro an Zuschüssen. Wegen Zugausfällen und -verspätungen hat sie davon 2019 rund 5,3 Millionen Euro einbehalten.

Von Bernd Haase